Hebräer 12:2
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im Aufblick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete, die Schande nicht achtete und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Satz langsam: "im Aufblick auf Jesus." Das griechische Wort dahinter bedeutet wörtlich, den Blick von allem anderen wegzunehmen und ihn ganz auf einen Punkt zu richten Strong's. Der Autor des Hebräerbriefs hat gerade in Kapitel 11 eine ganze Galerie von Glaubenshelden aufgezählt – Abraham, Mose, Rahab – und jetzt sagt er: Schau nicht mal auf die. Schau auf Jesus. Er ist "der Anfänger und Vollender des Glaubens" – im Griechischen zwei Wörter, die zusammen sagen: Er hat das Rennen eröffnet, und er wird es zu Ende bringen Jamieson-Fausset-Brown. Er ist nicht nur ein weiteres Beispiel in der Reihe, er ist die Quelle und das Ziel von allem, was die anderen vorgelebt haben.
Dann der Kern: Jesus hat das Kreuz ertragen "für die vor ihm liegende Freude". Nicht trotz der Freude, sondern wegen ihr – die Freude lag vor ihm wie ein Ziel am Ende der Bahn, und das hat ihm die Kraft gegeben, durchzuhalten Adam Clarke. Das Kreuz war im römischen Reich die schändlichste Hinrichtungsart überhaupt, reserviert für Sklaven und Verbrecher ohne Bürgerrecht Tyndale – und Jesus hat diese Schande "nicht geachtet", also bewusst als nichtig behandelt. Das Ergebnis: Er sitzt jetzt "zur Rechten des Thrones Gottes" – ein Bild aus Psalm 110,1, das der Hebräerbrief immer wieder aufgreift.
Wo Christen sich uneinig sind: Manche lesen "der Glaube" hier als unseren Glauben, den Jesus in uns wirkt und vollendet; andere lesen es als Jesu eigenen Glauben, seine Treue bis zum Tod, die zum Vorbild wird Jamieson-Fausset-Brown. Beides steckt wahrscheinlich im Satz – er ist zugleich der Grund unseres Glaubens und sein vollkommenes Beispiel.
Historischer Hintergrund
Der Hebräerbrief wurde wahrscheinlich zwischen 60 und 70 n. Chr. an Christen jüdischer Herkunft geschrieben – Menschen, die einmal im Tempeldienst, in den Opfervorschriften und der ganzen Welt des Alten Bundes zu Hause waren und nun unter enormem Druck standen, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. Warum? Weil Christ zu sein sie etwas kostete: sozialen Ausschluss, wirtschaftliche Nachteile, vielleicht sogar Verfolgung. Kapitel 10,32-34 erwähnt, dass sie schon einmal Beschlagnahmung ihres Besitzes ertragen hatten. Sie waren müde geworden.
Der Autor benutzt in diesem Kapitel ein Bild, das seinen Lesern sofort vertraut war: ein Stadion, ein Wettlauf, Zuschauer auf den Rängen. Griechisch-römische Sportwettkämpfe waren im ersten Jahrhundert überall präsent, und der Vergleich mit einem Läufer, der die Augen fest auf das Ziel gerichtet hält, war jedem Leser sofort verständlich Adam Clarke. Vor diesem Bild steht am Ende von Kapitel 11 die "Wolke von Zeugen" – all die Glaubenshelden Israels, die vom Rand der Bahn aus zuschauen.
Wichtig für das Verständnis der Kreuzigung: In der römischen Welt war das Kreuz kein neutrales Symbol wie heute an einer Kette. Es war der brutalste, öffentlichste, entehrendste Tod, den man sich vorstellen konnte – gedacht, um jemanden nicht nur zu töten, sondern völlig zu erniedrigen, ihn nackt und verhöhnt vor der Stadt aufzuhängen Tyndale. Für jüdische Ohren kam noch etwas dazu: 5. Mose 21,23 nennt jeden, der am Holz hängt, "von Gott verflucht". Dass der Messias genau diesen Tod erlitt, war für viele jüdische Zeitgenossen der größte Stolperstein überhaupt, an Jesus zu glauben. Genau diesen Stolperstein spricht der Autor hier direkt an.
Ursprache
Das Wort für "aufblicken" ist ἀφοράω (aphoráō, G872), zusammengesetzt aus "weg von" und "sehen" Strong's. Es heißt nicht einfach "hinschauen", sondern "wegschauen von etwas anderem, um auf eines zu blicken" – ein Blickwechsel, eine bewusste Entscheidung, die Augen von der Müdigkeit, der Angst, den Zuschauern wegzureißen und auf einen Punkt zu heften.
ἀρχηγός (archēgós, G747) heißt "Anführer, Wegbereiter" – wörtlich einer, der eine neue Bahn bricht, wo vorher keine war Strong's. Derselbe Titel steht in Apostelgeschichte 3,15 für Jesus als "Urheber des Lebens". Er ist nicht nur Vorbild, er ist der, der den Weg überhaupt erst gebahnt hat.
τελειωτής (teleiōtḗs, G5051) kommt nur hier im ganzen Neuen Testament vor und bedeutet "einer, der zur Vollendung bringt" Strong's. Zusammen mit ἀρχηγός bilden diese zwei Wörter eine Klammer: Von A bis Z, vom Anfang bis zum letzten Zieleinlauf, ist Jesus der ganze Glaubensweg selbst.
