2. Mose 1:17
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Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie ihnen der ägyptische König befohlen hatte, sondern ließen die Kinder leben.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Vers ganz langsam: Zwei Frauen, mit Namen Schifra und Pua, bekommen von Pharao, dem mächtigsten Mann der damals bekannten Welt, einen direkten Befehl – bring die hebräischen Jungen bei der Geburt um. Und was tun sie? Sie tun es einfach nicht. Der Text sagt nicht "sie waren mutig" oder "sie waren klug" – er sagt: sie fürchteten Gott. Das ist der Angelpunkt des ganzen Verses. Zwischen dem Befehl des Königs und dem Handeln der Hebammen steht diese eine Furcht, und sie verschiebt alles Keil-Delitzsch Old Testament.
Beachte die Reihenfolge im Deutschen: erst die Furcht, dann die Weigerung, dann das rettende Handeln – "ließen die Kinder leben". Das hebräische Verb dahinter, chajah, bedeutet schlicht "leben lassen, am Leben erhalten" Strong's. Diese Frauen sind keine Revolutionärinnen mit großem Plan. Sie sind Hebammen, die einfach weiterhin ihren Job tun – Kinder zur Welt bringen, statt sie zu töten. Der Ungehorsam sieht von außen fast langweilig aus. Aber genau darin liegt seine Kraft.
Leicht zu übersehen: Diese zwei Frauen stehen ziemlich am Anfang des zweiten Buches Mose, direkt nachdem ein neuer Pharao "der Josef nicht kannte" ( 2. Mose 1:8) beschlossen hat, Israel systematisch zu unterdrücken. Der ganze Auszug aus Ägypten, die ganze Rettungsgeschichte, die das Buch erzählt, beginnt nicht mit Mose oder mit den zehn Plagen, sondern mit zwei namentlich genannten Frauen, die einem König die Stirn bieten Matthew Henry.
Wo Christen unterschiedlich lesen: Später, in Vers 19, lügen die Hebammen Pharao gegenüber, um ihre Weigerung zu erklären. Manche Ausleger sagen, Gott habe nur ihren Ungehorsam gesegnet, nicht die Lüge (so sinngemäß Jamieson-Fausset-Brown, der von "Glaube gemischt mit Schwäche" spricht) Jamieson-Fausset-Brown; andere sehen die List als Teil derselben mutigen Rettungstat. Der Vers selbst richtet aber sein Licht klar auf die Gottesfurcht als Grund ihres Handelns.
Historischer Hintergrund
Wir befinden uns am Anfang des zweiten Buches Mose (Exodus), das die Geschichte davon erzählt, wie aus einer großen Sippe ein Volk wird – und wie Gott dieses Volk aus der Sklaverei in Ägypten herausführt. Traditionell wird Mose als Autor gesehen; moderne Forscher diskutieren, wie viel davon mündlich überliefert und später aufgeschrieben wurde, aber die Ereignisse selbst werden meist irgendwo zwischen 1450 und 1250 v. Chr. angesetzt – je nachdem, welche Chronologie man für die spätere Landnahme Israels annimmt.
Die Ausgangslage: Josef, der einst als Sklave nach Ägypten kam und dort zum zweiten Mann im Staat aufstieg, hatte seine ganze Familie gerettet und angesiedelt. Generationen später ist Josef vergessen, aber seine Nachkommen sind zu einer riesigen, auffälligen Bevölkerungsgruppe geworden ( 2. Mose 1:7). Ein neuer Pharao – Historiker vermuten je nach Datierung entweder einen Herrscher der 18. oder der 19. Dynastie – sieht darin eine Bedrohung: zu viele Ausländer im eigenen Land, die im Kriegsfall zum Feind überlaufen könnten. Seine erste Maßnahme ist Zwangsarbeit ( 2. Mose 1:11-14). Als das die Vermehrung nicht bremst, greift er zu etwas Radikalerem: heimlicher Kindsmord, getarnt als "natürlicher" Vorgang bei der Geburt.
