Matthäus 13:35
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damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist, der da spricht: »Ich will meinen Mund in Gleichnissen auftun, ich will verkündigen, was von Grundlegung der Welt an verborgen war.«
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Schau dir an, wo dieser Satz steht: Matthäus hat gerade eine ganze Reihe von Gleichnissen erzählt — vom Sämann, vom Unkraut, vom Senfkorn, vom Sauerteig — und jetzt hält der Erzähler kurz inne und sagt: Das war kein Zufall. Jesus redet in Bildern, damit sich etwas erfüllt, was ein Prophet vorausgesagt hatte. Das Zitat kommt aus Psalm 78,2, wo der Dichter ankündigt, er wolle seinen Mund "in Rätseln" oder "Sprüchen" öffnen und Dinge erzählen, die "von alters her" verborgen waren Jamieson-Fausset-Brown.
Was leicht zu übersehen ist: Psalm 78 ist eigentlich ein Rückblick auf die Geschichte Israels — Auszug aus Ägypten, Wüste, Landnahme. Kein Text, den man auf Anhieb als "Prophezeiung über Jesu Gleichnisse" lesen würde. Matthäus liest ihn trotzdem so, weil er glaubt: Was Asaf (der Psalmdichter) über Gottes verborgenes Handeln in der Geschichte sagte, wird in Jesus auf einer viel tieferen Ebene wahr. Jesus deckt nicht nur alte Geschichten neu auf — er legt etwas offen, das seit der Erschaffung der Welt verborgen war. Das ist eine gewaltige Behauptung: Gottes Plan, verborgen seit dem allerersten Anfang, kommt jetzt in diesen scheinbar simplen Bauerngeschichten ans Licht.
Hier reibt sich manches: Warum redet Jesus überhaupt in Gleichnissen? Wenige Verse vorher ( Matthäus 13,14) sagt er, es sei auch ein Gericht — die Leute sollen hören und doch nicht verstehen, weil ihre Herzen verhärtet sind. Gleichzeitig ist es für die, die hören wollen, ein Geschenk: Wahrheit, verpackt in Bilder, die sich langsam öffnen. Beides steht nebeneinander, und die Ausleger sind sich nicht einig, wie stark man das eine gegen das andere gewichten soll — Verbergung als Strafe oder Verbergung als geduldige Einladung.
Historischer Hintergrund
Matthäus schreibt sein Evangelium wahrscheinlich zwischen 70 und 85 n. Chr., für eine Gemeinde aus Judenchristen — Menschen, die aus dem jüdischen Glauben kommen und jetzt glauben, dass Jesus der versprochene Messias ist. Genau deshalb ist Matthäus so besessen davon zu zeigen: Alles, was Jesus tut und sagt, erfüllt das, was die hebräische Bibel längst angekündigt hat. Immer wieder schreibt er "damit erfüllt würde" — das ist seine Handschrift.
Der zitierte Psalm 78 wurde ursprünglich von Asaf verfasst, einem der Musikleiter am Tempel, wahrscheinlich Jahrhunderte vor Jesus, vielleicht zur Zeit König Davids oder kurz danach. Der Psalm erzählt Israels Geschichte noch einmal — mit einer Pointe: Gott hat sein Volk immer wieder gerettet, und Israel hat ihm immer wieder den Rücken gekehrt. Asaf nennt diese Nacherzählung selbst ein "Rätsel" oder einen "verhüllten Spruch" — er verpackt eine große Wahrheit über Gott und sein Volk in eine Geschichte.
Zur Zeit Jesu saßen die Menschen, die ihm am See Genezareth zuhörten, größtenteils in einer Kultur, in der mündliches Erzählen die Hauptform des Lehrens war. Ein Rabbi, der in Gleichnissen redet, war nichts Ungewöhnliches — aber wie Jesus es einsetzt, um das Reich Gottes zu beschreiben, war neu und für viele verwirrend. Die Volksmenge steht am Ufer, Jesus sitzt im Boot ( Matthäus 13,1-2) — eine bewusste Distanz, ein Bild dafür, dass nicht jeder gleich nah dran ist an dem, was er wirklich sagt.
Ursprache
Das Schlüsselwort im ganzen Vers ist παραβολή (parabolḗ, G3850) — wörtlich etwas, das "danebengelegt" oder "verglichen" wird. Ein Gleichnis ist keine Verschleierung um der Verschleierung willen, sondern ein Bild, das neben die Wirklichkeit gelegt wird, damit man sie besser sieht Strong's.
Interessant ist das Verb ἐρεύγομαι (ereúgomai, G2044) — im ursprünglichen Sinn "aufstoßen" oder "hervorsprudeln", übertragen "laut hervorbrechen lassen". Das ist ein überraschend körperliches, fast unfeines Wort für so ein feierliches Zitat — es vermittelt etwas Unkontrolliertes, Überschwängliches: Was da herauskommt, quillt hervor, es lässt sich nicht zurückhalten Strong's.
Dann κρύπτω (krýptō, G2928) — "verbergen, bedecken". Genau dieses Wort trägt die ganze Spannung des Verses: Etwas war zugedeckt, und jetzt wird es aufgedeckt. Nicht weil es vorher nicht da war, sondern weil die Zeit dafür jetzt gekommen ist Strong's.
