Hesekiel 21:27
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seine Rechte fällt das Los »Jerusalem«, daß er Sturmböcke heranführen lasse und den Befehl zum Angriff gebe, daß man ein Kriegsgeschrei erhebe, Sturmböcke gegen die Tore aufstelle, einen Wall aufwerfe und Bollwerke baue.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Stell dir eine Kreuzung vor – zwei Straßen, zwei mögliche Ziele. Der babylonische König steht genau dort mit seinem Heer und muss sich entscheiden: Marschiert er nach Jerusalem oder nach Rabbat-Ammon, der Hauptstadt der Ammoniter? Er lässt es nicht auf Bauchgefühl ankommen, sondern befragt seine Orakel – er schüttelt Pfeile, befragt Hausgötzen, prüft die Leber eines Opfertiers. Und das Los, das in seine rechte Hand fällt, trägt den Namen „Jerusalem". Ab diesem Moment läuft die Maschinerie der Belagerung an: Sturmböcke werden herangeführt, das Kriegsgeschrei ertönt, Wälle werden aufgeschüttet, Bollwerke gebaut. Alles ganz nüchtern, militärisch – und doch zutiefst unheimlich, weil es durch heidnische Wahrsagerei entschieden wird.
Was hier leicht zu übersehen ist: Ezechiel schildert nicht einfach Kriegsgeschichte, sondern zeigt, dass Gott selbst hinter diesem Los steckt. Nebukadnezar denkt, er befragt seine Götzen. In Wirklichkeit vollstreckt er – ohne es zu ahnen – Gottes eigenes Urteil über ein untreues Jerusalem. Das ist eine der unbequemsten Wahrheiten in Ezechiel: Gott gebraucht sogar falsche Wahrsagerei, um sein wahres Wort geschehen zu lassen John Gill. Er wird dadurch nicht Autor der Lüge – aber er ist souverän genug, selbst durch sie zu handeln.
Im großen Bogen des Buches steht dieser Vers mitten in einem langen „Schwertlied" (Kapitel 21), das Jerusalems Fall ankündigt und wenige Verse später in ein noch schärferes Urteil über König Zedekia mündet Matthew Henry. Manche Ausleger lesen die Szene rein historisch – Ezechiel berichtet einfach, wie Nebukadnezar seine Feldzüge plante. Andere sehen darin eine bewusste theologische Pointe: Gott lässt sich von menschlicher (und dämonischer) Willkür nicht aufhalten, sondern nutzt sie als Werkzeug.
Historischer Hintergrund
Ezechiel war Priester und Prophet, der um 597 v. Chr. mit der ersten großen Gruppe von Judäern nach Babylon deportiert wurde – noch bevor Jerusalem endgültig fiel. Von dort aus, mitten unter den Verbannten, empfängt er seine Visionen und spricht über das, was in seiner Heimat gerade geschieht oder unmittelbar bevorsteht. Diese Szene spielt kurz vor der letzten, entscheidenden Belagerung Jerusalems, also etwa 588–586 v. Chr.
Nebukadnezar II., der mächtigste Herrscher der damaligen Welt, steht mit seinem Heer an einer Wegkreuzung – wahrscheinlich irgendwo in Syrien, von wo aus zwei Straßen abzweigen: eine nach Süden Richtung Jerusalem, eine andere Richtung Osten zu den Ammonitern, die im heutigen Jordanien lebten. Beide Völker hatten sich gegen Babylon aufgelehnt, und Nebukadnezar musste entscheiden, welche Rebellion er zuerst niederschlägt