Psalmen 59:16
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sie sollen umherirren nach Speise, wenn sie keine Nahrung und kein Obdach finden!
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Vers noch einmal langsam: Die Feinde Davids irren umher wie hungrige Straßenhunde, die nachts durch die Gassen streunen, weil sie nichts zu fressen finden – kein Futter, keine Bleibe. Das ist keine zufällige Zeile, sondern der Höhepunkt eines Bildes, das David schon ein paar Verse vorher aufgebaut hat: Seine Verfolger "kehren am Abend wieder, heulen wie Hunde und schleichen um die Stadt" (vgl. Ps 59,7 und 59,15 in der hebräischen Zählung). Was so bedrohlich klingt, kippt hier ins Erbärmliche. Die mächtigen Verschwörer, die Davids Haus umstellt hatten, um ihn zu töten, werden am Ende zu ausgehungerten, obdachlosen Tieren, die nichts finden.
Leicht zu übersehen ist der Ton dabei: Das ist kein triumphierendes Auslachen aus sicherer Distanz, sondern ein Gebet – David übergibt das Urteil über seine Feinde an Gott, statt selbst Rache zu üben. Genau darin liegt die alte Spannung, die Christen bis heute unterschiedlich lesen: Ist das ein Fluchgebet, das mit "liebet eure Feinde" schwer zusammengeht, oder ist es ehrliche, ungefilterte Klage, die den Zorn Gott hinlegt, statt ihn selbst auszuleben? Matthew Henry sieht darin zunächst schlicht "die Sprache der Natur" – erlaubt, aber nicht das letzte Wort Matthew Henry. Im großen Bogen des Psalms steht dieser Vers unmittelbar vor der Wende: Gleich danach beginnt David zu singen (V. 17), weil er weiß, wie die Geschichte für ihn ausgeht – satt und geborgen, während seine Verfolger leer ausgehen.
Historischer Hintergrund
Die Überschrift des Psalms verortet ihn in einer sehr konkreten Nacht: Saul hat Davids Haus bewachen lassen, um ihn am Morgen zu töten ( 1. Samuel 19,11). David ist zu diesem Zeitpunkt kein gejagter Verbrecher, sondern der treueste Diener des Königs – Musiker, Feldherr, Schwiegersohn. Trotzdem liegt er in dieser Nacht wach und wartet auf den Tod, während bewaffnete Männer sein Haus umstellen. Das ist etwa 1000 v. Chr.
Um das Bild der Hunde zu verstehen, musst du wissen: In den Städten des alten Israel gab es keine Haushunde wie heute. Hunde waren wilde, herrenlose Rudel, die nachts durch die Straßen streiften, sich von Abfall und Aas ernährten und als unrein galten. Einen Menschen mit einem Hund zu vergleichen war eine der größten Beleidigungen, die man aussprechen konnte – es hieß: Du bist nichts als ein streunendes, verachtetes Tier. Wenn David also seine mächtigen, gut bewaffneten Verfolger als hungrige, obdachlose Straßenhunde beschreibt, dreht er die Machtverhältnisse in seinem Gebet komplett um: Die, die ihn jagen, werden am Ende selbst zu den Gejagten, den Bedürftigen, den Ausgestoßenen.
Der Psalm wurde später Teil des Gebetbuchs Israels – gesungen im Tempel, weitergegeben an Generationen von Menschen, die selbst verfolgt, bedroht oder ungerecht behandelt wurden und die Davids Worte als ihre eigenen beten konnten.
Ursprache
Das hebräische Verb für "umherirren" in diesem konkreten Vers gehört nicht zu den Worten, die dir hier vorliegen – die Strong's-Begriffe, die dir gegeben wurden, stammen aus der unmittelbar folgenden Zeile, in der David plötzlich zu singen beginnt. Aber genau das macht sie so aufschlussreich, weil sie den Gegenpol zu diesem Vers markieren.
Das Wort צַר (tsar, H6862) bedeutet "Enge, Bedrängnis" – wörtlich ein Ort, an dem es eng wird, wo man eingeklemmt ist Strong's. Das ist genau das, was den Feinden im Bild dieses Verses passiert: Sie geraten in die Enge des Hungers, ohne Ausweg. Dem stellt David zwei Wörter für Zuflucht gegenüber: מִשְׂגָּב (misgab, H4869), wörtlich eine unzugängliche Felsklippe, eine "hohe Festung" Strong's, und מָנוֹס (manos, H4498), ein "Ort der Flucht" Strong's. Während die Feinde kein Obdach finden, hat David einen Fels, an dem er sich festhalten kann.
Und dann steht da בֹּקֶר (boqer, H1242) – "Morgen", wörtlich der Anbruch des Tages Strong's. Die Feinde streifen nachts durch die Dunkelheit auf der Suche nach Nahrung; David dagegen wird am Morgen singen – von חֶסֶד (chesed, H2617), der treuen, zuverlässigen Liebe Gottes Strong's, die bleibt, wenn alles andere zerbricht. Das ist die eigentliche Pointe: Die Nacht der Feinde und der Morgen Davids stehen Seite an Seite in diesem Psalm.
Wie es auf Christus hinweist
Jesus kennt diese Nacht. Auch um ihn herum haben sich Menschen versammelt, um ihn zu töten – Judas mit den Soldaten im Garten Gethsemane, die Hohepriester, die ihn nachts verhören lassen, weil sie das Tageslicht scheuten. Und wie David wehrt sich Jesus nicht mit eigener Gewalt, sondern übergibt sein Urteil "dem, der gerecht richtet" ( 1. Petrus 2,23). Das ist die Linie, die David hier vorzeichnet, ohne