1. Mose 20:7
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So gib nun dem Manne sein Weib wieder, denn er ist ein Prophet; und er soll für dich bitten, so wirst du am Leben bleiben; wenn du sie aber nicht zurückgibst, so wisse, daß du gewiß sterben mußt samt allem, was dein ist!
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Schau dir die Szene genau an: Gott redet hier nicht mit Abraham, sondern mit Abimelech, dem heidnischen König von Gerar, im Traum. Abraham hatte Sara wieder als seine "Schwester" ausgegeben – eine Halbwahrheit, die er schon einmal in Ägypten benutzt hatte ( 1. Mose 12) – und Abimelech hatte sie deshalb arglos in sein Haus geholt. Gott hat ihn davor bewahrt, tatsächlich mit ihr zu schlafen (V. 4-6), aber jetzt fordert er Wiedergutmachung: Gib die Frau zurück. Und dann kommt der überraschende Satz: er – Abraham, der Lügner in dieser Geschichte – soll für dich, Abimelech, beten. Das ist das erste Mal in der ganzen Bibel, dass ein Mensch "Prophet" (נָבִיא) genannt wird John Gill. Nicht weil Abraham hier besonders heilig dasteht – im Gegenteil, er hat gerade wieder gelogen –, sondern weil Gott ihn zu seinem Sprecher und Fürsprecher gemacht hat, ganz unabhängig davon, ob er "es verdient" Tyndale.
Leicht zu übersehen: Die Drohung am Ende ("du musst gewiss sterben") ist im Hebräischen dieselbe verstärkte Formulierung wie in 1. Mose 2,17, wo Gott Adam vor dem Baum warnt. Das ist kein Zufall – die Erzählung will dir zeigen: Hier steht wirklich Leben und Tod auf dem Spiel, für einen ganzen Königshaushalt.
Diese Geschichte steht kurz nach der Verheißung, dass Sara einen Sohn bekommen wird (Kapitel 18), und kurz vor Isaaks Geburt (Kapitel 21) – Gott muss also buchstäblich verhindern, dass die verheißene Linie in fremde Hände gerät. Christen sind sich uneinig, was Abrahams Fürbitte hier bedeutet: Manche sehen darin ein Vorbild für die Fürsprache der Heiligen, andere (besonders viele Protestanten) lesen es schlicht als Muster gläubiger Fürbitte füreinander, ohne daraus eine dauerhafte Praxis der Heiligenanrufung abzuleiten.
Historischer Hintergrund
Die Geschichte spielt in der Zeit der Erzväter, ungefähr 2000-1800 v. Chr., aufgeschrieben und geordnet wurde sie später – die jüdische und christliche Tradition schreibt Mose die Abfassung der ersten fünf Bücher zu, wahrscheinlich im 15.-13. Jahrhundert v. Chr., für ein Volk, das gerade aus der Sklaverei in Ägypten kam und lernen musste, wer der Gott ihrer Väter eigentlich ist.
Gerar war eine Stadt der Philister im Süden Kanaans, ungefähr auf halbem Weg zwischen Gaza und der Wüste, ein fruchtbares Weideland mit guten Brunnen Jamieson-Fausset-Brown Keil-Delitzsch Old Testament. "Abimelech" ist wahrscheinlich kein Eigenname, sondern ein Titel ("Vater ist König"), ähnlich wie "Pharao" in Ägypten – das erklärt, warum später ein anderer König mit demselben Namen auftaucht ( 1. Mose 26).
In der Kultur dieser Zeit war es für einen mächtigen König völlig normal, die Frau oder Tochter eines wohlhabenden Nomadenfürsten in seinen Harem aufzunehmen – das war kein bloßer Lustakt, sondern ein politisches Manöver, ein Weg, Bündnisse zu schmieden und Einfluss zu sichern Keil-Delitzsch Old Testament. Abraham war reich und mächtig (er hatte gerade in Kapitel 14 ganze Königsheere geschlagen), also war er für Abimelech eine attraktive Verbindung. Dass Gott ausgerechnet einem heidnischen König im Traum erscheint, um ihn zu warnen, ist bezeichnend – das gleiche Muster begegnet dir später bei Pharao ( 1. Mose 41) und bei Nebukadnezar ( Daniel 2): Gott spricht auch zu denen außerhalb des Bundesvolkes, wenn seine eigenen Pläne auf dem Spiel stehen. Auffällig ist auch: Abraham hatte diese Lüge über Sara schon einmal benutzt, in Ägypten, Jahre zuvor. Der Mann des Glaubens fällt zweimal in dieselbe Angst.
Ursprache
Das Wort für "Prophet" hier ist נָבִיא (nâbîyʼ, H5030) – und das ist der allererste Beleg dieses Wortes in der ganzen Bibel, angewendet auf einen Menschen Strong's John Gill. Bevor Abraham irgendetwas Zukünftiges voraussagt, wird er schon "Prophet" genannt – weil ein Prophet in seiner ursprünglichen Bedeutung vor allem einer ist, der mit Gott im Gespräch steht und für andere eintritt Adam Clarke.
Das Verb für "beten" ist פָּלַל (pâlal, H6419) – und seine Grundbedeutung ist überraschend: "richten, urteilen", von da abgeleitet "sich einsetzen, Fürbitte einlegen" Strong's. Gebet ist hier also kein bloßes Wünschen, sondern fast ein Auftreten vor Gericht – jemand tritt für einen anderen vor den Richter aller Welt.
Das Wort für "leben" ist חָיָה (châyâh, H2421), das nicht nur "am Leben bleiben" bedeutet, sondern in der kausativen Form auch "wiederbeleben, am Leben erhalten" Strong's – hier hängt Abimelechs weiteres Leben buchstäblich an Abrahams Gebet.
Und schließlich מוּת (mûwth, H4191), "sterben" – im hebräischen Original steht hier die verstärkte Form "sterben wirst du sterben" (מוֹת תָּמוּת), exakt dieselbe Formulierung wie in 1. Mose 2,17, wo Gott Adam vor dem Baum der Erkenntnis warnt Strong's. Das ist kein Zufall der Sprache, sondern eine bewusste Verbindung: die Erzählung erinnert dich an die erste Todesdrohung im Garten.
Wie es auf Christus hinweist
Was du hier siehst, ist ein grober, fehlerhafter Vorentwurf von etwas, das in Jesus vollkommen wird. Abraham ist der erste Mensch, der "Prophet" genannt wird – aber 5. Mose 18,15 kündigt an, dass Gott einst einen Propheten erwecken wird "wie mich (Mose)", und das Neue Testament sagt ausdrücklich, dass diese Verheißung sich in Jesus erfüllt ( Apostelgeschichte 3,22). Jesus ist der Prophet, der nicht nur die Zukunft ansagt, sondern der vollkommene Mittler zwischen Gott und Mensch.
Und genau das Muster, das du in Abrahams Fürbitte siehst – ein Mensch tritt bei Gott für einen anderen ein, damit Leben statt Tod kommt – findet seine volle