Josua 15:8
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geht darnach hinauf zum Tal des Sohnes Hinnoms, an der Seite der Jebusiter gegen Mittag, das ist Jerusalem; und sie kommt herauf zur Spitze des Berges, der westlich vor dem Tal Hinnom liegt und nördlich an das Ende des Tales Rephaim stößt.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Auf den ersten Blick liest sich das wie reine Vermessungssprache — und genau das ist es auch. Josua 15 zieht die Grenzlinie von Judas Erbteil, Stück für Stück, wie ein Landvermesser, der mit dem Finger auf der Karte entlangfährt. Vers 8 nimmt uns mit hinauf: von einer tiefen Schlucht, dem "Tal des Sohnes Hinnoms", die Grenze steigt an, streift die Südseite der Jebusiter-Stadt — "das ist Jerusalem", schiebt der Text extra ein, damit niemand rätseln muss — und läuft weiter zum Gipfel eines Berges, der wiederum an das Tal Rephaim grenzt.
Was leicht zu überlesen ist: Die Grenze läuft an Jerusalem vorbei, nicht durch es hindurch. Jerusalem lag genau auf der Naht zwischen zwei Stämmen — Juda im Süden, Benjamin im Norden Tyndale. Das erklärt, warum später sowohl Juda ( Richter 1:8) als auch Benjamin ( Richter 1:21) versuchen, die Stadt einzunehmen, und warum die Jebusiter noch Jahrhunderte dort wohnen bleiben ( Josua 15:63). Jerusalem gehörte praktisch niemandem — bis David es erobert und zu seiner ganz eigenen, stammunabhängigen Königsstadt macht Tyndale.
Und dann ist da dieses unscheinbare Detail, das später zur Bombe wird: das "Tal des Sohnes Hinnoms". Hier, an einer bloßen Grenzmarkierung, taucht zum ersten Mal in der Bibel der Ort auf, der Jahrhunderte später zum Bild für die Hölle selbst wird Adam Clarke.
Über die genaue Lage streiten die Ausleger bis heute — östlich oder südlich von Jerusalem, welcher Hügel genau gemeint ist John Gill — aber das sind geografische Detailfragen, keine Fragen des Glaubens. Im großen Erzählbogen des Buches Josua steht dieser Vers mitten in der langen, listenhaften Landverteilung (Kapitel 13–21), die zeigt: Gott hält sein Wort, Stück für Stück, Grenzlinie für Grenzlinie.
Historischer Hintergrund
Josua wird traditionell Josua selbst zugeschrieben oder einer frühen Redaktion kurz nach seinem Tod, wahrscheinlich irgendwann zwischen 1400 und 1200 v. Chr. — die genaue Datierung hängt davon ab, wann man den Auszug aus Ägypten ansetzt. Israel steht am Ende der Eroberungszüge unter Josua. Die großen Schlachten sind geschlagen, die Kanaaniter-Koalitionen zerschlagen, aber das Land ist noch lange nicht vollständig unter Kontrolle Matthew Henry. Jetzt kommt der zweite, weniger dramatische Teil der Aufgabe: das Land wird per Los unter die zwölf Stämme aufgeteilt, und Juda bekommt als erstes seinen Anteil zugesprochen — ein Zeichen der Vorrangstellung, die diesem Stamm später auch politisch zufallen wird, als aus ihm David und schließlich der Messias hervorgehen Jamieson-Fausset-Brown.
Man muss sich das vorstellen wie eine Landvermessungskommission, die mit Ältesten, vielleicht mit vorläufigen Karten und lokalen Ortskenntnissen durchs Gelände zieht und Grenzsteine setzt — Bäche, Berggipfel, markante Täler, alles wird zur Landmarke. Jerusalem, damals "Jebus" genannt, war zu dieser Zeit noch keine israelitische Stadt, sondern eine befestigte kanaanitische Stadt der Jebusiter, hoch auf einem verteidigungsfähigen Bergrücken gelegen. Sie blieb fast 400 Jahre lang unerobert — erst David nimmt sie um 1000 v. Chr. ein ( 2. Samuel 5:6-7) und macht sie zu seiner Hauptstadt, gerade weil sie zu keinem Stamm gehörte und so keine Eifersucht zwischen Juda und Benjamin auslöste.
