Hebräer 5:7
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Und er hat in den Tagen seines Fleisches Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tode retten konnte, und ist auch erhört und befreit worden von dem Zagen.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Satz langsam. "In den Tagen seines Fleisches" – das ist die Zeit, als Jesus, der ewige Sohn Gottes, einen menschlichen Körper trug, mit Hunger, Müdigkeit, Angst, allem, was zu uns gehört Strong's. Und in dieser Zeit hat er "Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen" gebracht – nicht ein ruhiges, kontrolliertes Gebet, sondern eines, das aus der Tiefe kam, mit lauter Stimme, mit Weinen.
Der Text sagt nicht, wo genau das war, aber jeder, der die Evangelien kennt, hört sofort Gethsemane mit – die Nacht vor der Kreuzigung, als Jesus so verzweifelt betete, dass Lukas von Schweißtropfen wie Blut spricht. Manche Ausleger denken auch an den Schrei am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Jamieson-Fausset-Brown. Beides passt: Der Hebräerbrief fasst hier wahrscheinlich das ganze letzte Kapitel von Jesu Leiden zusammen, nicht nur einen einzelnen Moment Tyndale.
Was leicht übersehen wird: Der Vers sagt, Gott habe ihn "erhört und befreit von dem Zagen" – wörtlich von seiner Furcht, seiner Ehrfurcht. Aber Jesus ist nicht vor dem Tod gerettet worden! Er ist gestorben. Also worin genau wurde er erhört? Die meisten Ausleger sagen: Gott hat ihn nicht vor dem Sterben bewahrt, sondern durch das Sterben hindurch – er wurde aus dem Tod herausgeführt in der Auferstehung, oder seine Bitte war eigentlich Unterwerfung unter den Willen des Vaters, nicht Flucht vor dem Kreuz Matthew Henry. Das ist ein Punkt, an dem christliche Ausleger unterschiedlich betonen: Manche lesen "vom Tode retten" als "durch den Tod hindurchretten" (also Auferstehung), andere als Rettung von der Todesangst selbst, nicht vom Sterben.
Dieser Vers steht mitten in einem Abschnitt ( Hebräer 5,1-10), der zeigt: Jesus ist der wahre Hohepriester, weil er wirklich Mensch war und wirklich gelitten hat – kein ferner, unbeteiligter Gott.
Historischer Hintergrund
Der Hebräerbrief wurde wahrscheinlich zwischen 60 und 90 n. Chr. an Christen jüdischer Herkunft geschrieben, die unter Druck standen, zum alten jüdischen Opfersystem zurückzukehren. Wer genau der Autor war, wissen wir nicht sicher – Paulus wurde traditionell genannt, aber Sprache und Stil unterscheiden sich deutlich von seinen anderen Briefen, weshalb viele moderne Ausleger einen anderen, unbekannten Verfasser annehmen.
Die Empfänger waren müde. Sie hatten Verfolgung erlebt, vielleicht Besitz verloren ( Hebräer 10,32-34 deutet das an), und die Versuchung war groß, zu denken: Der Tempel in Jerusalem, die Priester, die Opfertiere – das war wenigstens sichtbar, greifbar. Dieser Jesus, den man nicht mehr sehen konnte, schien plötzlich weit weg. Der Autor schreibt gegen diese Erschöpfung an, indem er zeigt: Jesus ist nicht weniger real oder wirksam als der alte Tempeldienst – er ist der Erfüller davon, ein besserer Hohepriester.
In diesem Kapitel argumentiert der Autor, dass ein Hohepriester aus dem Volk kommen muss, mit dem Volk mitfühlen kann, weil er selbst schwach ist ( Hebräer 5,2). Genau das beweist er jetzt von Jesus – nicht indem er sagt "Jesus war stark und über allem erhaben", sondern indem er die verletzlichste Szene aus Jesu Leben zitiert: die Nacht in Gethsemane, wo Jesus schreit und weint. Für Leser, die an einen mächtigen, unnahbaren Gott gewöhnt waren – sei es der römische Kaiserkult mit seinen unerschütterlichen Göttern, oder eine überhöhte Vorstellung vom Messias als reinem Sieger – war das eine schockierende, fast anstößige Behauptung: Der Hohepriester, der euch vor Gott vertritt, hat selbst geschrien und geweint.
Ursprache
Zwei Wörter tragen das Gewicht dieses Verses. Zuerst δέησις (déēsis, G1162), "Bitte" oder "Flehen" – ein Wort, das eine dringende, persönliche Bitte meint, keine formelle Anrede Strong's. Dann ἱκετηρία (hiketēría, G2428), übersetzt "Flehen" – ein faszinierendes Wort, das ursprünglich Ölzweige meinte, die man in der Hand trug, wenn man um Gnade bat, wie ein Schutzsuchender, der sich an einen Altar klammert John Gill. Beide Wörter zusammen zeichnen das Bild eines Menschen, der nicht höflich anfragt, sondern verzweifelt um sein Leben bittet.
Dazu kommt κραυγή (kraugḗ, G2906), "ein Aufschrei" – verwandt mit dem Verb "schreien" –, und δάκρυ (dákry, G1144), einfach "Träne". Der Grieche verstärkt das Ganze mit ἰσχυρός (ischyrós, G2478), "stark, gewaltig" Strong's. Das ist kein leises Seufzen. Das griechische Bild ist: lauter Schrei, echte Tränen, ein Körper, der unter der Last zusammenbricht.
