Psalmen 72:19
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Und gepriesen sei ewiglich der Name seiner Majestät, und die ganze Erde soll voll werden seiner Herrlichkeit! Amen, Amen!
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Vers erst einmal ganz langsam: Da bricht jemand mitten im Beten in Lobpreis aus. Psalm 72 ist ein Gebet für den König – wahrscheinlich Salomo, geschrieben von oder für ihn – voller Bitten: Gib ihm Gerechtigkeit, lass ihn den Armen helfen, lass sein Reich von Meer zu Meer reichen. Und dann, ganz am Ende, kippt das Gebet um. Es hört auf zu bitten und fängt an zu jubeln: Sein Name soll für immer gepriesen werden, die ganze Erde soll voll werden von seiner Herrlichkeit. Amen, Amen.
Was man leicht übersieht: Dieser Vers ist nicht nur der Schluss von Psalm 72 – er ist der Schlusspunkt für ein ganzes "Buch" innerhalb des Psalters. Die 150 Psalmen sind in fünf Bücher eingeteilt, und jedes endet mit so einer feierlichen Lobformel (vergleiche Psalm 41,13 als Ende von Buch I). Psalm 72,19 markiert das Ende von Buch II. Es ist wie eine Amtssiegel-Unterschrift am Ende einer Schriftrolle.
Und schau, wie weit der Blick auf einmal wird: Nicht "Israel soll voll werden seiner Herrlichkeit", sondern die ganze Erde. Das sprengt jeden Rahmen, den ein einzelner König Israels je füllen könnte – kein Salomo, kein David, kein Nachfolger hat je die ganze Erde regiert oder Gottes Herrlichkeit dorthin gebracht. Genau hier liegt die alte Streitfrage: Ist Psalm 72 einfach ein Krönungslied für Salomo, das später (etwas übertrieben) Gutes wünscht – oder ist es von Anfang an auf einen König hin geschrieben, den es so noch nicht gab, den erst der Messias sein würde? Die meisten christlichen Ausleger lesen es als beides zugleich: real für Salomo, aber mit einem Überschuss an Sprache, der nur in Christus seine Erfüllung findet John Gill.
Historischer Hintergrund
Die Überschrift nennt Salomo – entweder als Verfasser oder als den, für den David dieses Gebet geschrieben hat, kurz bevor er seinem Sohn die Krone übergab (um 970 v. Chr.). Stell dir die Szene vor: ein alternder König betet für seinen Nachfolger, so wie ein Vater seinem Sohn am Tag der Übergabe die Hand auflegt und um Segen bittet.
Aber der Vers, den wir hier lesen, wurde vermutlich später hinzugefügt – nicht von Salomo selbst, sondern von den Sammlern und Herausgebern des Psalters. Der Psalter wurde nicht an einem Tag geschrieben, sondern über Jahrhunderte gesammelt, wahrscheinlich in seiner heutigen Form endgültig zusammengestellt nach der babylonischen Verbannung – also nachdem Nebukadnezars Heer Jerusalem 586 v. Chr. zerstört und die Bevölkerung nach Babylon verschleppt hatte. Die Herausgeber ordneten die Lieder in fünf Bücher, bewusst als Echo auf die fünf Bücher der Tora (die fünf Bücher Mose). Jedes dieser fünf Bücher bekam am Ende eine kleine Lobpreis-Formel als Abschluss-Stempel. Psalm 72,19 ist genau so ein Stempel.
Das ist wichtig für das Verständnis: Diese Zeile ist nicht mehr nur Salomos privates Gebet. Sie ist die Stimme der ganzen Glaubensgemeinschaft Israels, die – lange nach Salomos Tod, nach dem Zerfall des Königreichs, nach der Katastrophe der Verbannung – trotzdem festhält: Der Name Gottes wird gepriesen werden, seine Herrlichkeit wird die Erde füllen. Das ist Hoffnung, die gegen den Augenschein spricht. Ein Volk, dessen eigenes Königtum in Trümmern lag, sang trotzdem von einem König, dessen Herrschaft die ganze Welt erfüllen würde.
Ursprache
Das Wort für "segnen/preisen" ist בָרַךְ (bârak, H1288) – ursprünglich "sich niederknien". Wenn du Gott "segnest", kniest du im Grunde vor ihm; du erhebst nicht dich, sondern ihn Strong's.
כָּבוֹד (kâbôwd, H3519) – "Herrlichkeit" – bedeutet wörtlich "Gewicht". Gottes Herrlichkeit ist nicht Glanz und Show, sondern das, was wirklich schwer, wirklich substanziell ist, im Gegensatz zu allem, was nur leichte, vergängliche Aufmerksamkeit verdient Strong's.
עוֹלָם (ʻôwlâm, H5769), "ewig", bezeichnet eigentlich einen Zeitraum, dessen Anfang oder Ende sich im Nebel verliert – "so weit du zurück- oder vorausschaust, siehst du kein Ende". Kein mathematisches "unendlich", sondern ein Horizont, den kein Mensch überblicken kann.
אֶרֶץ (ʼerets, H776) ist einfach "Erde/Land" – aber im Kontrast zu Israels begrenztem Land ist hier die ganze Erde gemeint, jeder Winkel.
מָלֵא (mâlêʼ, H4390), "füllen", ist dasselbe Wort, das in Jesaja 6,3 steht ("die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit") und in 4. Mose 14,21 – Gottes eigener Schwur. Der Psalmist zitiert hier praktisch Gottes eigenes Versprechen zurück an ihn.
