1. Samuel 10:27
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Etliche Nichtswürdige aber sprachen: Was sollte uns dieser helfen? Und sie verachteten ihn und brachten ihm keine Geschenke. Doch er tat, als hörte er's nicht.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Schau dir die Szene genau an: Saul ist gerade zum König gesalbt und öffentlich vor ganz Israel durchs Los bestätigt worden. Das Volk hat gejubelt: „Es lebe der König!" Und dann – mitten in diesen Jubel hinein – dieser eine Satz: Manche haben nur die Schultern gezuckt. „Was sollte uns dieser helfen?"
Das Wort, das Luther mit „Nichtswürdige" übersetzt, steht im Hebräischen für Leute „ohne Wert", buchstäblich „Söhne des Nichts" Strong's. Das ist kein neutrales Wort für „Skeptiker" – es ist ein hartes Urteil über den Charakter dieser Männer. Und was tun sie konkret? Zwei Dinge: Sie verachten Saul – sie schätzen ihn geringer ein, als er ist Strong's – und sie verweigern ihm die Geschenke, die in der damaligen Welt kein netter Bonus waren, sondern das sichtbare Zeichen: „Wir erkennen deine Herrschaft an." Keine Geschenke zu bringen war eine öffentliche Ohrfeige, eine leise Rebellion Jamieson-Fausset-Brown.
Und Sauls Reaktion? „Er tat, als hörte er's nicht." Das Verb dahinter kann auch „taub sein" oder „schweigen" bedeuten Strong's. Saul hört es sehr wohl – aber er reagiert nicht mit der Wut, die ein gekränkter König sonst zeigen würde. Das ist leicht zu überlesen, aber es ist der eigentliche Clou des Verses: Hier zeigt sich zum ersten und fast einzigen Mal in Sauls Geschichte echte Reife und Selbstbeherrschung Tyndale.
Der Vers steht am Ende von 1. Samuel 10 – dem Kapitel, das die Monarchie in Israel einführt – und bereitet leise 1. Samuel 11 vor, wo Saul seine erste Bewährungsprobe bekommt und genau diese Verächter eines Besseren belehrt. Manche Ausleger diskutieren, ob dieser Halbvers ursprünglich zusammen mit dem Bericht über Nahasch gehörte oder später angehängt wurde Tyndale – aber das ändert nichts daran, was der Text hier klar sagt.
Historischer Hintergrund
Wir befinden uns ungefähr im 11. Jahrhundert vor Christus, in der Übergangszeit zwischen der Richterzeit und dem Königtum. Israel hat gerade Samuel gedrängt: „Gib uns einen König wie alle anderen Völker!" – ein Wunsch, den Gott selbst als Zurückweisung seiner eigenen Königsherrschaft benennt ( 1. Samuel 8:7). Saul, ein junger Mann aus dem kleinen Stamm Benjamin, wird durchs Los erwählt und öffentlich in Mizpa vorgestellt.
In der Welt des Alten Orients war ein König ohne funktionierendes Heer, ohne Beamtenapparat, ohne Schatzkammer – er brauchte die Loyalität und die materielle Unterstützung seines Volkes, um überhaupt regieren zu können. Es gab noch kein geregeltes Steuersystem wie später unter Salomo; stattdessen brachten Untertanen, Stammesälteste und wohlhabende Männer freiwillige Gaben, um ihre Anerkennung und Unterordnung zu zeigen – so wie später ganze Königreiche Salomo Geschenke bringen ( 1. Könige 10:25) oder Josaphat von seinem eigenen Volk beschenkt wird ( 2. Chronik 17:5) Adam Clarke. Diese Gaben waren gleichzeitig politische Loyalitätsbekundung und praktische Lebensgrundlage für den neuen Herrscher.
