Esra 3:11
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Und sie sangen und dankten dem HERRN und lobten ihn, daß er so freundlich ist und daß seine Güte ewiglich währt über Israel; auch alles Volk lobte den HERRN mit großem Freudengeschrei darüber, daß nun der Grund zum Hause des HERRN gelegt war.
Es gibt eine neuere Version dieser Vertiefung.
Was es bedeutet
Schau dir die Szene an: Da steht ein Fundament. Nur ein Fundament – noch keine Mauern, kein Dach, kein Altar im Innern, nichts. Und trotzdem bricht das ganze Volk in Gesang aus. Das ist der Kern des Verses: Freude, die nicht am fertigen Ergebnis hängt, sondern an dem, was Gott gerade angefangen hat.
Der Vers hat zwei Bewegungen. Erst singen die Priester und Leviten im Wechsel – ein Chor antwortet dem anderen John Gill – und stimmen einen Lobpreis an, der wie ein Zitat klingt: „er ist gütig, seine Güte währt ewig über Israel." Das ist fast wortwörtlich der Refrain aus Psalm 136 und 1. Chronik 16,34 – sie singen ein Lied, das schon Generationen vor ihnen gesungen haben. Dann kommt die zweite Bewegung: das ganze Volk, nicht nur die Fachleute, bricht in lautes Freudengeschrei aus, „darüber, dass nun der Grund zum Hause des HERRN gelegt war."
Leicht zu übersehen ist, was direkt danach kommt (Vers 12-13, hier noch nicht zitiert, aber wichtig für den Zusammenhang): Nicht alle weinen vor Freude. Manche ältere Leute, die den ersten Tempel Salomos noch gesehen hatten, weinen laut – vor Trauer, weil dieses neue Fundament so viel kleiner und ärmlicher wirkt. Freudenschrei und Klageschrei vermischen sich so sehr, dass man sie kaum unterscheiden kann. Das gehört zum Vers dazu, auch wenn er selbst nur die Freude beschreibt: Gott lässt hier bewusst beides stehen, den Anfang der Wiederherstellung und den Schmerz über das Verlorene.
In der großen Erzählung des Buches Esra steht das genau am Übergang: Die Exilierten sind aus Babylon zurückgekehrt, haben sich in den Ruinen niedergelassen, den Altar wieder aufgebaut, das Laubhüttenfest gefeiert Jamieson-Fausset-Brown – und jetzt, endlich, das erste sichtbare Zeichen, dass der Tempel selbst wiederkommt. Es ist, wie Matthew Henry es nennt, ein kleiner Anfang, der nicht verachtet werden soll Matthew Henry. Theologische Uneinigkeit gibt es hier kaum – die Frage, die Ausleger eher beschäftigt, ist, warum manche weinen und manche jubeln, und was das über die Art sagt, wie Gott mit gemischten Gefühlen im Gottesdienst umgeht.
Historischer Hintergrund
Wir schreiben etwa 536 v. Chr. Fünfzig Jahre zuvor, im Jahr 586 v. Chr., hatte der babylonische König Nebukadnezar Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht und den Tempel Salomos niedergebrannt. Die Überlebenden wurden nach Babylon deportiert – eine ganze Generation wuchs fern von der Heimat auf, ohne Tempel, ohne König, mit der bohrenden Frage, ob Gott sein Volk verlassen hatte.
Dann kam die Wende: Kyros der Große von Persien eroberte Babylon und erließ 538 v. Chr. ein Dekret, das den Juden erlaubte, nach Jerusalem zurückzukehren und ihren Tempel wieder aufzubauen ( Esra 1,1-4). Unter Führung von Serubbabel (aus der Königslinie Davids) und dem Priester Jeschua zogen die ersten Rückkehrer heim – in ein Land voller Ruinen, mit feindseligen Nachbarn ringsum, die einen wiedererstarkenden jüdischen Staat als Bedrohung sahen.
Die Rückkehrer bauten zunächst den Altar wieder auf und feierten das Laubhüttenfest, noch bevor überhaupt ein Tempel stand Jamieson-Fausset-Brown – Gottesdienst kam vor Gebäude. Erst im zweiten Monat des zweiten Jahres (also etwa ein Jahr nach der Rückkehr) begannen sie mit dem eigentlichen Tempelbau, und Esra 3,10-11 beschreibt die Zeremonie, mit der das Fundament gelegt wurde: Priester in ihren Gewändern mit Trompeten, Leviten mit Zimbeln, und dieser Wechselgesang Keil-Delitzsch Old Testament.
