Römer 14:17
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Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist;
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Schau dir den Kontext an: Paulus schreibt an eine Gemeinde, die sich über Essen zerstritten hat. Manche aßen Fleisch, das vielleicht von Götzenopfern stammte, andere nicht; manche hielten bestimmte Tage für heilig, andere nicht. Und dieser Streit drohte, die Gemeinde auseinanderzureißen. Genau in diese Situation hinein sagt Paulus: Ihr streitet über das Falsche. Das Reich Gottes – also die Wirklichkeit, in der Gott als König herrscht und sein Volk unter seiner guten Regierung lebt – hat mit Essensvorschriften gar nichts zu tun. Es geht nicht darum, was auf deinem Teller liegt.
Beachte die Struktur: Paulus stellt zwei Dinge einander gegenüber – "Essen und Trinken" gegen "Gerechtigkeit, Friede und Freude". Das eine ist äußerlich, vergänglich, morgen schon wieder vergessen. Das andere sind drei Wirklichkeiten, die aus dem Inneren kommen und bleiben. Leicht zu übersehen: Diese drei – Gerechtigkeit, Friede, Freude – sind nicht drei zufällige gute Eigenschaften. Sie zeigen drei Richtungen an: Gerechtigkeit betrifft dein Verhältnis zu Gott, Friede dein Verhältnis zu den Menschen um dich herum, Freude dein eigenes Inneres Jamieson-Fausset-Brown. Und sie kommen alle "im Heiligen Geist" – das heißt, sie sind nicht etwas, das du dir erarbeitest, sondern etwas, das der Geist Gottes in dir wirkt.
Wo Christen sich uneinig sind: Katholische und protestantische Ausleger streiten seit Jahrhunderten darüber, was "Gerechtigkeit" hier genau meint – ist es die Gerechtigkeit, die Gott dir schenkt (die Rechtfertigung durch Glauben), oder das gerechte Handeln, das aus einem erneuerten Leben fließt? Beides steckt wahrscheinlich drin, aber die Betonung verschiebt sich je nach Tradition.
Diese Verse stehen mitten in Paulus' langer Ermahnung ( Römer 14–15), wie "Starke" und "Schwache" im Glauben miteinander umgehen sollen, ohne einander zu verurteilen.
Historischer Hintergrund
Paulus schreibt diesen Brief wahrscheinlich um 57 n. Chr. von Korinth aus an eine Gemeinde in Rom, die er selbst noch nie besucht hatte. Diese Gemeinde war eine bunte Mischung: jüdische Christen, die mit den Speisegesetzen der Tora aufgewachsen waren, und heidnische Christen, die aus der römischen Umwelt kamen, wo Fleisch oft im Zusammenhang mit Opfern an römische Götter verkauft wurde.
Ein wichtiges historisches Detail: Kaiser Claudius hatte im Jahr 49 n. Chr. alle Juden aus Rom vertrieben (das erwähnt auch die Apostelgeschichte 18,2). Das bedeutete, dass die römische Gemeinde für eine Weile fast rein heidnisch war – bis die jüdischen Christen nach Claudius' Tod (54 n. Chr.) zurückkehrten. Stell dir vor, was das für eine Gemeinde bedeutet: Leute, die sich jahrelang ohne die jüdisch geprägten Mitglieder eingerichtet hatten, treffen plötzlich wieder auf Rückkehrer mit anderen Gewohnheiten – anderen Essregeln, anderen heiligen Tagen. Reibung war programmiert.
In diesem Klima schreibt Paulus Kapitel 14. Manche Christen aßen kein Fleisch, weil sie nicht sicher sein konnten, ob es von Götzenopfern stammte (vergleiche 1. Korinther 8,8, wo das gleiche Thema auftaucht). Manche hielten bestimmte Tage für besonders heilig – wahrscheinlich jüdische Feiertage oder Fastentage. Und beide Seiten fingen an, sich gegenseitig zu verurteilen: die einen die anderen als abergläubisch oder gesetzlich, die anderen die einen als zügellos oder respektlos gegenüber Gott.
