Johannes 21
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Was es bedeutet
Dieses letzte Kapitel wirkt wie ein Nachwort — Johannes hatte in Kapitel 20 schon einen runden Schluss gefunden, und dann setzt er noch einmal an, so wie Paulus manchmal in seinen Briefen neu beginnt, wenn ihm noch etwas Wichtiges kommt Matthew Henry. Das Kapitel hat drei klare Szenen. Erstens (Verse 1–14): Sieben Jünger gehen wieder fischen — zurück zum alten Beruf, als wüssten sie nicht mehr, wohin — und fangen die ganze Nacht nichts. Im Morgengrauen steht ein Fremder am Ufer, lässt sie das Netz noch einmal auswerfen, und plötzlich ist es zum Bersten voll. Johannes erkennt zuerst: „Es ist der Herr!" Und Petrus, ungestüm wie immer, springt ins Wasser. Am Ufer wartet schon ein Feuer, Brot und Fisch — Jesus bewirtet sie zum Frühstück. Zweitens (Verse 15–19): das Herzstück. Dreimal fragt Jesus den Petrus: „Liebst du mich?" — genau so oft, wie Petrus ihn am Feuer des Hohepriesters dreimal verleugnet hatte. Jesus stellt den Zusammengebrochenen wieder her, und jede Antwort mündet in einen Auftrag: „Weide meine Schafe." Dann kündigt er an, dass Petrus mit ausgestreckten Händen sterben wird — ein Hinweis auf den Märtyrertod am Kreuz. Drittens (Verse 20–25): Petrus fragt neugierig nach dem Schicksal des „geliebten Jüngers", und Jesus weist ihn sanft zurecht: „Was geht es dich an? Folge du mir nach." Das Kapitel schließt mit dem Siegel des Augenzeugen und dem staunenden Bekenntnis, dass keine Bibliothek der Welt fassen könnte, was Jesus alles getan hat Tyndale. Die Bewegung des Ganzen: vom Scheitern zur Wiederherstellung, von der Verleugnung zum Hirtendienst.
Historischer Hintergrund
Das Johannesevangelium wurde wahrscheinlich gegen Ende des ersten Jahrhunderts geschrieben, etwa zwischen 85 und 100 nach Christus — spät genug, dass die anderen drei Evangelien schon im Umlauf waren, und lange genug nach Jesu Tod, dass die erste Generation der Augenzeugen langsam wegstarb. Genau das erklärt eine merkwürdige Notiz in diesem Kapitel: Unter den Christen ging das Gerücht um, der „geliebte Jünger" werde nicht sterben, bevor Jesus wiederkommt (Vers 23). Als dieser Jünger dann doch alt wurde, musste jemand richtigstellen, was Jesus wirklich gesagt hatte.
Der Schauplatz ist der See Genezareth, den Johannes nach der römischen Kaiserstadt „See von Tiberias" nennt — benannt nach Kaiser Tiberius. Das war Fischerland. Petrus, die Zebedäus-Söhne, sie alle waren hier aufgewachsen, mit Netzen, Booten und durchwachten Nächten. Nach der Kreuzigung und Auferstehung kehren sie an diesen vertrauten Ort zurück, weil Jesus sie ausdrücklich nach Galiläa vorausbestellt hatte ( Matthäus 26,32 und 28,7).
Ein Detail aus der Alltagswelt: Petrus war „nackt" (Vers 7) — Fischer arbeiteten oft nur mit einem Lendentuch, um in nassen Netzen nicht hängenzubleiben. Bevor er einem Rabbi begegnete, gürtete er sich schnell das Oberkleid um; Anstand vor dem Herrn. Und das Kohlenfeuer am Ufer (Vers 9) ist im Griechischen genau dasselbe Wort wie das Feuer, an dem Petrus seinen Herrn verleugnet hatte. Johannes wählt es mit Bedacht — er will, dass wir uns erinnern.
Ursprache
Das Kapitel beginnt mit φανερόω (phaneróō, G5319, Vers 1), „sich sichtbar machen, offenbar werden" Strong's. Jesus drängt sich nicht auf — er zeigt sich, immer wieder aufs Neue (πάλιν, pálin, G3825), unerwartet, mitten in der gewöhnlichen Arbeit.
Das theologisch reichste Wort steht im Zwiegespräch mit Petrus. Zweimal fragt Jesus mit ἀγαπάω (agapáō, G25, Vers 7 und 15) — jenem Wort für die hingebende, entschiedene Liebe. Petrus aber antwortet jedes Mal mit einem anderen Verb, philéō, der Liebe der herzlichen Freundschaft. Beim dritten Mal steigt Jesus selbst zu Petrus' Wort herab. Nach dem Zusammenbruch der Verleugnung wagt Petrus nicht mehr, sich die große, starke Liebe zuzutrauen — und Jesus nimmt ihn an, wo er ist.
In Vers 19 heißt es, Petrus werde Gott durch seinen Tod δοξάζω (doxázō, G1392), „verherrlichen, Ehre erweisen" Strong's. Bemerkenswert: Sogar ein qualvoller Märtyrertod wird hier zur Herrlichkeit Gottes umgedeutet. Das griechische σημαίνω (sēmaínō, G4591, „andeuten, mit einem Zeichen kundtun") verrät, dass Jesus verhüllt vom Kreuz spricht, das Petrus erwartet.
Und am Schluss steht οἴομαι (oíomai, G3633, Vers 25), „ich meine, ich stelle mir vor" Strong's — die ganze Welt könnte die Bücher nicht fassen. Kein trockener Bericht, sondern ein staunendes „ich glaube fast".