Das ist eine arme, kleine, verwundbare Gemeinschaft. Kein Palast, kein Heer, keine politische Macht – nur eine Handvoll Menschen, die aus dem Nichts wieder anfangen. Und trotzdem versammeln sie sich um ein Fundament aus Stein, um Gott mit demselben Lied zu danken, das ihre Vorfahren schon vor Jahrhunderten gesungen hatten (vgl. 1. Chronik 16,34; Psalm 106,1; 118,1). Die Kontinuität des Liedes über die Katastrophe des Exils hinweg ist selbst schon eine Botschaft: Gottes Güte hat sich nicht geändert, auch wenn alles andere in Trümmern lag.
Ursprache
Das Herzstück des Verses sind zwei Wörter, die zusammen den Grundton der ganzen Bibel treffen: טוֹב (ṭôwb, H2896) – „gut", nicht nur moralisch gut, sondern gut im umfassendsten Sinn: hilfreich, wohltuend, das Gegenteil von zerstörerisch Strong's. Und חֵסֵד (chêçêd, H2617) – meist mit „Güte" oder „Gnade" übersetzt, aber das Wort trägt viel mehr: eine treue, beziehungstreue Liebe, die sich auch dann nicht zurückzieht, wenn man es nicht verdient hat Strong's. Das ist kein Gefühl, das kommt und geht – es ist Gottes Bindung an sein Volk, die er nicht bricht.
Dann עוֹלָם (ʻôwlâm, H5769) – „ewig", wörtlich fast „bis zum Verschwindpunkt", so weit man überhaupt zurück- oder vorausdenken kann Strong's. Nach fünfzig Jahren Exil, nach der Zerstörung von allem, was sie kannten, singen sie: Diese Güte hat keinen Verfallszeitraum.
Für den Lärm selbst gibt es zwei verschiedene Wörter, die man nicht verwechseln sollte: הָלַל (hâlal, H1984), von dem „Halleluja" kommt – ursprünglich „glänzen, strahlen", dann „rühmen, feiern" Strong's – das ist das geordnete, gesungene Loblied. Und תְּרוּעָה (tᵉrûwʻâh, H8643) beziehungsweise das Verb רוּעַ (rûwaʻ, H7321) – ein Wort, das eigentlich „zersplittern, zerreißen mit Lärm" bedeutet, benutzt für Kriegsgeschrei genauso wie für Jubelschrei Strong's. Das Volk schreit hier nicht fein und kontrolliert – sie brüllen, wie man es sonst in der Schlacht tut, nur diesmal aus purer Freude. Und schließlich יָסַד (yâçad, H3245) – „gründen, das Fundament legen" Strong's – das Wort, um das sich der ganze Vers dreht: etwas Bleibendes wird gesetzt, buchstäblich und im übertragenen Sinn.
Wie es auf Christus hinweist
Ein Fundament wird gelegt, und die Menschen jubeln, bevor auch nur eine Mauer steht. Das ist ein Bild, das über sich selbst hinausweist. Der Tempel, dessen Grundstein hier gefeiert wird, sollte später wieder erweitert und schließlich unter Herodes prachtvoll ausgebaut werden – und in genau diesem Tempel stand Jesus eines Tages und sagte: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten" ( Johannes 2,19). Johannes fügt hinzu, dass er damit „von dem Tempel seines Leibes" sprach. Der ganze steinerne Tempel, von dem hier das Fundament gelegt wird, war immer nur ein Schattenbild – ein Ort, an dem Gott vorübergehend unter seinem Volk wohnte, bis der Tag kam, an dem Gott selbst in einem menschlichen Körper unter uns wohnen würde ( Johannes 1,14).
Paulus nimmt dieses Bild vom Fundament und dreht es weiter: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" ( 1. Korinther 3,11). Was hier in Esra 3 mit Steinen geschieht, geschieht letztlich in Christus mit Menschen: Er ist das Fundament, auf dem Gott sein wirkliches, ewiges Haus baut – nicht aus Stein, sondern aus Menschen, die zu „lebendigen Steinen" werden ( 1. Petrus 2,5).