Paulus greift hier nicht ein, um zu entscheiden, wer recht hat mit dem Essen. Er zieht die Kamera zurück und zeigt: Ihr verwechselt Nebensache mit Hauptsache. Das Reich Gottes, von dem Daniel schon Jahrhunderte vorher gesprochen hatte ( Daniel 2,44) – ein Reich, das alle irdischen Reiche überdauert – dieses Reich wird nicht an Essgewohnheiten gemessen.
Ursprache
Das Wort für "Reich" ist βασιλεία (basileía, G932) – es meint nicht in erster Linie ein Gebiet auf der Landkarte, sondern die Herrschaft selbst: das Königsein Gottes, sein aktives Regieren Strong's. Wenn Paulus sagt "das Reich Gottes ist nicht...", meint er also: Wo Gott wirklich als König regiert, sieht man nicht dies – sondern das.
Interessant sind die beiden Wörter, die er verwirft: βρῶσις (brōsis, G1035) für "Essen" und πόσις (pósis, G4213) für "Trinken" Strong's. Beide beschreiben den bloßen Akt – das Kauen, das Schlucken. Ganz konkret, ganz körperlich, ganz vorübergehend. Paulus wählt bewusst die schlichtesten, unspiritualsten Wörter, die er finden kann, um zu sagen: Es geht um das, was du gerade jetzt isst und trinkst – nicht mehr.
Dagegen stehen drei Wörter, die tief in die Bibel hineinreichen. δικαιοσύνη (dikaiosýnē, G1343) heißt Gerechtigkeit, aber auch "das Rechtsein" vor Gott – speziell im christlichen Sprachgebrauch die Rechtfertigung Strong's. εἰρήνη (eirḗnē, G1515) ist Friede, aber mit einem hebräischen Unterton – nicht nur Abwesenheit von Streit, sondern ganzheitliches Wohlergehen Strong's. χαρά (chará, G5479) ist "heitere Freude", "ruhige Wonne" – kein aufgesetztes Lächeln, sondern ein tiefer, stiller Genuss Strong's.
Und dann das entscheidende Wörtchen: ἐν (en, G1722) – "in". Diese drei Dinge geschehen "im Heiligen Geist" – die Präposition zeigt einen Ort oder ein Element an, in dem etwas existiert, wie ein Fisch im Wasser Strong's. Gerechtigkeit, Friede und Freude sind keine Leistungen, die du im eigenen Saft produzierst – sie sind ein Element, in das du hineingetaucht wirst.
Wie es auf Christus hinweist
Wenn du fragst, wo dieses Reich Gottes herkommt, von dem Paulus spricht, dann führt jede Spur zu Jesus. Er selbst hat es angekündigt: "Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen" ( Markus 1,15) – und dann hat er es nicht durch ein Bankett oder ein Gesetzbuch eröffnet, sondern durch sein eigenes Leben, Sterben und Auferstehen. Am Kreuz hat er die Gerechtigkeit geschaffen, von der Paulus hier redet – nicht eine Gerechtigkeit, die du dir durch richtiges Essen oder Fasten verdienst, sondern eine, die er dir schenkt, "die aus Gott ist auf Grund des Glaubens" ( Philipper 3,9).
Und der Friede? Das ist nicht zuerst der Friede zwischen dir und deinem Tischnachbarn – so wichtig der ist –, sondern zuerst der Friede zwischen dir und Gott, den Jesus erkauft hat, als er den Zorn trug, der eigentlich dir gehörte. Aus diesem vertikalen Frieden fließt dann der horizontale: dass Christen, die früher übereinander gerichtet hätten, jetzt am selben Tisch sitzen können.
