Johannes 1:1
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Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Satz langsam. "Im Anfang war das Wort." Nicht: "Im Anfang entstand das Wort" – sondern war. Johannes benutzt bewusst die Vergangenheitsform des Seins, nicht des Werdens Adam Clarke. Das ist der erste Hammerschlag: Bevor irgendetwas anfing, war Er schon da. Kein Ursprung, keine Geburt in der Zeit – Er ist die Zeit gar nicht unterworfen.
Dann kommt der zweite Satzteil: "das Wort war bei Gott." Hier steckt ein feines, aber wichtiges Detail – "bei" meint nicht bloß "in der Nähe von", sondern ein Gegenüber, ein Angesicht-zu-Angesicht Jamieson-Fausset-Brown. Das Wort ist nicht identisch mit Gott im Sinne von "dasselbe Ding", sondern eine eigene Person in Beziehung zu Gott. Und dann der dritte Teil, der die Spannung auflöst und gleichzeitig verschärft: "das Wort war Gott." Keine zweite Gottheit, kein Halbgott – volle Göttlichkeit.
Was leicht übersehen wird: Johannes eröffnet sein Evangelium genau mit denselben drei Worten wie 1. Mose 1,1 – "Im Anfang". Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Anspielung Tyndale. Er sagt damit: Diese Geschichte, die ich erzähle, beginnt nicht mit Bethlehem. Sie beginnt vor der Schöpfung selbst.
Wo Christen sich uneinig sind: Die Zeugen Jehovas übersetzen diesen Vers gern mit "das Wort war ein Gott" – und stützen damit ihre Lehre, dass Jesus ein geschaffenes, untergeordnetes Wesen sei. Die überwältigende Mehrheit der griechischen Grammatiker und fast die gesamte Kirchengeschichte, katholisch, orthodox und protestantisch gleichermaßen, lehnt das ab: Der Satzbau im Griechischen erlaubt genau die Lesart, die Luther und alle großen Übersetzungen wählen – volle, unverdünnte Gottheit des Wortes. Dieser Vers ist einer der festesten Grundpfeiler der Lehre von der Dreieinigkeit.
Historischer Hintergrund
Johannes schrieb sein Evangelium vermutlich zwischen 85 und 95 n. Chr., wahrscheinlich in oder um Ephesus, eine der größten Städte Kleinasiens (heutige Westtürkei). Er war der letzte lebende Augenzeuge unter den zwölf Aposteln, ein alter Mann, der eine Gemeinde begleitete, die längst nicht mehr nur aus Juden bestand, sondern zunehmend aus Griechen und Römern.
Das erklärt, warum er ausgerechnet mit dem Wort "Logos" beginnt. In der griechisch-philosophischen Welt seiner Leser war "Logos" ein hochgeladenes Wort – es bezeichnete das vernünftige, ordnende Prinzip, das dem ganzen Kosmos Sinn und Struktur gibt, ein Begriff, den Stoiker und Philosophen wie Heraklit und später Philo von Alexandrien benutzten Tyndale. Ein gebildeter Grieche, der diesen Satz las, dachte sofort: "Ah, er spricht über das Prinzip, das die Welt zusammenhält."
Gleichzeitig hatte das Wort für einen jüdischen Leser einen ganz anderen, ebenso schweren Klang. Im Alten Testament schafft Gott durch sein Wort – "Und Gott sprach..." ( 1. Mose 1). Die jüdische Tradition, besonders die aramäischen Übersetzungen der Synagoge (die sogenannten Targumim), sprachen oft vom "Memra" – dem "Wort des Herrn" – als eine Art personifizierte Ausdrucksform Gottes selbst, wenn direkter von Gott zu sprechen zu gewagt schien Matthew Henry.