Genau hier kommen Schifra und Pua ins Spiel – Hebammen, die den Frauen bei der Entbindung halfen, oft auf einem kleinen Geburtshocker kniend, mit den Händen direkt am neugeborenen Kind. Pharao gibt ihnen einen Befehl, den er für unauffällig hält: Wenn's ein Junge ist, tötet ihn, bevor jemand hinschaut. Es ist ein perfider Plan, weil er die Verantwortung auf zwei einfache Frauen abwälzt, die eigentlich niemand zur Rechenschaft ziehen würde. Diese Frauen aber wissen: Menschenleben ist nicht Verhandlungsmasse, selbst wenn der mächtigste Mann des Landes es anders sieht Adam Clarke. In einer Kultur, in der der Pharao als Gott oder zumindest als göttlich legitimierter Herrscher galt, war das kein kleiner Akt des zivilen Ungehorsams – es war lebensgefährlich.
Ursprache
Das Herzstück des Verses ist יָרֵא (jare, H3372) – "fürchten". Nicht Angst im Sinne von Zittern, sondern jene tiefe Ehrfurcht, die weiß: Es gibt Einen, der größer ist als jeder König Strong's. Und wovor sie sich fürchten, steht direkt daneben: אֱלֹהִים (Elohim, H430) – "Gott". Interessant: Dasselbe Wort kann grammatisch auch für "Götter" oder ehrenvoll für Richter/Mächtige stehen, aber hier ist völlig klar, dass es um den einen, wahren Gott geht Keil-Delitzsch Old Testament. Das steht in bewusstem Kontrast zu מֶלֶךְ (melek, H4428), "König" – zwei Autoritäten, die im selben Satz gegeneinander abgewogen werden, und die Hebammen entscheiden sich.
Dann עָשָׂה (asah, H6213) – "tun, machen". Der Vers sagt wörtlich, sie taten nicht, was der König "gesprochen" hatte (דָבַר, dabar, H1696, "reden, anordnen"). Es ist eine bewusste Unterlassung, kein Zufall.
Und schließlich das Gegenstück zum Tötungsbefehl: חָיָה (chajah, H2421) – "leben, am Leben erhalten, wiederbeleben" Strong's. Das ist dasselbe Wortfeld, aus dem später der Name "Eva" (Mutter alles Lebendigen) und viele Rettungsaussagen in der Bibel gespeist werden. Die Hebammen tun genau das Gegenteil dessen, wozu sie befohlen wurden – sie "chajah'n" die Kinder, statt sie zu töten. Das Wort für die Kinder selbst, יֶלֶד (jeled, H3206) – "Kind, Nachkomme" – kommt vom selben Verbstamm wie "Hebamme" (יָלַד, jalad, H3205, "gebären, als Hebamme wirken") Strong's. Im Hebräischen klingt also im Wort "Hebamme" selbst schon mit, wofür sie eigentlich da sind: Leben ans Licht bringen, nicht auslöschen.
Wie es auf Christus hinweist
Schau dir das Muster genau an: Ein König, der Angst vor einem heranwachsenden Retter hat, befiehlt die Ermordung neugeborener Jungen – und trotzdem überlebt derjenige, durch den Gott sein Volk befreien wird. Das kennst du. Genau dieses Muster wiederholt sich im Neuen Testament fast wörtlich: König Herodes, der von einem "neugeborenen König der Juden" hört, lässt in Bethlehem alle Jungen unter zwei Jahren töten ( Matthäus 2:16) – und doch entkommt Jesus, weil Josef gewarnt wird und mit ihm nach Ägypten flieht. Ägypten, ausgerechnet! Der Ort der ersten Rettung wird zum Zufluchtsort für den letzten und größten Retter.
Aber die tiefere Verbindung liegt nicht nur im Muster "Tyrann gegen Retterkind". Sie liegt in dem, was Schifra und Pua verkörpern: Gehorsam gegenüber Gott, der den Gehorsam gegenüber einer irdischen Macht bewusst bricht. Das ist genau das, was die Apostel später in Jerusalem sagen, als der Hohe Rat ihnen verbietet, von Jesus zu predigen: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" ( Apostelgeschichte 5:29). Die Hebammen sind – Jahrhunderte vor diesem Satz – schon ein lebendiges Beispiel dafür.