Wie es auf Christus hinweist
Das ganze Kapitel dreht sich um einen auferstandenen Jesus, der Fellowship wiederherstellt — der es kaum erwarten kann, die gebrochene Gemeinschaft mit seinen Freunden wieder in Ordnung zu bringen desiringgod.org. Achte auf das Feuer. Am Kohlenfeuer des Hohepriesters hatte Petrus dreimal geleugnet, Jesus zu kennen. Nun bereitet Jesus selbst ein Kohlenfeuer, wärmt seinen gescheiterten Jünger und fragt ihn dreimal nach seiner Liebe — nicht um die Wunde aufzureißen, sondern um sie ganz zu heilen. Für jede Verleugnung ein Bekenntnis. Das ist das Herz des Evangeliums in einer einzigen Szene: der Herr, der nicht abrechnet, sondern wiederaufrichtet.
Und dann macht er aus dem Wiederhergestellten einen Hirten: „Weide meine Schafe." Jesus ist der gute Hirte, der in Johannes 10,11 sein Leben für die Schafe lässt — und nun vertraut er dieselbe Herde einem Menschen an, der genau weiß, wie es sich anfühlt, zu versagen und begnadigt zu werden. Nur ein vergebener Sünder kann andere Sünder recht weiden.
Die Ankündigung von Petrus' Tod (Vers 18–19) ist eine echte, später erfüllte Vorhersage — die Überlieferung berichtet, dass Petrus in Rom gekreuzigt wurde. Und der letzte Ruf des Kapitels, „Folge du mir nach!", ist derselbe Ruf wie am Anfang der Evangelien ( Matthäus 4,19). Der Kreis schließt sich: Nachfolge, die einmal am See begann, wird am selben See erneuert — diesmal in dem vollen Wissen, wohin sie führt. Jesus ist von Anfang bis Ende der, der ruft, vergibt und sendet.
Für dein Leben
Vielleicht kennst du das Gefühl, das Petrus in dieses Boot getrieben hat: Ich habe versagt, also gehe ich zurück zu dem, was ich kann. Wieder fischen. Kopf runter. Nicht mehr an die große Berufung denken. Und wenn du ehrlich bist, ist die ganze Nacht leer geblieben — das eigene Zurück-zum-Alten füllt kein Netz.
Und dann steht Jesus am Ufer. Er macht ein Feuer. Er fragt nicht: „Wie konntest du nur?" Er fragt: „Liebst du mich?" Das ist die Frage, auf die alles ankommt — nicht „Wie gut hast du dich benommen?", sondern „Gehört dein Herz mir?" Merk dir: Jesus vergibt nicht mit einem einzigen Wort und wechselt dann das Thema. Er lässt Petrus die Verleugnung dreimal ausbekennen, weil echte Heilung an die wunde Stelle rührt. Er wird auch dich fragen — dreimal, wenn nötig — nach genau der Sünde, die du am liebsten übergehen würdest.
Und dann kostet dich seine Vergebung etwas. Sie ist nie nur „Schwamm drüber". Sie ist ein Auftrag: „Weide meine Schafe." Das Herz eines Hirten ist Führen durch Nähren desiringgod.org — dich um Menschen kümmern, die schwierig, undankbar und langsam sind, so wie Jesus sich um dich kümmert. Und dann noch das Härteste: Vergleiche dich nicht. Petrus zeigt auf Johannes — „und was ist mit dem?" Jesus schneidet es ab: „Was geht es dich an? Folge du mir nach." Der Preis, den dieses Kapitel von dir fordert, ist, deinen eigenen Weg der Nachfolge zu gehen, mit allem, was er kostet, ohne nach links und rechts zu schielen.
Gebetsanliegen
- Herr, du kennst meine Verleugnungen und lädst mich trotzdem an dein Feuer — danke, dass du gebrochene Gemeinschaft wiederherstellen willst, bevor ich überhaupt darum bitte.
- Jesus, du fragst mich: „Liebst du mich?" Ich antworte ehrlich, auch wenn meine Liebe schwächer ist als ich möchte: Du weißt, dass ich dich lieb habe.
- Gib mir ein Hirtenherz für die Menschen, die du mir anvertraut hast — Geduld für die schwierigen, Treue für die undankbaren.
- Bewahre mich davor, mich mit anderen zu vergleichen; hilf mir zu hören: „Folge du mir nach" — und sonst nichts.
- Lehre mich, sogar in Leid und Kosten ein Leben zu führen, das dich verherrlicht, so wie Petrus dich noch in seinem Tod geehrt hat.
Zum Nachdenken
- Wohin ziehe ich mich zurück, wenn ich versagt habe — zu welchem „wieder fischen gehen"? Und was füllt dieses leere Netz nicht?
- Wenn Jesus mich dreimal nach genau der Sünde fragen würde, die ich am liebsten begraben lasse — welche wäre das?
- Antworte ich Jesus mit einem vorsichtigen „ich hab dich lieb", weil ich mir die große Hingabe nicht mehr zutraue? Was hält mich zurück?
- Auf wen zeige ich und frage: „Herr, was ist mit dem?" Wo vergleiche ich meinen Weg mit dem eines anderen, statt einfach zu folgen?
- Was würde es mich konkret kosten, diese Woche „seine Schafe zu weiden" — welchen Menschen müsste ich pflegen, den ich lieber übergehen würde?