Und dann σάρξ (sárx, G4561), "Fleisch" – nicht nur der biologische Körper, sondern die ganze menschliche Verwundbarkeit, Schwäche, Sterblichkeit Strong's. "In den Tagen seines Fleisches" heißt: solange er diese zerbrechliche, angreifbare Existenz teilte, die wir alle kennen. Kein einziges dieser Wörter beschreibt einen Gott, der über den Dingen schwebt. Sie beschreiben jemanden, der mittendrin steckt.
Wie es auf Christus hinweist
Dieser Vers IST der Christus-Bezug – er ist mitten im Zentrum der Sache. Aber lass mich zeigen, wohin er zeigt. Johannes 17,1 zeigt uns ein anderes Gebet Jesu, ruhiger, majestätischer: "Vater, die Stunde ist gekommen." Aber Hebräer 5,7 zeigt die andere Seite derselben Nacht – nicht die Würde, sondern die Angst. Beides ist wahr über denselben Menschen zur selben Zeit.
Und dann kommt der Schrei am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" ( Matthäus 27,46; Markus 15,34) – ein Zitat aus Psalm 22, einem Psalm, der mit Verzweiflung beginnt und mit Anbetung endet ( Psalm 22,24). Vielleicht betete Jesus genau diesen Psalm, laut, während er starb. Wenn das stimmt, dann war sein "starkes Geschrei" kein Zusammenbruch des Glaubens, sondern Glaube, der unter unerträglichem Druck trotzdem betet.
Die Frage, die der Vers offenlässt – wurde er erhört, obwohl er starb? – findet ihre Antwort in Hebräer 13,20: Gott hat "den großen Hirten der Schafe von den Toten ausgeführt". Die Erhörung war nicht die Vermeidung des Todes, sondern der Sieg darüber – die Auferstehung. Genau das erklärt Hebräer 2,14: Jesus wurde Fleisch, damit er durch den Tod den entmachtet, der die Macht des Todes hatte. Er ging nicht um den Tod herum, er ging mitten hindurch und kam auf der anderen Seite heraus.
Für dich heißt das: Der Hohepriester, der jetzt für dich eintritt, hat selbst geweint ( Johannes 11,35), selbst geschrien, selbst gefürchtet. Er versteht nicht theoretisch, was Angst ist. Er hat sie durchlebt.
Für dein Leben
Vielleicht denkst du manchmal, dass echte Frömmigkeit ruhig aussehen muss – dass ein reifer Glaube keine lauten Schreie kennt, keine Tränen, keine Nächte, in denen du am Boden liegst und nicht mehr weißt, wie du weitermachen sollst. Dieser Vers zerschlägt diese Vorstellung. Der Sohn Gottes selbst hat geschrien. Hat geweint. Hat um sein Leben gefleht mit einer Intensität, die die Sprache kaum fassen kann.
Das bedeutet zweierlei, und beides ist unbequem. Erstens: Du darfst aufhören, deine Angst vor Gott zu verstecken. Wenn Jesus so beten durfte, dann darfst du es auch – ohne die fromme Maske, ohne das kontrollierte Kirchengebet. Bring ihm die rohe, schreiende, tränenreiche Version deiner Bitten. Das ist keine Glaubensschwäche, das ist Glaube in Aktion.
Zweitens, und das ist härter: Jesus wurde nicht vor dem Leiden bewahrt, sondern durch das Leiden hindurchgetragen. Wenn du betest "nimm das von mir weg" und die Antwort "nein, aber ich bin bei dir" lautet – das ist nicht Ablehnung. Das ist genau der Weg, den dein Hoherpriester selbst gegangen ist. Die Kosten, die dieser Vers von dir verlangt: die Bereitschaft, ehrlich verzweifelt vor Gott zu stehen, ohne zu erwarten, dass er dir automatisch das Kreuz erspart – und trotzdem zu vertrauen, dass er dich hindurchführt, wie er seinen eigenen Sohn hindurchgeführt hat.
Gebetsanliegen
- Herr, danke, dass du nicht ferne bist, sondern selbst geschrien und geweint hast – hilf mir, dir meine eigene rohe, ungeschminkte Angst zu bringen.
- Vater, wenn ich um Rettung von einer Last bitte, gib mir die Demut, "dein Wille geschehe" zu sagen, wie Jesus es tat.
- Danke, dass mein Hoherpriester wirklich weiß, wie sich Todesangst anfühlt – lass mich das in meinen dunkelsten Nächten nicht vergessen.
- Herr, stärke meinen Glauben, dass du mich nicht vor jedem Leiden bewahrst, sondern mich hindurchträgst, so wie du Jesus aus dem Tod herausgeführt hast.
- Gib mir Mut, wie Jesus zu beten – laut, ehrlich, mit Tränen, ohne Angst, dass ich damit zu schwach für dich bin.
Zum Nachdenken
- Wann hast du zuletzt vor Gott wirklich geweint oder geschrien – und was hat dich davon abgehalten, es öfter zu tun?
- Glaubst du insgeheim, dass "echter" Glaube ruhig und kontrolliert aussehen muss? Woher kommt diese Vorstellung?
- Gibt es eine Bitte, die du Gott schon lange nicht mehr ehrlich vorgetragen hast, weil du die Antwort fürchtest?
- Wie reagierst du innerlich, wenn Gott dich nicht vor dem Leiden bewahrt, sondern nur verspricht, dich hindurchzutragen?
- Wenn Jesus selbst Angst vor dem Tod hatte – was sagt das über deine eigene Scham, ängstlich zu sein?