Und dann ist da noch der Refrain selbst: „seine Güte währt ewiglich." Das ist genau das, was am Kreuz sichtbar wird – nicht eine Güte, die sich zurückzieht, wenn das Volk versagt (und Israel versagt in dieser Geschichte immer wieder), sondern eine treue Liebe, die einen Weg findet, trotzdem zu bleiben. Die gemischten Tränen bei diesem Fundament – Freude bei den Jungen, Trauer bei den Alten, die den ersten Tempel noch kannten – sind selbst schon ein leiser Vorgeschmack darauf, dass Gottes größte Rettung oft genau in diesem Zwischenraum aus Klage und Jubel geschieht: am Kreuz, wo Karfreitag und Ostern untrennbar zusammengehören.
Für dein Leben
Kennst du das Gefühl, dass etwas erst dann zählt, wenn es fertig ist? Du feierst nicht die erste Zahlung auf ein Haus, du feierst den Einzug. Du feierst nicht den ersten Trainingstag, du feierst den Sieg. Aber hier steht ein ganzes Volk um ein blankes Fundament herum und schreit vor Freude, als wäre der Tempel schon fertig.
Das ist eine Herausforderung an dich, direkt in deinem Alltag: Kannst du Gott loben für das, was er gerade erst anfängt? Für die halb geheilte Beziehung, den ersten zaghaften Schritt aus einer Sucht heraus, das Gebet, das du gerade erst wieder zu beten wagst, nachdem du jahrelang geschwiegen hast? Diese Israeliten hatten allen Grund, zu warten mit dem Jubel – vielleicht wird der Tempel ja nie fertig, vielleicht kommen die Perser und verbieten weiterzubauen (was tatsächlich passiert, siehe Esra 4). Sie jubeln trotzdem. Weil der Grund für ihre Freude nicht das fertige Gebäude ist, sondern die Treue Gottes, die sich schon im ersten Stein zeigt.
Das kostet dich etwas: Es verlangt, dass du aufhörst, deine Freude an Gott von vollständigen Ergebnissen abhängig zu machen. Es verlangt auch, dass du – wie die alten Männer, die weinten – ehrlich zulässt, dass Trauer und Hoffnung im selben Moment echt sein können, ohne dass eine die andere widerlegt. Du musst nicht so tun, als sei alles gut, um Gott danken zu können. Und du musst nicht warten, bis alles gut ist, um ihn schon jetzt zu loben. Wo ist gerade in deinem Leben ein bloßes Fundament gelegt worden – etwas, das noch lange nicht fertig ist, wo aber Gott unübersehbar am Werk war? Fang an, dafür laut zu danken, bevor es fertig ist.
Gebetsanliegen
- Herr, danke, dass deine Güte nicht von meinem fertigen, aufgeräumten Leben abhängt – lass mich dich schon für die Anfänge loben, die du in mir gelegt hast.
- Ich bekenne, dass ich oft warte, bis alles perfekt ist, bevor ich dir wirklich danke. Lehre mich, wie dieses Volk, mitten im Unfertigen zu jubeln.
- Herr, bei mir stehen Freude und Trauer manchmal genauso nah beieinander wie bei den Alten und Jungen an diesem Fundament. Hilf mir, beides vor dir ehrlich zuzulassen.
- Danke, dass du in Jesus das Fundament gelegt hast, das nie wieder zerstört werden kann – stärke meinen Glauben, dass ich auf ihm gebaut bin und nicht auf mir selbst.
- Gib mir Augen, die im kleinen Anfang schon dein Werk erkennen, auch wenn andere nur Ruinen sehen.
Zum Nachdenken
- Wofür in deinem Leben wartest du mit dem Danken, bis es „fertig" ist – und was würde sich ändern, wenn du heute schon anfängst zu jubeln?
- Gibt es einen Bereich, in dem du gleichzeitig trauerst und hoffst, so wie die alten Priester am Fundament? Erlaubst du dir beides gleichzeitig vor Gott?
- Wann hast du zuletzt Gott laut und ungebremst gedankt – nicht leise und kontrolliert, sondern mit dem, was der Text „großes Freudengeschrei" nennt?
- Vertraust du darauf, dass Gottes Güte „ewig" ist, auch in der Phase deines Lebens, die sich gerade wie Ruinen anfühlt?
- Was würde es bedeuten, dein Leben bewusst auf das Fundament zu bauen, das Christus ist, statt auf eigene Sicherheiten?