2. Timotheus 4:18
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Und der Herr wird mich von jedem boshaften Werk erlösen und mich retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Schau dir an, wo Paulus hier steht: Er sitzt im Gefängnis in Rom, er weiß, dass die Hinrichtung bevorsteht, und im Vers direkt davor sagt er, dass der Herr ihn "aus dem Rachen des Löwen" gerettet hat. Und jetzt, im letzten Atemzug dieses Briefes, spricht er nicht von Rettung vor dem Tod – er weiß, dass er sterben wird –, sondern von einer anderen, viel größeren Rettung.
Lies genau: "Der Herr wird mich von jedem boshaften Werk erlösen." Nicht: er wird mich vor Nero bewahren. Nicht: er wird das Beil aufhalten. Sondern: er wird mich vor jedem bösen Angriff bewahren, der versuchen könnte, mich in diesen letzten Stunden vom Glauben abzubringen. Paulus fürchtet nicht den Tod – er fürchtet, untreu zu sterben. Das ist der feine, leicht zu übersehende Punkt hier Adam Clarke.
Dann kommt die zweite Hälfte: "und mich retten in sein himmlisches Reich." Ein Kontrast, der beinahe schmerzhaft ist – das irdische Reich, der römische Kaiser, wird gleich über Paulus urteilen und ihn hinrichten lassen, aber das ist nicht das Reich, das das letzte Wort hat Tyndale. Es gibt ein anderes Reich, ein himmlisches, und dorthin wird Paulus gebracht, gerade durch den Tod hindurch, nicht trotz ihm.
Und dann bricht er einfach in Lobpreis aus: "Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen." Das ist keine Konklusion aus einer Theologie-Vorlesung, das ist ein Mann, der spontan anfängt zu singen, weil ihm die Hoffnung zu groß wird, um sie still zu halten Jamieson-Fausset-Brown.
Dieser Vers steht am äußersten Ende des zweiten Timotheusbriefs, quasi Paulus' letztes schriftliches Wort überhaupt, bevor er stirbt – das prägt jede Zeile davon. Ein kleiner Streitpunkt unter Auslegern: Bezieht sich das "Ihm" am Ende auf Gott den Vater oder auf Jesus? Der griechische Satzbau legt nahe, dass es sich auf denselben "Herrn" bezieht, von dem gerade eben die Rede war – also auf Jesus Tyndale. Das ist theologisch gewichtig, weil Paulus Jesus damit ganz selbstverständlich denselben ewigen Lobpreis zuschreibt, der eigentlich Gott allein zusteht.
Historischer Hintergrund
Der zweite Timotheusbrief ist wahrscheinlich Paulus' allerletzter Brief, geschrieben um 66-67 n. Chr., während seiner zweiten römischen Gefangenschaft. Das war keine bequeme Hausarrest-Situation wie beim ersten Mal, als er noch Besucher empfangen und predigen konnte ( Apostelgeschichte 28:30-31). Diesmal sitzt er in einem echten römischen Kerker, wahrscheinlich dem berüchtigten Mamertinischen Gefängnis, kalt, feucht, wo man Gefangene oft vor der Hinrichtung verwahrte.
Der Kontext ist die Christenverfolgung unter Kaiser Nero. Im Jahr 64 n. Chr. war ein großer Teil Roms abgebrannt, und Nero brauchte einen Sündenbock – er schob die Schuld auf die Christen, eine kleine, verdächtige, "orientalische" Sekte, die sowieso schon misstraut wurde. Der römische Historiker Tacitus beschreibt, wie Christen in dieser Zeit auf grausamste Weise hingerichtet wurden – manche wurden lebendig verbrannt, andere den wilden Tieren vorgeworfen. In diesem Klima schreibt Paulus.