Johannes greift also bewusst ein Wort auf, das beide Welten – die griechische Philosophie und die jüdische Schriftkenntnis – sofort verstehen. Und dann sprengt er beide Erwartungen: Dieses Prinzip, dieses Wort, ist keine abstrakte Kraft. Es ist eine Person. Und diese Person wurde, wie Vers 14 gleich zeigt, Fleisch und ging unter den Menschen umher, aß mit ihnen, weinte, starb. Das war für beide Denkwelten ein Skandal – für Griechen, weil Geist niemals Materie wird, für Juden, weil der unsichtbare Gott niemals Mensch wird.
Ursprache
ἐν ἀρχῇ (en archē) G1722 + G746 – "im Anfang". Dasselbe Wortpaar wie in der griechischen Übersetzung von 1. Mose 1,1. Johannes zitiert bewusst den ersten Satz der Bibel und stellt seine Erzählung damit vor die Zeit, vor die Schöpfung.
ἦν (ēn) G2258 – die Vergangenheitsform von "sein", genauer: die dauernde Vergangenheit. Nicht "wurde", nicht "entstand" – sondern "war schon da und ist es weiterhin gewesen". Dreimal in diesem Vers wiederholt, jedes Mal derselbe Klang: kein Anfang, nur Sein Adam Clarke.
λόγος (lógos) G3056 – das zentrale Wort des ganzen Verses. Wörtlich "das Gesagte", "die Rede", aber auch "Vernunft", "Sinn", "das ordnende Prinzip". Johannes benutzt es hier, wie das Strong-Lexikon selbst vermerkt, in seiner besonderen, mit Artikel versehenen Bedeutung: "der göttliche Ausdruck" – ein Name für Christus Strong's. Es ist nicht irgendein Wort, sondern das Wort, mit bestimmtem Artikel im Griechischen – wie ein Eigenname.
πρός (prós) τὸν θεόν G4314 – "bei/zu Gott hin". Diese Präposition trägt eine Bewegung, eine Ausrichtung in sich, fast wie "Angesicht zu Angesicht". Nicht bloße Nähe, sondern eine lebendige, personale Zuwendung – das Wort ist ständig zu Gott hin ausgerichtet, in ewiger Beziehung.
θεός (theós) G2316 – "Gott". Wichtig: Im dritten Satzteil steht dieses Wort ohne den bestimmten Artikel, den es im zweiten Satzteil ("bei Gott") noch hatte. Das ist kein Zufall und kein Herabstufen – die griechische Grammatik erlaubt hier, ein Prädikatsnomen ohne Artikel zu setzen, ohne dass es unbestimmter würde. Es beschreibt die Wesensart des Wortes: von der Substanz her Gott, nicht "ein" Gott unter mehreren.
Wie es auf Christus hinweist
Dieser Vers ist im Grunde die Überschrift für alles, was Johannes erzählen wird. Er will von Anfang an, dass du weißt, wer da eigentlich am Kreuz hängt, wer da die fünf Brote vermehrt, wer da mit Lazarus weint: nicht bloß ein besonders geisterfüllter Mensch, sondern das ewige Wort selbst, das Fleisch geworden ist ( Johannes 1,14).
Schau dir an, wie Johannes selbst später diesen Faden aufnimmt. In Johannes 17,5 betet Jesus zum Vater um die Herrlichkeit, "die ich bei dir hatte, ehe die Welt war" – genau dieselbe vorzeitliche, ewige Gemeinschaft, von der Vers 1 spricht. In Philipper 2,6 beschreibt Paulus denselben Christus, der "sich in Gottes Gestalt befand" und es nicht wie Diebesgut festhielt, Gott gleich zu sein – dieselbe Wahrheit, anders formuliert. Und in Offenbarung 19,13 sieht Johannes den wiederkommenden Christus, "angetan mit einem Kleide, das in Blut getaucht ist", und sein Name lautet: "Das Wort Gottes" – der Kreis schließt sich, vom ewigen Anfang bis zur endgültigen Wiederkunft.
