1. Samuel 28
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Was es bedeutet
Dieses Kapitel hat zwei Szenen, die wie zwei Spiegel nebeneinanderstehen. In der ersten (V.1-2) bist du bei David, der sich unter den Philistern versteckt hat – Achis vertraut ihm inzwischen so sehr, dass er glaubt, David habe sich bei seinem eigenen Volk „für immer" verhasst gemacht ( 1. Samuel 27,12) – und plötzlich verlangt der König von ihm, im Krieg gegen Israel mitzukämpfen. David antwortet ausweichend: „Du sollst erfahren, was dein Knecht zu tun vermag" – eine Formulierung, die alles und nichts verspricht Keil-Delitzsch Old Testament. Dann schneidet der Text hart weg von David – wir sehen ihn erst wieder in Kapitel 29 – und die Kamera bleibt für den Rest des Kapitels bei Saul.
V.3 ist der Schlüssel, den man leicht überliest: Samuel ist tot, ganz Israel hat getrauert, und Saul selbst hatte die Totenbeschwörer aus dem Land vertrieben. Merk dir diesen Satz, denn er wird gleich zur bitteren Ironie. Die Philister rücken bis nach Sunem vor, mitten ins Herz des Landes – ein Zeichen dafür, wie schutzlos Israel unter Sauls Führung geworden ist Matthew Henry. Saul sieht das feindliche Heer und zittert (V.5). Er fragt den HERRN – aber Gott schweigt, auf allen drei üblichen Wegen: Träume, das Los der Urim, Propheten (V.6). Das ist keine Nebensache, das ist der Kern des Kapitels: Der König, dessen eigener Name „der Erbetene" bedeutet, bekommt keine Antwort mehr.
Und genau da bricht Saul sein eigenes Gesetz. Er, der die Wahrsager ausgerottet hatte, schleicht sich verkleidet bei Nacht zu einer Totenbeschwörerin nach Endor. Was dann geschieht (V.7-14), gehört zu den unheimlichsten Szenen der Bibel: eine Gestalt steigt herauf, die Frau erschrickt mehr als Saul, und „Samuel" erscheint. Ob wirklich Samuel oder eine Täuschung – darüber streiten Christen seit der Alten Kirche; manche Ausleger lesen es als echtes, von Gott zugelassenes Erscheinen John Gill, andere sehen darin einen Trick, weil solche Beschwörung in der Schrift ausdrücklich verboten ist.
Das Urteil, das „Samuel" spricht (V.16-19), bestätigt endgültig, was schon in Kapitel 15 gesagt wurde: Das Königtum ist Saul entrissen, wegen seines Ungehorsams gegenüber Amalek, und morgen stirbt er mit seinen Söhnen. Saul bricht zusammen – körperlich, weil er tagelang nichts gegessen hat. Und dann, überraschend zart, kommt die letzte Szene: eine Frau, die er eben noch zur Sünde gezwungen hat, bereitet ihm ein Mahl – fast wie ein letztes Abendmahl vor der Schlacht, in der er sterben wird.
Historischer Hintergrund
- Samuel gehört zu den Büchern, die man die „deuteronomistische Geschichte" nennt – eine große Erzählung von der Landnahme bis zum Untergang der Königreiche, wahrscheinlich in ihrer heutigen Form während oder kurz nach der babylonischen Gefangenschaft zusammengestellt (also grob nach 586 v. Chr., als Nebukadnezars Heer Jerusalem zerstörte), aber gebaut aus viel älteren Quellen und Erinnerungen. Die Ereignisse selbst spielen etwa 1010 v. Chr., am Ende von Sauls Herrschaft.
David hat sich in Kapitel 27 unter den Schutz des Philisterkönigs Achis von Gat begeben, um Saul zu entkommen – eine riskante Doppelrolle, denn die Philister waren Israels Erzfeind seit Generationen, und Achis erwartet nun, dass David sich als loya