Und die Freude im Heiligen Geist? Das ist derselbe Geist, den der auferstandene Jesus seiner Gemeinde gegeben hat – nicht als bloße Kraft, sondern als seine eigene Gegenwart in dir ( Johannes 3,3 – ohne die neue Geburt aus dem Geist siehst du dieses Reich gar nicht). Paulus greift wenige Verse später in Römer 15,13 genau diese drei Fäden noch einmal auf und bindet sie an die Hoffnung, die aus dem Glauben an Christus kommt.
Kurz: Dieses Reich, das nicht Essen und Trinken ist, ist kein abstraktes Prinzip. Es ist die Herrschaft eines Königs, der gekreuzigt wurde, damit du in seine Gerechtigkeit, seinen Frieden und seine Freude hineingenommen wirst.
Für dein Leben
Sei ehrlich mit dir: Worüber streitest du eigentlich in deinem Glaubensleben? Vielleicht nicht mehr über Fleisch und Feiertage – aber wahrscheinlich über irgendetwas Vergleichbares. Welche Musikstile in der Gemeinde erlaubt sind. Welche Bibelübersetzung die "richtige" ist. Ob man Wein trinken darf, wie man Kindererziehung macht, welche politische Meinung "christlich" ist. Paulus würde dir nicht unbedingt sagen, du liegst falsch mit deiner Meinung – er würde dich fragen, ob du diese Nebensache zur Hauptsache gemacht hast, ob du deswegen einen Bruder oder eine Schwester verurteilst, für die Christus genauso gestorben ist wie für dich.
Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken. Es ist auch nicht deine Liturgieform, dein Kirchenstil, deine Bibelübersetzung. Diese Wahrheit kostet dich etwas: Sie nimmt dir die billige Sicherheit, dass du auf der richtigen Seite stehst, weil du die richtigen Regeln einhältst. Sie fragt stattdessen: Lebst du in Gerechtigkeit, die du von Gott bekommen hast – nicht die, die du dir selbst zusammengebastelt hast? Suchst du Frieden mit den Menschen, die anders glauben als du, oder Streit? Ist deine Freude eine, die aus dem Geist Gottes kommt – oder hängt sie an äußeren Umständen, die morgen schon anders sein können?
Adam Clarke nennt diese drei Dinge einen echten Vorgeschmack des Himmels Adam Clarke – und das ist die Einladung heute: nicht ein besseres Regelwerk zu befolgen, sondern dich diesem Reich zu übergeben, das schon jetzt in dir wachsen will.
Gebetsanliegen
- Herr, zeig mir die Nebensachen, die ich zu Hauptsachen gemacht habe – die Streitpunkte, an denen ich Menschen verurteile, die du liebst.
- Schenk mir deine Gerechtigkeit ganz neu, damit ich aufhöre, meine eigene Gerechtigkeit zu beweisen.
- Gib mir Frieden mit den Christen um mich herum, die anders glauben, anders leben, anders entscheiden als ich.
- Fülle mich mit Freude durch deinen Heiligen Geist – nicht mit einer Freude, die von meinen Umständen abhängt.
- Hilf mir, dein Reich als das zu erkennen, was es wirklich ist: nicht äußere Regeln, sondern dein Wirken tief in mir.
Zum Nachdenken
- Welche "Essens- und Trinkfragen" – welche Nebensachen – bringen dich am meisten zum Streiten oder Verurteilen anderer Christen?
- Wenn dein Friede mit Gott heute wirklich echt wäre – würde sich das in deinem Umgang mit Menschen zeigen, die dir widersprechen?
- Woher kommt deine Freude gerade jetzt – aus Umständen, die sich jederzeit ändern können, oder aus etwas, das bleibt?
- Gibt es jemanden in deiner Gemeinde, den du wegen einer Nebensache innerlich abgeschrieben hast?
- Was würde sich in deinem Alltag ändern, wenn du wirklich glaubtest, dass Gottes Reich nicht von äußeren Regeln, sondern vom Wirken seines Geistes lebt?