Das eigentliche Wunder liegt in der Bewegung zwischen Vers 1 und Vers 14: Der, der war, wurde. Der Ewige trat in die Zeit ein. Der, der bei Gott war, kam zu uns – nicht als Botschaft, nicht als Prinzip, sondern als Person mit Haut und Herzschlag. Das ist der Kern der Weihnachtsgeschichte, lange bevor Matthäus von Maria und dem Stall erzählt: "Gott mit uns" ( Matthäus 1,23) ist keine hübsche Formel, sondern die logische Konsequenz von Johannes 1,1. Wenn das Wort wirklich Gott ist, dann ist Weihnachten kein Mythos über einen besonderen Menschen – dann ist es der Schöpfer, der selbst in sein eigenes Werk hineinsteigt.
Für dein Leben
Hier ist die Frage, die dieser Vers dir stellt, ganz direkt, ohne Umweg: Glaubst du wirklich, dass Jesus Gott ist – nicht nur "gottähnlich", nicht nur "gottgesandt", sondern Gott selbst, in Person, mit allem, was das bedeutet?
Das ist keine akademische Frage. Wenn Jesus wirklich das ewige Wort ist, das war, bevor irgendetwas war, dann steht er nicht in einer Reihe mit Mose, Buddha oder Mohammed als einer von vielen weisen Lehrern. Dann ist er entweder genau das, was er von sich behauptet – oder er ist ein Wahnsinniger oder ein Betrüger. Es gibt hier keinen bequemen Mittelweg, keinen "netten Lehrer, an den man glauben kann, ohne allzu festgelegt zu sein".
Und wenn er wirklich Gott ist, der bei Gott war und dennoch zu dir kam, dann verändert das, wie du betest. Du betest nicht zu einem fernen Prinzip, sondern zu einer Person, die dich kennt, seit bevor die Welt existierte. Du bist nicht zufällig hier. Der, der die Sterne sprach, kannte deinen Namen, bevor er das Licht erschuf.
Was kostet dich das? Ehrlichkeit. Wenn Jesus Gott ist, dann ist jede Weigerung, ihm zu gehorchen, keine kleine Meinungsverschiedenheit mit einem klugen Ratgeber – es ist Rebellion gegen den, der dich gemacht hat. Und Anbetung. Nicht die bequeme Sonntagsvariante, sondern die Art Anbetung, die den Philosophen Francis Junius als jungen Mann buchstäblich zum Zittern brachte, als er diese Zeilen zum ersten Mal wirklich las Matthew Henry. Lass dich heute von diesem Vers wieder erschüttern, statt ihn nur wiederzuerkennen.
Gebetsanliegen
- Herr Jesus, hilf mir zu glauben, dass du wirklich Gott bist – nicht nur mit dem Kopf, sondern so, dass es mein Leben verändert.
- Vater, danke, dass dein Wort nicht in ferner Ewigkeit blieb, sondern zu mir kam. Lass mich das nie als selbstverständlich hinnehmen.
- Ich bekenne, dass ich dich manchmal wie einen guten Lehrer behandle statt wie den ewigen Gott. Vergib mir und richte meine Anbetung neu aus.
- Herr, gib mir die Ehrfurcht zurück, die dieser Vers verdient – lass mich nicht abgestumpft an deinen größten Wahrheiten vorbeigehen.
- Danke, dass du vor allem Anfang warst und über allem Ende sein wirst – gib mir Frieden für das, was ich heute nicht verstehe.
Zum Nachdenken
- Wenn Jesus wirklich das ewige, göttliche Wort ist – wo in meinem Leben behandle ich ihn eigentlich wie weniger als das?
- Was würde sich an meinem heutigen Tag ändern, wenn ich wirklich glaubte, dass der Schöpfer des Universums mich persönlich kennt und liebt?
- Erschreckt mich dieser Vers noch, oder ist er für mich zur bloßen Formel geworden, die ich kenne, ohne sie zu fühlen?
- Gibt es einen Bereich in meinem Leben, in dem ich Jesus wie einen guten Ratgeber behandle, statt ihm zu gehorchen wie Gott selbst?
- Wann habe ich zuletzt wirklich gestaunt über die Tatsache, dass Gott Mensch wurde – oder ist mir das zur Routine geworden?