Und πληρόω (plēróō, G4137), "erfüllen" — nicht im Sinn von "ein Formular ausfüllen", sondern im Sinn von: etwas zur vollen Reife, zur vollen Bedeutung bringen. Matthäus benutzt es, um zu sagen: Der Psalm war wie ein Same, und jetzt, in Jesu Mund, trägt er endlich Frucht Strong's. Schließlich ἀνοίγω (anoígō, G455), "öffnen" — dasselbe Bild wie im hebräischen Original von Psalm 78,2: ein Mund, der sich öffnet, und heraus kommt, was Generationen verborgen war.
Wie es auf Christus hinweist
Hier steckt der eigentliche Clou des Verses: Jesus ist nicht bloß jemand, der geschickt Gleichnisse erzählt. Er ist selbst der Ort, an dem Gottes ganzer verborgener Plan endlich sichtbar wird. Paulus greift genau dasselbe Bild auf, wenn er in Epheser 3,9 vom "Geheimnis" spricht, das "von den Ewigkeiten her in Gott verborgen war" — und dann sagt: jetzt ist es durch die Gemeinde und durch Christus offenbart. Oder in 1. Korinther 2,7: Gottes Weisheit, verborgen, "vorherbestimmt vor den Weltzeiten" — jetzt aber geoffenbart in dem gekreuzigten Christus.
Noch schärfer wird es, wenn man Johannes 17,24 danebenlegt: Jesus betet, dass die Seinen seine Herrlichkeit sehen, "die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt." Dieselbe Formel — "vor/seit Grundlegung der Welt" — taucht in Matthäus 13,35 auf, in Matthäus 25,34 (das für dich bereitete Reich) und in Offenbarung 13,8 (das Lamm, geschlachtet seit Grundlegung der Welt). Das ist kein Zufall der Wortwahl. Es zeichnet ein Bild: Bevor auch nur ein Stern am Himmel hing, hatte Gott schon einen Plan — und dieser Plan trägt ein Gesicht, das Gesicht Jesu.
Was in Psalm 78 als Rückblick auf Gottes Treue in der Geschichte Israels begann, wird in Jesus zur Enthüllung von etwas viel Größerem: dass der ganze Lauf der Weltgeschichte, von Anfang an, auf ihn zulief. Wenn Jesus in Gleichnissen redet, redet er nicht als kluger Erzähler, sondern als der, in dem Gottes ewiges Geheimnis endlich einen Mund bekommt.
Für dein Leben
Vielleicht kennst du das Gefühl: Du liest eine Bibelstelle, und sie bleibt irgendwie flach, verschlossen, wie eine Tür, die nicht aufgeht. Dieser Vers sagt dir etwas Ermutigendes und etwas Herausforderndes zugleich. Ermutigend: Gott hat nie vorgehabt, dass Wahrheit für dich verschlossen bleibt. Er öffnet seinen Mund — extra, absichtlich, geduldig — damit du siehst, was seit Ewigkeiten für dich bereit lag.
Herausfordernd: Ein Gleichnis öffnet sich nicht auf den ersten Blick. Es verlangt, dass du bleibst, nachfragst, dich nicht mit der oberflächlichen Geschichte zufriedengibst. Die Menge am Ufer hörte dieselben Worte wie die Jünger im Boot — aber nur die, die näherkamen und fragten, bekamen die Erklärung ( Matthäus 13,36). Das ist der Punkt, der dich heute etwas kostet: Willst du nah genug herankommen, um zu verstehen? Oder bleibst du lieber am Ufer, hörst eine nette Geschichte, und gehst nach Hause, ohne dass sich irgendetwas in dir bewegt?
Gott hat sich nicht zurückgehalten. Er hat sein verborgenstes Geheimnis — seinen eigenen Sohn — in die Welt gesprochen. Die Frage ist nicht, ob Gott bereit ist zu offenbaren. Die Frage ist, ob du bereit bist zu suchen, zu fragen, dranzubleiben, bis das Bild sich öffnet und du siehst, was Gott dir die ganze Zeit zeigen wollte.
Gebetsanliegen
- Vater, danke, dass du dein Geheimnis nicht für dich behalten hast, sondern es durch Jesus offengelegt hast — hilf mir, das nicht als Selbstverständlichkeit zu nehmen.
- Herr, ich will nicht bloß am Ufer stehen bleiben und deine Worte hören, ohne sie zu verstehen — zieh mich näher, gib mir Hunger nach Verstehen.
- Öffne meine Ohren und mein Herz für die Wahrheiten, die du mir zeigen willst, auch wenn sie sich nicht sofort erschließen.
- Danke, dass dein Plan mit mir schon vor Grundlegung der Welt bestand — hilf mir, mein Leben aus dieser Gewissheit heraus zu leben.
- Zeige mir, wo ich Bequemlichkeit der geistlichen Tiefe vorziehe, und gib mir den Mut, tiefer zu graben.
Zum Nachdenken
- Bleibst du bei den Worten der Bibel oft an der Oberfläche stehen, weil Tiefergehen anstrengend ist?
- Wann hast du zuletzt Gott gebeten, dir etwas zu erklären, statt einfach weiterzulesen?
- Was würde sich in deinem Leben ändern, wenn du wirklich glaubtest, Gottes Plan für dich stand schon "vor Grundlegung der Welt" fest?
- Gibt es Bereiche in deinem Glauben, wo du lieber im Verborgenen bleibst, statt dass Gott dir die volle Wahrheit zeigt?
- Wie reagierst du, wenn Gottes Wort dir zunächst rätselhaft oder unbequem vorkommt — gehst du weg, oder fragst du nach wie die Jünger?