ὑπομένω (hypoménō, G5278) – "aushalten, unter etwas stehenbleiben" Strong's – beschreibt kein passives Erdulden, sondern ein aktives Standhalten unter Last, wie jemand, der ein schweres Gewicht trägt, ohne wegzulaufen.
Und χαρά (chará, G5479), "Freude, ruhiges Wohlgefallen" Strong's, steht ἀντί – "anstelle von" oder "wegen" – dem Kreuz gegenüber Strong's. Nicht Freude nachher als Trostpflaster, sondern Freude als der eigentliche Grund, warum er überhaupt durchhielt.
Wie es auf Christus hinweist
Dieser Vers ist selbst schon die Christus-Verbindung – hier läuft alles zusammen, worauf der ganze Hebräerbrief zusteuert. Hebräer 1,3 hat es schon vorweggenommen: "sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt" – dasselbe Bild, dieselbe Anspielung auf Psalm 110,1, wo Gott zum Messias sagt: "Setze dich zu meiner Rechten." Das war für jeden jüdischen Leser ein Königs- und Priesterthron zugleich. Jesus sitzt dort nicht, weil er sich davor gedrückt hat, sondern weil er hindurchgegangen ist.
Und hier zeigt sich etwas, das das ganze Alte Testament vorbereitet: Jesaja 45,22 ruft "alle Welt Enden", sich Gott zuzuwenden und gerettet zu werden – aber wie sollte das geschehen, wenn Gott heilig und der Mensch schuldig ist? 1. Petrus 3,18 gibt die Antwort: "ein Gerechter für Ungerechte, auf daß er uns zu Gott führte." Das Kreuz, das den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit war ( 1. Korinther 1,23), ist genau der Ort, an dem Gott den Weg zu sich selbst gebahnt hat.
Was mich an diesem Vers besonders trifft: Jesus hat nicht ohne Gefühl gelitten, mit zusammengebissenen Zähnen und stoischer Miene. Er hat auf eine Freude geschaut, die noch kommen würde – die Freude, "viele Söhne zur Herrlichkeit zu bringen" ( Hebräer 2,10), die Freude, dich zu retten. Seine Ausdauer war kein bloßes Aushalten, sondern eine Vorfreude auf dich. Das macht ihn nicht nur zum Vorbild für Ausdauer, sondern zum Grund, warum deine Ausdauer überhaupt möglich ist.
Für dein Leben
Frag dich ehrlich: Worauf schaut dein Blick gerade, wenn es hart wird? Auf die Rechnung, die nicht bezahlt ist? Auf die Beziehung, die zerbricht? Auf die Erschöpfung, die sich anfühlt wie ein Marathon ohne sichtbares Ende? Der Vers sagt nicht "denk positiv" oder "reiß dich zusammen". Er sagt: Reiß deinen Blick weg – von allem anderen – und richte ihn auf eine Person.
Das kostet etwas. Es ist leichter, den Blick auf das Problem zu heften, weil das Problem laut ist und Jesus oft still. Aber der Hebräerbrief sagt dir: Der Mann, auf den du schauen sollst, ist selbst durch etwas viel Schlimmeres gegangen als das, was du gerade trägst – und er hat es nicht mit zusammengebissenen Zähnen ertragen, sondern mit dem Blick auf dich, auf die Freude, dich zu haben.
Wenn du gerade müde bist vom Glauben – nicht vom Zweifeln, sondern einfach vom Durchhalten – dann ist dieser Vers für dich geschrieben. Er verlangt nicht, dass du die Erschöpfung wegredest. Er verlangt, dass du sie nicht anschaust. Das ist der Preis: nicht mehr Kraft aus dir selbst schöpfen zu wollen, sondern zuzugeben, dass deine Ausdauer von woanders herkommen muss – von jemandem, der schon vor dir gelaufen ist und die Ziellinie schon erreicht hat. Schau hin. Nicht kurz. Immer wieder.
Gebetsanliegen
- Herr Jesus, hilf mir, meinen Blick jetzt konkret von [nenne deine Sorge] wegzureißen und auf dich zu richten.
- Danke, dass du die Schande und den Schmerz des Kreuzes nicht geachtet hast, weil du mich schon damals gesehen hast.
- Gib mir Ausdauer, die nicht aus Zusammenbeißen kommt, sondern aus der Freude, die auch vor mir liegt.
- Vergib mir, dass ich oft auf die Umstände schaue statt auf dich – zeig mir heute, wo ich das tue.
- Danke, dass du zur Rechten Gottes sitzt und mein Rennen von dort aus mit vollendest.
Zum Nachdenken
- Worauf richtet sich dein Blick tatsächlich, wenn es schwer wird – ehrlich, nicht die fromme Antwort?
- Gibt es eine "Schande" oder Peinlichkeit, die du vermeidest, aus der Jesus dich herausrufen möchte, so wie er die Schande des Kreuzes nicht geachtet hat?
- Was wäre die "Freude, die vor dir liegt", die dich gerade jetzt durchhalten lassen könnte, wenn du wirklich daran glauben würdest?
- Wo versuchst du, dein eigener "Anfänger und Vollender" zu sein, statt Jesus diese Rolle zu überlassen?
- Wenn du an Aufgeben denkst – was genau macht dich müde, und hast du das Jesus schon ehrlich gesagt?