Saul hat also buchstäblich noch keinen Palast, kein Heer, keine Verwaltung. Er ist König „auf dem Papier", aber noch nicht in der gelebten Wirklichkeit. Genau in diesem verletzlichen Moment weigert sich eine Gruppe – wahrscheinlich Männer aus rivalisierenden Familien oder Stämmen, die den kleinen Benjamin nicht als würdig ansahen, über sie zu herrschen –, ihn anzuerkennen. Das ist keine bloße unhöfliche Geste; es ist der Beginn eines Machtkampfs, der wenige Kapitel später ( 1. Samuel 11) durch Sauls Sieg über die Ammoniter unter Nahasch entschieden wird, als genau diese Zweifler ihn plötzlich als Retter feiern.
Ursprache
Das Schlüsselwort für die Spötter ist בְּלִיַּעַל (bᵉlîyaʻal, H1100) – zusammengesetzt aus „ohne" und „Nutzen/Wert" Strong's. Es beschreibt Menschen, die für die Gemeinschaft wertlos, ja destruktiv sind. Dasselbe Wort steht für die korrupten Söhne Elis in 1. Samuel 2:12 und für den Aufrührer Scheba in 2. Samuel 20:1 – das ist eine ehrenrührige Bezeichnung, keine harmlose Kritik.
Ihr Spott lautet wörtlich: „Wie soll dieser uns retten/befreien?" – das Verb ist יָשַׁע (yâshaʻ, H3467), dieselbe Wurzel, aus der später der Name „Jesus" (Retter) kommt Strong's. Sie stellen genau die Frage in Frage, die für einen König in Israel die wichtigste war: Kann er uns aus der Bedrängnis retten?
Ihre Verachtung wird mit בָּזָה (bâzâh, H959) ausgedrückt – „geringschätzen, verächtlich machen" Strong's. Und was sie verweigern, ist die מִנְחָה (minchâh, H4503) – ein Wort, das sowohl „Geschenk/Tribut" als auch „Opfergabe" bedeuten kann Strong's. Diese Doppeldeutigkeit ist bezeichnend: Eine Gabe an den König hatte in Israel fast einen kultischen Unterton, weil der König als von Gott Eingesetzter galt.
Und schließlich Sauls Reaktion: חָרַשׁ (chârash, H2790) – ein Wort, das ursprünglich „gravieren, ackern" bedeutet, aber übertragen „schweigen, taub sein, sich stumm stellen" heißt Strong's. Es ist dasselbe Wort, das für den bewussten Verzicht auf eine Antwort steht – vergleichbar mit Hiskias Befehl in Jesaja 36:21, den Spöttern nichts zu erwidern.
Wie es auf Christus hinweist
Die Frage der Spötter – „Was sollte uns dieser helfen?" – ist ironischerweise fast wörtlich dieselbe Frage, die Stephanus in seiner großen Rede über Mose zitiert: „Wer hat dich zum Obersten und Richter eingesetzt?" ( Apostelgeschichte 7:35). Mose wurde von seinem eigenen Volk verworfen, bevor Gott ihn als Retter einsetzte – und Stephanus zieht die Linie direkt weiter bis zu Jesus, der von seinem eigenen Volk verworfen wurde, bevor Gott ihn als „Obersten und Erlöser" bestätigte.
Das ist das Muster, das du hier bei Saul im Kleinen siehst und bei Jesus in seiner ganzen Fülle: Der von Gott erwählte König wird zuerst verspottet, verachtet, für nutzlos erklärt – „Was sollte uns dieser helfen?" – und genau dieser Verworfene ist am Ende der, durch den die Rettung kommt. Saul ist eine sehr unvollkommene, sehr menschliche Vorschau darauf. Er schweigt bei Verachtung, ja – aber wenige Kapitel später verliert er genau diese Zurückhaltung wieder und endet in Ungehorsam und Verwerfung durch Gott selbst ( 1. Samuel 15:23). Er ist ein König, der das Muster andeutet, aber nicht erfüllt.
