Lukas 9:26
Eine verständliche Vertiefung zu diesem Vers. Kapitel lesen →
Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn er kommen wird in seiner und des Vaters und der heiligen Engel Herrlichkeit.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Satz langsam: Es geht nicht darum, ob du Jesus für wahr hältst. Es geht darum, ob du dich zu ihm bekennst – laut, öffentlich, auch wenn es dich etwas kostet. Jesus sagt: Wer sich meiner und meiner Worte schämt – wer also, wenn es unbequem wird, lieber schweigt oder sich distanziert –, den wird der Menschensohn genauso behandeln, wenn er in Herrlichkeit wiederkommt.
Was hier leicht zu überlesen ist: Jesus stellt sich selbst auf eine Stufe mit dem Vater. "In seiner und des Vaters und der heiligen Engel Herrlichkeit" – das ist nicht bescheiden formuliert. Der Mann, der gerade eben angekündigt hat, dass er leiden und sterben wird ( Lukas 9:22), sagt im selben Atemzug, dass er einmal mit der Herrlichkeit Gottes selbst wiederkommen wird, umgeben von Engeln, um zu richten Tyndale. Das ist eine steile Behauptung aus dem Mund eines Wanderpredigers ohne Heer, ohne Palast, auf dem Weg zum Kreuz.
Der Satz steht bewusst direkt nach dem Ruf, sein Kreuz auf sich zu nehmen ( Lukas 9:23-25). Erst die Kosten des Nachfolgens, dann die Konsequenz des Verweigerns. Matthäus Henry sieht das ganze Kapitel als eine Bewegung: Christus bereitet seine Jünger auf sein Leiden vor – und auf ihr Leiden mit ihm Matthew Henry.
Wo sich Christen unterscheiden: Manche lesen "sich schämen" als Beschreibung eines wirklich abgefallenen, ungläubigen Herzens – ein Zeichen, dass jemand nie wirklich geglaubt hat. Andere (besonders in stärker arminianisch geprägten Traditionen) lesen es als ernste Warnung an echte Gläubige, die aus Feigheit zurückweichen können – vergleichbar mit Petrus, der Jesus dreimal verleugnete und trotzdem restauriert wurde. Der Text selbst entscheidet das nicht eindeutig.
Historischer Hintergrund
Lukas schreibt sein Evangelium wahrscheinlich zwischen 60 und 85 n. Chr., an einen gewissen Theophilus ( Lukas 1:3) – vermutlich ein römischer Beamter oder wohlhabender Gönner, der wissen will, ob dieser neue Glaube verlässlich ist. Lukas selbst war kein Augenzeuge, sondern hat, wie er selbst sagt, sorgfältig recherchiert, wahrscheinlich mit Zugang zu Berichten von Augenzeugen und zum Markusevangelium, das er kennt und verwendet.
Diese konkrete Szene spielt in der Nähe von Caesarea Philippi, ganz im Norden, weit weg von Jerusalem, wo Petrus gerade erst bekannt hat: "Du bist der Christus Gottes" ( Lukas 9:20) John Gill. Und direkt danach sagt Jesus zum ersten Mal offen, dass der Menschensohn leiden, verworfen und getötet werden muss. Das war ein Schock. Ein Messias, der leidet? Für Juden im ersten Jahrhundert war die Erwartung ein siegreicher König, der Rom vertreibt, nicht ein Mann, der sich hinrichten lässt.
In diesem Klima – wo öffentliches Bekenntnis zu Jesus als Messias einen sozial und religiös isolieren konnte, wo die Synagoge einen ausschließen konnte (siehe Johannes 12:42-43, wo führende Männer aus Angst vor genau dieser Ausgrenzung schweigen) – ist "sich schämen" keine abstrakte Idee. Es bedeutete konkret: Wirst du in der Synagoge, vor deiner Familie, vor römischen Nachbarn zugeben, dass du zu diesem gekreuzigten Mann gehörst? Für Lukas' erste Leser, die vielleicht selbst unter Verdacht standen, Christen zu sein, war das keine Theorie, sondern Alltag.
Ursprache
Das Schlüsselwort ist ἐπαισχύνομαι (epaischýnomai, G1870) – "sich schämen für etwas" Strong's. Es setzt sich zusammen aus "auf/bei" (ἐπί) und "sich schämen" (αἰσχύνομαι) – wörtlich also: sich bei etwas schämen, sich davon zurückziehen aus Scham. Das ist keine innere Gefühlsregung, die niemand sieht; es ist ein Verhalten, das sich zeigt, wenn andere zuschauen.
Beachte: dasselbe Verb steht sowohl bei "wer sich meiner schämt" als auch bei "des Menschen Sohn wird sich seiner schämen". Jesus spiegelt exakt das Verhalten zurück, das ihm entgegengebracht wurde. Kein neues Urteil wird erfunden – die Person bekommt genau das zurück, was sie ausgesät hat.
λόγος (lógos, G3056) – "Wort, Rede, das, was gesagt wurde" Strong's – steht hier nicht nur für einzelne Aussprüche Jesu, sondern für seine ganze Botschaft, seine Lehre. Sich seiner "Worte" zu schämen heißt: die ganze Botschaft für peinlich, unpopulär oder zu radikal zu halten und sie deshalb zu verschweigen.
υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου (huiós toû anthrópou, G5207 + G444) – "Sohn des Menschen" – der Titel, den Jesus für sich selbst am liebsten benutzt, entlehnt aus Daniel 7:13-14, wo eine Gestalt "wie ein Menschensohn" vor Gott gebracht wird und ewige Herrschaft, Ehre und Reich empfängt Tyndale. Wenn Jesus diesen Titel mit "kommen in Herrlichkeit" verbindet, greift er direkt auf dieses Bild vom endzeitlichen Richter-König zurück.
Wie es auf Christus hinweist
Dieser Vers ist selbst schon ein direkter Blick auf Jesus – er spricht über sich selbst, und zwar mit der ganzen Autorität dessen, was Daniel 7 vom "Menschensohn" gesagt hatte: einer, dem "Herrschaft, Ehre und Reich gegeben wird, dass ihm alle Völker, Nationen und Sprachen dienen sollten" ( Daniel 7:14). Jesus behauptet an dieser Stelle unverhohlen: Das bin ich. Ich werde wiederkommen, nicht als gescheiterter Prophet, sondern in der Herrlichkeit meines Vaters, mit den heiligen Engeln.
Und das Erstaunliche ist die Reihenfolge: Er sagt das direkt nachdem er angekündigt hat, dass er leiden und getötet werden muss ( Lukas 9:22). Der gekreuzigte Menschensohn und der wiederkommende, richtende Menschensohn sind derselbe. Genau das ist das Muster, das sich durch das ganze Evangelium zieht: erst das Kreuz, dann die Krone. Wer sich heute schämt, einen gekreuzigten Wanderprediger als Herrn zu bekennen, wird ihm an jenem Tag als den erkennen, vor dem sich jedes Knie beugt ( Philipper 2:9-11).
Paulus lebt diesen Vers geradezu vor: "Ich schäme mich des Evangeliums nicht" ( Römer 1:16), und am Ende seines Lebens im Gefängnis schreibt er: "Ich schäme mich dessen nicht. Denn ich weiß, wem ich mein Vertrauen geschenkt habe" ( 2. Timotheus 1:12). Das ist kein Zufall – das ist ein Mann, der Lukas 9:26 gehört und ernst genommen hat.
Und schließlich: Der Vers zeigt dir, wie ernst Jesus die Verbindung zwischen seiner Person und seinen Worten nimmt. Ihn zu bekennen und seine Lehre zu bekennen sind für ihn ein und dasselbe. Das ist bis heute die Nagelprobe.
Für dein Leben
Frag dich ehrlich: Wann hast du zuletzt aus Scham geschwiegen? Nicht aus Weisheit, nicht aus Taktgefühl – aus Scham. Beim Abendessen mit Kollegen, als jemand über "diese Christen" gelästert hat und du nichts gesagt hast. Bei der Familienfeier, als es leichter war, still zu bleiben, als zu sagen, was du glaubst. In den Momenten, in denen du Jesus – oder das, was er eindeutig gesagt hat über Sünde, über Ehe, über Geld, über den einzigen Weg zum Vater – lieber verschweigst, weil es unpopulär klingt.
Dieser Vers ist keine Drohung für Ungläubige weit draußen. Er ist an die Jünger gerichtet, an Leute, die schon glauben. Er sagt dir: Es reicht nicht, Jesus im Herzen für wahr zu halten, wenn du ihn mit dem Mund nicht kennst, wenn niemand aus deinem Leben erraten könnte, dass du ihm gehörst.
Und ja, das kostet etwas. Vielleicht kostet es dich das Ansehen bei Menschen, deren Meinung dir wichtig ist. Vielleicht kostet es dich einen unbequemen Moment am Arbeitsplatz. Jesus verlangt hier keinen Heldenmut, keine Straßenpredigt – er verlangt nur, dass du dich nicht schämst. Dass du, wenn die Gelegenheit kommt, nicht so tust, als würdest du ihn nicht kennen.
Die gute Nachricht dabei: Jesus hat sich deiner nicht geschämt, als er ans Kreuz ging – er hat sich deiner Sünde, deiner Schwachheit, deines Versagens nicht geschämt, sondern es getragen. Der, der dich einmal bekennen oder verleugnen wird, ist derselbe, der sich zuerst für dich hingegeben hat. Diese Liebe, nicht Angst vor dem Gericht, soll dich frei machen zum Bekennen.
Gebetsanliegen
- Herr, zeig mir die Momente, in denen ich mich aus Feigheit distanziert habe, statt mich zu dir zu bekennen.
- Gib mir den Mut, deine Worte nicht zu verwässern, nur weil sie unpopulär klingen.
- Erinnere mich daran, dass du dich meiner nicht geschämt hast, als du für mich ans Kreuz gegangen bist.
- Lass mich mit derselben Freimütigkeit von dir sprechen, wie Paulus es tat, auch wenn es mich etwas kostet.
- Schenke mir eine tiefere Liebe zu dir, die stärker ist als meine Angst vor Menschen.
Zum Nachdenken
- Kannst du dich an eine konkrete Situation erinnern, in der du geschwiegen hast, weil du dich geschämt hast, zu Jesus zu gehören?
- Was genau fürchtest du zu verlieren, wenn andere merken, wie ernst du deinen Glauben nimmst?
- Gibt es Aussagen Jesu, die dir peinlich sind – die du lieber verschweigst oder relativierst, wenn Freunde danach fragen?
- Wenn Jesus heute wiederkäme, würde er in dir eher jemanden erkennen, der ihn bekannt hat, oder jemanden, der ihn verschwiegen hat?
- Was müsste sich in deinem Herzen ändern, damit die Angst vor Menschen ihre Macht über dich verliert?