Und אָמֵן (ʼâmên, H543) heißt "fest, zuverlässig, wahr" – von derselben Wurzel wie unser Wort "Amen". Zweimal gesagt, nicht aus Gewohnheit, sondern weil der Beter sagen will: Das ist so sicher, wie ich es nur ausdrücken kann John Gill.
Wie es auf Christus hinweist
Psalm 72 liest sich wie ein Wunschzettel, den kein irdischer König je einlösen konnte: ewige Herrschaft, Gerechtigkeit für die Armen, alle Nationen, die sich beugen, ein Name, der für immer bestehen bleibt. Salomo, so großartig er war, ist gestorben. Sein Reich zerbrach. Kein Nachfolger hat je die ganze Erde mit Gottes Herrlichkeit gefüllt.
Aber genau diese Überfülle an Sprache ist ein Fingerzeig. Wenn Jesus seine Jünger beten lehrt "Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden" ( Matthäus 6,10), betet er genau dieselbe Hoffnung, die Psalm 72,19 schon jubelnd vorausnimmt. Jesus ist der Sohn Davids, in dem dieses Gebet endlich Fleisch wird – nicht ein Regionalkönig mit Tribut aus Nachbarländern, sondern der, vor dem sich, wie es Offenbarung 5,13 beschreibt, "alle Geschöpfe, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meere sind" beugen und rufen: Ihm gebührt die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Und das doppelte "Amen" am Ende von Psalm 72 findet sein Echo ganz am Ende der Bibel, in Offenbarung 22,20: "Amen, komm, Herr Jesus!" Der Psalmist wusste noch nicht, wie genau Gott sein Versprechen einlösen würde – aber er wusste, dass er es tun würde. Wir, die wir Jesus schon kennen, dürfen dasselbe Amen jetzt mit mehr Gewissheit sprechen, weil wir wissen, wessen Namen am Ende wirklich die ganze Erde füllen wird.
Für dein Leben
Frag dich ehrlich: Wie enden deine Gebete meistens? Bei den meisten von uns enden sie mit der letzten Bitte – "gib mir das", "hilf mir dabei" – und dann ist Schluss, Amen, fertig, nächster Punkt im Tag. Dieser Vers zeigt dir etwas anderes: ein Gebet, das nicht mit einer Bitte endet, sondern mit einem Ausbruch von Lobpreis, der größer ist als das, worum überhaupt gebeten wurde.
Das kostet etwas. Es kostet dich, deinen Blick von deiner eigenen kleinen Situation wegzunehmen – von deinem Job, deiner Beziehung, deiner Krankheit, deiner Sorge – und ihn auf etwas so Riesiges zu richten wie "die ganze Erde soll voll werden seiner Herrlichkeit". Es ist leicht, Gott um Dinge zu bitten. Es ist viel schwerer, mitten in einer unfertigen, chaotischen Welt trotzdem zu sagen: Sein Name wird geehrt werden. Das ist sicher. Amen, Amen.
Wo in deinem Leben siehst du gerade eher Trümmer als Herrlichkeit? Genau da will dieser Vers dich hinstellen und dich fragen: Glaubst du das trotzdem? Nicht als frommen Spruch, sondern als etwas, worauf du dein Leben stützt, so wie die Israeliten es taten, während ihr eigenes Königreich in Trümmern lag.
Und dann die praktische Frage: Wo könntest du heute – in einem Gespräch, in einer Entscheidung, in deiner Art zu leben – ein Stückchen von Gottes Gewicht, seiner Herrlichkeit, sichtbar machen, statt nur um deine eigenen Bedürfnisse zu kreisen?
Gebetsanliegen
- Herr, ich bekenne, dass meine Gebete meistens bei meiner eigenen Bitte enden – lehre mich, mit Lobpreis zu enden, so wie dieser Psalm es tut.
- Ich bitte dich, dass dein Name auch heute in meinem Alltag geehrt wird, nicht nur in meinen Worten, sondern in dem, wie ich lebe.
- Fülle diese Erde – meine Straße, meine Stadt, die Orte, wo Ungerechtigkeit und Chaos herrschen – mit deiner Herrlichkeit, so wie du es versprochen hast.
- Wo ich Trümmer sehe statt Herrlichkeit, gib mir den Glauben, trotzdem "Amen" zu sagen.
- Danke, dass Jesus der König ist, in dem dieses Gebet endlich wahr wird – lass mich mich heute nach seinem Reich sehnen, nicht nur nach meinen eigenen Wünschen.
Zum Nachdenken
- Wie enden deine eigenen Gebete meistens – mit einer Bitte oder mit Lobpreis? Was sagt das über dein Bild von Gott?
- Wo in deinem Leben fällt es dir gerade am schwersten, an Gottes Herrlichkeit zu glauben, weil du eher Chaos und Enttäuschung siehst?
- Salomo war ein großartiger König und ist trotzdem gescheitert. Wo suchst du gerade einen "kleinen Retter" – eine Person, einen Job, eine Beziehung –, der eigentlich nur Christus sein kann?
- Was würde sich in deinem Alltag ändern, wenn du wirklich glaubtest, dass die ganze Erde am Ende von Gottes Herrlichkeit erfüllt sein wird – nicht nur dein persönliches Leben?