Psalmen 58:11
Eine verständliche Vertiefung zu diesem Vers. Kapitel lesen →
Der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht, und wird seine Füße baden in des Gottlosen Blut.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Lies den Satz laut: „Der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht, und wird seine Füße baden in des Gottlosen Blut." Das ist kein sanftes Bild. Es ist eine Kriegsszene – jemand watet knöcheltief durch das Blut seiner Feinde und lacht dabei. Das steht so im Wort Gottes, und du darfst nicht so tun, als stünde es nicht da.
Der Psalm davor (Verse 1–9) ist eine einzige Anklage gegen korrupte Richter, die das Recht beugen und Unschuldige verurteilen. David – oder wer auch immer betet – fleht Gott an, diese Männer zu stürzen, und malt ihren Untergang in wilden Bildern aus: wie geschmolzenes Wachs, wie eine verwesende Fehlgeburt. Unser Vers ist die Reaktion darauf: Wenn Gott endlich richtet, wird der Gerechte nicht neutral zuschauen – er wird jubeln. Matthew Henry ordnet das genau so ein: Dieser Vers bringt dem Bedrängten Trost, der nächste bringt Gott die Ehre Matthew Henry. Das heißt: Das „Bad im Blut" ist kein Aufruf, selbst zur Waffe zu greifen. Es ist die Sprache eines Menschen, der so lange unter Unrecht gelitten hat, dass die Vorstellung von echter, sichtbarer, endgültiger Gerechtigkeit ihn zu Tränen der Erleichterung bringt.
Was leicht übersehen wird: Der Beter tötet hier niemanden. Er sieht nur zu, wie Gott es tut. Das ist ein wichtiger Unterschied, den viele Leser überspringen, weil das Bild so brutal ist.
Christen sind sich hier nicht einig. Manche lesen den Vers als reine Poesie – übertriebene Bildsprache des Alten Orients, die niemand wörtlich beten sollte. Andere sagen: Diese sogenannten Fluchpsalmen sind ein legitimes, sogar notwendiges Gebet für Menschen unter echter Verfolgung, das Jesus selbst nie widerrufen hat – er hat nur geklärt, wer die Rache ausübt (nicht wir, sondern Gott, vgl. Römer 12,19).
Historischer Hintergrund
Der Psalm trägt Davids Namen, und eine alte, plausible Vermutung setzt ihn in die Zeit, als König Saul David jagte – nicht nur mit dem Schwert, sondern vermutlich auch juristisch. Man geht davon aus, dass Sauls Hofrat David formell zum Volksfeind erklärte, ihn also „vogelfrei" machte, bevor die Soldaten überhaupt losgeschickt wurden Matthew Henry. Das erklärt, warum der Psalm so wütend über „Richter" spricht (Verse 1–2): Es waren keine anonymen Bösewichte, sondern die höchste Rechtsprechung des Landes, die sich hatte kaufen oder einschüchtern lassen.
Das war um 1000 v. Chr., in einer Welt ohne unabhängige Gerichte, ohne Presse, ohne Berufungsinstanz. Wenn der König oder sein Rat dich für schuldig erklärte, gab es keinen Ort, an den du fliehen konntest außer der Wüste – genau dort, wo David tatsächlich jahrelang lebte, gejagt wie ein Tier. Die einzige Berufungsinstanz, die einem Menschen wie David blieb, war Gott selbst. Das ist der Boden, aus dem dieser Vers wächst: nicht ein Schreibtischgedanke über abstrakte Gerechtigkeit, sondern der Schrei eines Menschen, der von Menschen mit Macht um sein Leben und seinen guten Namen betrogen wurde.
Die frühen Leser dieses Psalms – vermutlich Levitische Sänger im Tempel, die ihn Generation um Generation weitersangen – kannten dieses Gefühl der Ohnmacht gegenüber korrupter Macht sehr genau. Israel hatte über Jahrhunderte hinweg schlechte Könige, bestechliche Priester, Propheten, die für Geld logen. Wenn die Gemeinde diesen Psalm sang, sang sie nicht nur über Davids persönliche Feinde, sondern brachte jede Generation von Unterdrückten vor Gott: Wann greifst du ein?
Ursprache
Das Schlüsselwort in unserem Vers ist צַדִּיק (tsaddîyq, H6662) – „gerecht" Strong's. Es meint nicht einen moralisch perfekten Mensch