Das Hinnom-Tal, das hier nur als Grenzpunkt erwähnt wird, wurde später zum Schauplatz von etwas Furchtbarem: Dort verbrannten abtrünnige Könige Judas wie Ahas und Manasse ihre eigenen Kinder als Opfer für den Götzen Moloch ( 2. Chronik 28:3; 2. Könige 23:10). Der Prophet Jeremia predigte genau dort Gottes Gericht ( Jeremia 19:2). Diese Vorgeschichte macht verständlich, warum spätere jüdische und dann christliche Leser diesen Ort mit dem Feuer des Gerichts verbanden.
Ursprache
Das Wort für "Tal" hier ist גַּיְא, gayʼ (H1366 nein, korrekt: H1516) — es bezeichnet keine sanfte Mulde, sondern eine enge, tief eingeschnittene Schlucht mit steilen Wänden Strong's. Das erklärt, warum der Text so oft betont, die Grenze "steigt hinauf" (עָלָה, ʻâlâh, H5927) — man bewegt sich buchstäblich aus einer Tiefe heraus nach oben Strong's.
Der Name des Tals selbst ist eine kleine Genealogie: גַּיְא בֶּן־הִנֹּם — wörtlich "Schlucht des Sohnes (בֵּן, bên, H1121) des Hinnom (הִנֹּם, Hinnôm, H2011)". Wer dieser Hinnom war, weiß niemand mehr — der Name ist vermutlich fremdländischen, wohl jebusitischen Ursprungs Strong's. Aus genau diesem hebräischen Namen, verkürzt zu Ge-Hinnom, entsteht später im Griechischen das Wort Gehenna — das Wort, das Jesus selbst benutzt, wenn er von der Hölle spricht Adam Clarke.
Interessant ist auch יְרוּשָׁלַ͏ִם, Yᵉrûwshâlaim (H3389) — der Name Jerusalem selbst trägt in seiner Wurzel den Klang von "Frieden" (שָׁלַם, schalam), ist aber grammatisch eine Dualform, was manche Ausleger auf die zwei Hauptberge der Stadt zurückführen Strong's. Ein Ort, der "gegründeter Friede" heißen könnte, aber im Text von Josua 15 noch ganz und gar nicht befriedet ist — er gehört noch den יְבוּסִי, den Jebusitern (H2983), fremden Bewohnern mitten im verheißenen Land Strong's. Und schließlich רֹאשׁ, rôʼsh (H7218), "Spitze" oder "Kopf" — das Wort für den Berggipfel, auf den die Grenze zuläuft; dasselbe Wort, das später auch für Führung und Rang steht.
Wie es auf Christus hinweist
Zwei Fäden laufen von diesem einen, unscheinbaren Grenzvers direkt auf Jesus zu.
Der erste: Jerusalem. Hier, in Josua 15, ist es nur ein Grenzpunkt, eine Stadt, die keinem Stamm gehört, besetzt von Fremden. Aber genau dieser neutrale, unbesetzte Ort wird später zu Davids Stadt, zum Ort des Tempels, zum Zentrum der ganzen Heilsgeschichte — und schließlich zu dem Ort, wo Jesus außerhalb der Stadtmauer gekreuzigt wird und wo er aufersteht. Der Weg von der jebusitischen Festung zur Stadt Gottes ist selbst ein Bild dafür, wie Gott einen Ort (und einen Menschen), der ihm fremd und feindlich gegenübersteht, Stück für Stück zu seinem Eigentum macht.
Der zweite, direkter: das Hinnom-Tal. Dieser Ort, wo Kinder verbrannt wurden, wo Abfall verbrannte, wo Gericht gepredigt wurde, wird im Neuen Testament sprachlich zum Synonym für die Hölle — Gehenna. Und genau dieses Wort benutzt Jesus, wenn er in aller Schärfe warnt: "Fürchtet euch vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle (Gehenna)" ( Matthäus 10:28). Das ist bemerkenswert: Der Mann, der in Bergpredigt und Gleichnissen mehr über die Realität des Gerichts spricht als jeder Prophet vor ihm, greift ausgerechnet zu diesem konkreten Ortsnamen aus Josua 15:8 Adam Clarke. Er malt kein abstraktes Höllenbild — er zeigt auf ein reales, blutgetränktes Tal vor den Toren der Stadt, das jeder seiner Zuhörer kannte, und sagt: So ernst ist es.