Er schreibt an Timotheus, seinen jüngeren Mitarbeiter, den er wie einen geistlichen Sohn behandelt hatte, und bittet ihn, so schnell wie möglich nach Rom zu kommen ( 2. Timotheus 4:9, 4:21), "vor dem Winter" – ein Detail, das zeigt, wie sehr Paulus weiß, dass die Zeit knapp wird. Im Vers direkt vor unserem Vers erzählt er, wie bei seiner ersten Gerichtsverhandlung niemand für ihn eintrat, alle ihn verlassen hatten – "aber der Herr stand mir bei." Genau aus dieser Erfahrung, mitten in der Einsamkeit einer bevorstehenden Hinrichtung, wächst dieser Vers 18. Er schaut zurück auf das, was Gott gerade getan hat, und zieht daraus Vertrauen für das, was noch kommt Jamieson-Fausset-Brown – bis hin zum letzten großen Sprung, dem Tod selbst.
Ursprache
Das Wort für "erlösen" ist ῥύομαι (rhýomai, G4506) – ein Bild, das eigentlich "wegreißen, herausziehen" bedeutet, wie man jemanden aus einer reißenden Strömung zieht, bevor er ertrinkt Strong's. Paulus benutzt genau dasselbe Wort, das Jesus im Vaterunser verwendet: "erlöse uns von dem Bösen" ( Matthäus 6:13). Das ist kein Zufall – Paulus betet im Grunde dasselbe Gebet, das Jesus seinen Jüngern beigebracht hat, nur jetzt aus dem Gefängnis heraus, mit dem Beil schon fast am Nacken.
Das Wort für "böse" hier ist πονηρός (ponērós, G4190) – wichtig zu wissen: das ist nicht dasselbe Wort wie κακός (kakós), das einfach "schlecht, mangelhaft" bedeutet. πονηρός beschreibt etwas aktiv Schädliches, Bösartiges – manchmal wird es sogar für "den Bösen" selbst, den Teufel, verwendet Strong's. Paulus fürchtet also nicht irgendeinen Fehler oder eine Unvollkommenheit, sondern einen gezielten, feindseligen Angriff, der ihn zu Fall bringen will.
Das zweite Verb, "retten", ist σώζω (sṓzō, G4982) – dasselbe Wort, das im ganzen Neuen Testament für die große Rettung, das Heil, steht Strong's. Paulus benutzt es hier nicht für "vor dem Tod bewahrt werden", sondern für "hinübergerettet werden in" – das griechische εἰς (eis, G1519) trägt genau diese Bedeutung von "hinein, bis zu einem Ziel" Strong's. Und das Ziel ist seine βασιλεία ἐπουράνιος (basileía epouránios) – "Königreich, das über dem Himmel ist" (G932 und G2032) Strong's. Zwei Wörter, ein Bild: nicht ein Ort weit weg, sondern die Herrschaft Gottes selbst, jenseits von Rom, jenseits von Nero.
Wie es auf Christus hinweist
Der auffälligste Punkt hier ist, wie nahtlos Paulus Jesus in die Rolle setzt, die im Alten Testament fast immer Gott selbst gehört: der, der rettet, der bewahrt, der ewige Ehre verdient. Wenn du dir die Querverweise anschaust – Psalm 121:7 ("Der HERR behüte dich vor allem Übel"), Psalm 37:28 ("sie werden ewiglich bewahrt") – merkst du, dass Paulus buchstäblich die Sprache übernimmt, mit der Israel Jahrhunderte lang über den Gott des Bundes gesprochen hat, und sie auf Jesus anwendet Tyndale.
Aber noch tiefer: dieser Vers ist eine kleine Auferstehungspredigt, ohne das Wort "Auferstehung" zu benutzen. Paulus weiß, dass er sterben wird. Er sagt nicht "der Herr wird mich vor dem Tod bewahren" – das wäre eine Lüge gewesen, denn wenige Wochen später wurde er wahrscheinlich enthauptet. Er sagt: der Tod selbst ist die Tür in das himmlische Reich. Das ist genau das, was Jesus in seinem eigenen Tod und seiner Auferstehung vorgemacht hat – nicht Vermeidung des Todes, sondern Sieg mitten durch ihn hindurch. Paulus kann das nur deshalb so ruhig sagen, weil er an einen Herrn glaubt, der selbst gestorben und auferstanden ist und der ihm dieselbe Straße vorausgegangen ist.
