Hiob 5:12
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er vereitelt die Anschläge der Listigen, daß ihre Hand nicht helfen kann;
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Was es bedeutet
Schau dir den Satz genau an: Gott „vereitelt" – macht zunichte, bringt zum Scheitern – die „Anschläge der Listigen". Das hebräische Wort für „listig" (ich komme gleich dazu) ist dasselbe, das für die Schlange im Garten Eden benutzt wird – schlau, berechnend, raffiniert. Und das Ergebnis ihrer Cleverness? Ihre Hand kann nichts „helfen" – wörtlich: kann keinen wirklichen, dauerhaften Erfolg zustande bringen. Sie planen etwas Kluges, setzen alle Mittel ein – und es zerbröselt ihnen zwischen den Fingern.
Wichtig ist, wer das sagt und warum. Das ist Eliphas, einer von Hiobs drei Freunden, mitten in seiner ersten Antwort an Hiob (Kapitel 4–5). Er beschreibt hier Gott völlig richtig: Gott ist der, der die Schemen der Berechnenden durchkreuzt (vgl. Sprüche 21:30 – gegen den HERRN hilft keine Weisheit). Das Problem ist nicht, was Eliphas über Gott sagt, sondern wozu er es sagt. Er benutzt diese Wahrheit als versteckten Vorwurf gegen Hiob: „Gott zerschmettert die Schemer – also, Hiob, überleg mal, was du wohl geschmiedet hast, dass es dich jetzt so trifft." Matthew Henry Das ist der Riss, der sich durch das ganze Buch zieht: richtige Sätze über Gott, falsch angewendet auf einen konkreten leidenden Menschen. Am Ende des Buches sagt Gott selbst zu Eliphas: „Ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob" ( Hiob 42:7) – ein Hinweis darauf, dass diese fromm klingenden Reden nicht einfach als Gottes letztes Wort gelesen werden dürfen. Christen sind sich uneinig, wie viel von Eliphas' Theologie man retten kann – manche sehen in ihr solide Weisheit, die nur missbraucht wird; andere sehen darin bereits eine verzerrte, zu mechanische Vorstellung von Gottes Gerechtigkeit.
Historischer Hintergrund
Das Buch Hiob spielt in einer sehr alten, vor-israelitischen Welt – Hiobs Reichtum wird in Herden gemessen, es gibt keine Erwähnung des Gesetzes vom Sinai, keine Priester, keinen Tempel. Es fühlt sich an wie die Zeit Abrahams. Wann das Buch aber tatsächlich aufgeschrieben wurde, weiß niemand genau – die meisten Ausleger vermuten irgendwo zwischen dem 7. und 5. Jahrhundert vor Christus, vielleicht rund um die Zeit des babylonischen Exils (als Nebukadnezars Heer Jerusalem zerstörte und die Überlebenden nach Babylon verschleppte, 586 v. Chr.), als Israel selbst tief im Leiden steckte und nach Antworten suchte, warum Gerechte leiden.
Eliphas kommt aus Teman, einer Gegend in Edom, die für ihre Weisheitslehrer bekannt war (vergleichbar mit einer Universitätsstadt für praktische Lebensweisheit). Er und Hiobs andere Freunde vertreten die „gesunde", konventionelle Theologie ihrer Zeit: Wer Gott gehorcht, dem geht es gut; wer leidet, muss irgendwo gesündigt haben. Das war keine Randmeinung, sondern der Mainstream-Glaube in der ganzen antiken Weisheitsliteratur des Nahen Ostens. Diese Denkweise trifft nun auf einen Mann, der auf dem Aschehaufen sitzt, seine Kinder verloren hat, mit Geschwüren übersät ist – und der schlicht nicht in dieses Schema passt. Das Wort תּוּשִׁיָּה (tushijah, „wirklicher Erfolg", „echte Weisheit"), das am Ende unseres Verses steht, gehört zu einer besonderen Sprache – man findet es fast nur im Buch Hiob, in den Sprüchen, bei Micha und Jesaja: die Sprache der sogenannten Weisheitslehrer, die über das Funktionieren der Welt nachdachten Keil-Delitzsch Old Testament. Eliphas spricht also nicht als Häretiker, sondern als geschulter Weiser – und trotzdem liegt er, in der Anwendung, daneben.
Ursprache
Das Verb hinter „vereitelt" ist פָּרַר (pârar, H6565) – „zerbrechen", „zunichtemachen", „unwirksam machen" Strong's. Es ist ein starkes, fast gewaltsames Wort: Gott bricht etwas entzwei, das jemand fest zusammengebaut hat.
„Anschläge" übersetzt מַחֲשָׁבָה (machăshâbâh, H4284) – ein Wort für „Plan" oder „Gedanke", das an sich neutral ist (es kann auch für Gottes eigene gute Pläne stehen), hier aber im Sinne von berechnenden Vorhaben gemeint ist.
„Listigen" ist עָרוּם (ʻârûwm, H6175) – „schlau", meist in negativem Sinn. Genau dieses Wort beschreibt in 1. Mose 3:1 die Schlange als „listiger als alle Tiere des Feldes". Das ist kein Zufall: Der Text zeichnet ein Bild von Schlangenklugheit, die sich gegen Gottes Ordnung stellt.
„Hand" ist יָד (yâd, H3027) – die offene Hand, ein Bild für Macht, Reichweite, Möglichkeit zu handeln. Und das Wort, das die deutsche Übersetzung mit „helfen" wiedergibt, ist תּוּשִׁיָּה (tûwshîyâh, H8454) – wörtlich eher „dauerhafter, wirklicher Erfolg" oder „tragfähige Weisheit" Jamieson-Fausset-Brown. Der Vers sagt also nicht bloß „ihre Hand hilft nicht" wie ein kleiner Rückschlag, sondern: Was auch immer sie aufbauen, es hat keine echte Substanz. Es ist wie ein Haus ohne Fundament – es sieht fertig aus, bis der erste Sturm kommt.
Wie es auf Christus hinweist
Halte diesen Vers einen Moment fest, denn Paulus tut genau das im Neuen Testament. In 1. Korinther 3:19 zitiert er direkt den nächsten Vers aus diesem Kapitel ( Hiob 5:13: „Er fängt die Weisen in ihrer Klugheit"), um zu erklären, wie Gott mit menschlicher Weisheit umgeht, wenn sie sich gegen ihn stellt Keil-Delitzsch Old Testament. Und nirgendwo wird das deutlicher als am Kreuz. Die religiösen Führer planten mit größter Berechnung, wie sie Jesus loswerden könnten, ohne einen Aufstand des Volkes zu riskieren ( Johannes 11:47-53) – ein wirklich kluger, durchdachter Plan. Und im Moment, wo sie dachten, er sei aufgegangen – Jesus tot, im Grab, die Sache erledigt –, hat Gott genau dieses „gelungene" Verbrechen zum Mittel der Rettung der Welt gemacht. Ihre Hand hat nicht das gebracht, was sie wollten. Ihre Anschläge wurden zunichte, gerade indem Gott sie geschehen ließ.
Das ist die tiefste Erfüllung dessen, was Eliphas hier – zu Recht, wenn auch zur falschen Zeit an Hiob gerichtet – über Gott sagt: Kein Mensch, keine Macht, keine noch