Und genau der, der diese Warnung ausspricht, ist derselbe, der später an diesem Tal vorbeigeht, hinauf nach Jerusalem, um selbst das Gericht zu tragen, das dieses Tal symbolisiert — damit du nicht dorthin musst.
Für dein Leben
Du liest gerade eine Liste von Grenzsteinen und Bergspitzen und denkst vielleicht: Was soll mir das sagen? Aber halt kurz inne bei diesem einen Satz: "das ist Jerusalem." Die Landvermesser ziehen ihre Linie an dieser Stadt vorbei, weil sie noch nicht erobert ist. Da wohnen Fremde, mitten im Land der Verheißung, und Israel lässt sie einfach — Jahrhundertelang.
Das ist unbequem, weil es dich selbst betrifft. Gibt es in deinem Leben ein "Jerusalem" — einen Bereich, den Gott dir längst zugesprochen hat, den du aber nie wirklich in Besitz genommen hast? Eine Gewohnheit, eine Beziehung, eine Angst, die du einfach umgehst, weil die Eroberung zu anstrengend wäre? Das Land war Israel gegeben — im Bund, im Versprechen. Aber gegeben heißt nicht automatisch besessen. Du musst hingehen.
Und dann ist da dieses Tal. Jesus hat es nicht vermieden, wenn er von der Hölle sprach — er hat es beim Namen genannt. Das ist keine bequeme Botschaft für eine Kaffeepause. Aber ein Freund, der dich wirklich liebt, verschweigt dir das Feuer nicht, wenn du auf dem Weg dorthin bist. Die Frage, die dieser Vers dir stellt, ist nicht akademisch: Wohin führt dein Weg heute — hinauf zur Stadt des Friedens, oder in dieses Tal?
Der Preis, den dieser Vers von dir verlangt, ist Ehrlichkeit: Wo lässt du Feinde in deinem verheißenen Land wohnen, weil Frieden mit ihnen bequemer ist als Krieg gegen sie?
Gebetsanliegen
- Herr, zeig mir die "Jebusiter" in meinem Leben — die Bereiche, die du mir zugesprochen hast, die ich aber nie wirklich eingenommen habe.
- Ich bitte dich um Mut, nicht mit halben Siegen zufrieden zu sein, sondern das ganze Erbe zu ergreifen, das du mir versprochen hast.
- Danke, dass Jesus selbst durch das Tal des Gerichts gegangen ist, damit ich es nicht durchqueren muss.
- Hilf mir, die Warnung vor dem Gericht ernst zu nehmen, ohne in Angst zu erstarren, sondern in Vertrauen auf deine Rettung.
- Herr, mach aus jedem unbesetzten Bereich meines Herzens einen Ort, der dir gehört, so wie Jerusalem am Ende deine Stadt wurde.
Zum Nachdenken
- Welche Grenzlinie in deinem Leben hast du gezogen, um einem "Jerusalem" auszuweichen — einer Sache, die zu erobern dir zu anstrengend erscheint?
- Was empfindest du, wenn du merkst, dass Jesus selbst das Wort für "Hölle" benutzt hat, um dich zu warnen — Unbehagen, Widerstand, Dankbarkeit?
- Wo in deinem Leben lebst du seit Jahren neben etwas, das eigentlich vertrieben werden müsste, einfach weil ihr euch aneinander gewöhnt habt?
- Gibt es einen Ort oder eine Situation, die dir fremd und feindlich vorkommt, von dem Gott aber vielleicht will, dass er einmal sein wird wie Jerusalem — ganz und gar sein Eigentum?
- Wann hast du zuletzt bewusst "hinaufgeschaut" — deinen Blick von der Tiefe des Tals auf den Gipfel gerichtet, den Gott dir zeigt?