Und dann das Gebet, das Jesus seinen Jüngern gab – "erlöse uns von dem Bösen … dein ist das Reich" ( Matthäus 6:13) – hallt hier fast wörtlich nach. Paulus betet nicht irgendein Gebet, er betet das Gebet Jesu, in der letzten Stunde seines Lebens. Das ist keine zufällige Ähnlichkeit; es zeigt, wie tief die Worte Jesu in seinem Herzen verwurzelt waren, sodass sie im Moment höchster Not einfach wieder auftauchten.
Für dein Leben
Frag dich ehrlich: Wovor hast du eigentlich mehr Angst – vor dem Leiden selbst, oder davor, dass das Leiden dich zu jemandem macht, den du nicht sein willst? Paulus, im Angesicht der Hinrichtung, betet nicht "rette mich davor". Er betet "bewahre mich davor, in diesem letzten Kampf untreu zu werden." Das ist eine völlig andere Art zu beten, und sie stellt eine unbequeme Frage an dich: Betest du überhaupt so? Oder betest du fast immer nur um Verschonung vom Schmerz, nie um Bewahrung im Glauben mitten im Schmerz?
Der Preis, den dieser Vers von dir verlangt, ist, dass du deine Definition von "Rettung" neu justierst. Du willst wahrscheinlich – ganz natürlich, ganz menschlich – dass Gott dich vor dem Verlust, der Krankheit, der Kündigung, dem Streit bewahrt. Paulus sagt dir etwas Härteres: Gottes Treue garantiert nicht, dass du dem Feuer entkommst. Sie garantiert, dass du das Feuer nicht allein durchstehst und dass du auf der anderen Seite in sein Reich ankommst.
Und schau dir an, was er tut, während er noch im Gefängnis sitzt, bevor irgendetwas sich geändert hat: er lobt Gott. Nicht nachdem er gerettet wurde – vorher, mitten in der Ungewissheit. Kannst du das? Kannst du heute, mit dem, was gerade ungelöst in deinem Leben liegt, "Ihm sei die Ehre" sagen, bevor du siehst, wie die Geschichte ausgeht? Das ist kein billiger positiver Denk-Trick. Das ist ein Mann, der genau weiß, wer am Ende der Straße auf ihn wartet, und deshalb schon jetzt anfängt zu singen.
Gebetsanliegen
- Herr, bewahre mich nicht nur vor Schmerz, sondern vor Untreue – lass mich lieber leiden als dich verraten.
- Ich bitte dich um die Kraft, mitten in Unsicherheit, wie Paulus im Gefängnis, dir jetzt schon Ehre zu geben, nicht erst wenn ich das Ende der Geschichte kenne.
- Erinnere mich täglich daran, dass dein Reich größer ist als jede irdische Macht, die mir Angst macht.
- Zieh mich, wie du versprichst, aus dem, was mich hineinreißen will – aus Bitterkeit, Angst, Kompromiss.
- Danke, dass du dasselbe Gebet, das Jesus mich lehrte, auch für mich beten willst: erlöse mich von dem Bösen.
Zum Nachdenken
- Wenn du ehrlich bist: Betest du öfter um Verschonung vom Leiden oder um Bewahrung im Glauben mitten im Leiden?
- Gibt es einen Bereich in deinem Leben, wo du gerade eher "irdisches Reich" als "himmlisches Reich" als deine wahre Sicherheit behandelst?
- Könntest du, mit dem, was gerade ungelöst in deinem Leben ist, ehrlich sagen "Ihm sei die Ehre" – oder wartest du erst auf ein gutes Ende, bevor du Gott lobst?
- Was würde es dich kosten, wie Paulus zu glauben, dass der Tod selbst keine Niederlage, sondern eine Tür ist?
- Wessen Stimme, wessen "boshaftes Werk" versucht gerade, dich vom treuen Weg abzubringen – und bittest du Gott konkret darum, dich davor zu bewahren?