Und Jesus selbst nimmt diese Furcht-Hierarchie noch einmal auf und verschärft sie: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten... fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann" ( Matthäus 10:28). Genau diese Logik trieb die Hebammen an – Pharao konnte höchstens ihren Körper bedrohen; Gott ist größer. Am Ende ist Jesus selbst derjenige, der vollkommen das tut, was die Hebammen nur andeuten: Er gehorcht dem Vater bis in den Tod hinein, obwohl es ihn das Leben kostet – und wird dadurch selbst zum Retter, der Leben schenkt, wo Mächte des Todes herrschen wollten.
Für dein Leben
Hier ist die unbequeme Frage, die dieser Vers dir stellt: Wo in deinem Leben verlangt eine Autorität – ein Chef, eine Kultur, ein Trend, sogar eine Angst in dir selbst – dass du etwas tust, von dem du genau weißt, dass es falsch ist? Und tust du es trotzdem, weil der Druck real ist und die Konsequenzen des Widerstands unangenehm wären?
Schifra und Pua hatten keine große Theologie, keine ausgearbeitete Ethik-Vorlesung. Sie hatten eine einfache, tief verwurzelte Überzeugung: Gott ist größer als der König. Diese Überzeugung kostete sie fast alles – wenn Pharao ihre Weigerung durchschaut hätte, wären sie tot gewesen. Und trotzdem: Sie fürchteten Gott mehr.
Frag dich ehrlich: Wovor hast du im Moment mehr Angst – vor dem, was Menschen dir antun können, oder vor dem, wer Gott ist? Das ist keine rhetorische Frage für die Kirche am Sonntag. Das ist die Frage, die entscheidet, ob du im Büro schweigst, wenn jemand ungerecht behandelt wird. Ob du in der Familie den bequemen Frieden wählst statt der unbequemen Wahrheit. Ob du online mitmachst bei etwas, das du eigentlich für falsch hältst, weil "alle es tun".
Gottesfurcht ist kein Gefühl von Panik. Es ist die tiefe, ruhige Erkenntnis: Dieser eine hat mehr Gewicht als alle Könige, Chefs und Meinungen dieser Welt zusammen. Wenn du das wirklich glaubst, wirst du irgendwann – vielleicht heute noch – vor der Wahl stehen, "Nein" zu sagen zu etwas, das dich etwas kostet. Der Vers verspricht dir nicht, dass es leicht wird. Er zeigt dir nur, wem am Ende die Häuser gebaut werden ( 2. Mose 1:21) – bildlich gesprochen: wer am Ende wirklich gesegnet ist.
Gebetsanliegen
- Herr, zeig mir ehrlich, wo ich Menschen mehr fürchte als dich – gib mir den Mut, das beim Namen zu nennen.
- Ich bitte dich um die Art von Gottesfurcht, die nicht lähmt, sondern befreit, so wie bei Schifra und Pua.
- Gib mir Weisheit für die konkrete Situation, in der ich gerade zwischen bequemem Gehorsam und deinem Willen wählen muss.
- Danke, dass du das Leben schützt und liebst – hilf mir, überall dort für das Leben einzutreten, wo ich Einfluss habe.
- Stärke mich, wenn Gehorsam dir gegenüber mich etwas kostet – Ansehen, Sicherheit oder Bequemlichkeit.
Zum Nachdenken
- Wo in deinem Leben hast du in den letzten Wochen leiser Anpassung den Vorzug vor mutigem Ungehorsam gegeben, weil die Konsequenzen zu hoch schienen?
- Was würde sich in deinem Alltag konkret ändern, wenn du Gottesfurcht wirklich stärker gewichtest als die Meinung deines Umfelds?
- Kannst du dich an eine Situation erinnern, in der du – wie die Hebammen – einfach "weitergemacht hast, das Richtige zu tun", ohne großen Plan, nur aus innerer Überzeugung?
- Wovor fürchtest du dich tatsächlich mehr: davor, Menschen zu enttäuschen, oder davor, Gott zu missachten? Sei ehrlich.
- Wer in deinem Leben braucht gerade jemanden, der wie Schifra und Pua für ihn eintritt, obwohl es riskant ist?