Jesus dagegen ist der König, der nicht nur schweigend Verachtung erträgt, sondern schweigend ans Kreuz geht – „wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, tat er seinen Mund nicht auf" ( Jesaja 53:7). Die Frage „Was sollte uns dieser helfen?" wird an ihm noch bitterer gestellt: „Wenn du Gottes Sohn bist, so steig herab vom Kreuz!" Und genau dort, wo Menschen ihn am wertlosesten einschätzten, geschah die größte Rettung. Saul zeigt dir das Muster in Miniatur; Christus füllt es ganz aus – als der wahre König, der auf seine Verächter nicht mit Zorn, sondern mit erlösender Liebe antwortet.
Für dein Leben
Sei ehrlich: Du kennst diese Stimme. Sie sitzt manchmal in deinem eigenen Kopf, wenn Gott etwas oder jemanden in dein Leben stellt, der dir nicht gut genug erscheint – ein Gebot, das dir unpassend vorkommt, eine Führung, die dir zu klein oder zu unwahrscheinlich erscheint, um wirklich zu helfen. „Was sollte mir das helfen?" Diese Frage ist nicht immer laut ausgesprochen. Manchmal zeigt sie sich einfach darin, dass du deine „Geschenke" zurückhältst – deine Zeit, dein Vertrauen, deine Anerkennung – gegenüber dem, was Gott dir als seine Ordnung, seinen Weg, seinen Willen zeigt.
Aber schau genauer hin, wer hier eigentlich die Prüfung besteht: nicht die Spötter, sondern Saul, in diesem einen kurzen Moment. Er hat allen Grund, sich zu rechtfertigen, sich zu verteidigen, sein neues Amt mit Gewalt durchzusetzen. Stattdessen schweigt er. Das ist der Preis, den dieser Vers von dir verlangt: nicht jede Verachtung, die dir widerfährt, sofort zu vergelten. Nicht jede Kränkung sofort richten zu müssen. Zu warten, bis Gott selbst deine Sache klärt – so wie er es bei Saul einige Kapitel später tut, als genau diese Zweifler ihre Meinung ändern.
Und noch eine unbequemere Frage: Bist du selbst manchmal einer dieser „Nichtswürdigen", die geringschätzen, was Gott eingesetzt hat – sei es eine Autorität, eine Gemeinde, eine Aufgabe, die dir zu klein oder zu peinlich vorkommt, um sie ernst zu nehmen? Der Vers lädt dich ein, beide Seiten dieses Spiegels anzuschauen: den geduldig Schweigenden und den lieblos Verachtenden – und zu fragen, wo du gerade stehst.
Gebetsanliegen
- Herr, zeig mir die Stellen in meinem Herzen, wo ich frage „Was soll mir das helfen?", wenn du mir etwas oder jemanden zumutest, das mir zu klein erscheint.
- Gib mir die Geduld Sauls in diesem Moment – dass ich Verachtung ertragen kann, ohne sofort zurückzuschlagen.
- Öffne meine Augen dafür, wo ich anderen die „Geschenke" der Anerkennung und des Respekts verweigere, die ich schulde.
- Danke, dass du selbst als verachteter König verspottet wurdest und trotzdem gerettet hast – hilf mir, dir in diesem Schweigen ähnlicher zu werden.
- Herr, wenn ich zu Unrecht verachtet werde, hilf mir, meine Sache in deine Hand zu legen, statt sie selbst zu rächen.
Zum Nachdenken
- Wo in deinem Leben sagst du innerlich über eine von Gott gegebene Autorität oder Führung: „Was sollte mir das helfen?"
- Kannst du dich an eine Situation erinnern, in der du Verachtung erlebt hast – und wie hast du reagiert im Vergleich zu Saul?
- Wem verweigerst du gerade deine „Geschenke" – deine Anerkennung, deine Unterstützung, dein Vertrauen –, obwohl Gott dich dazu ruft, sie zu geben?
- Was würde es dich kosten, heute zu schweigen, statt dich zu rechtfertigen?
- Wo hast du selbst schon jemanden vorschnell für „nichtswürdig" erklärt, den Gott vielleicht gerade erwählt hat?