Richter 1
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Was es bedeutet
Josua ist tot, und zum ersten Mal seit dem Auszug aus Ägypten steht Israel ohne einen von Gott bestimmten Einzelanführer da. Statt jemanden zu wählen, tun sie das Richtige: Sie fragen den HERRN – vermutlich durch den Hohepriester mit Urim und Tummim, wie es Josua selbst eingesetzt hatte Keil-Delitzsch Old Testament. Die Antwort ist knapp und klar: Juda zuerst. Und dann folgt ein Kapitel, das sich in zwei sehr unterschiedliche Bewegungen teilt.
Der erste Teil (V.1–20) ist eine Geschichte von Gehorsam und Sieg. Juda und Simeon ziehen gemeinsam los, schlagen die Kanaaniter bei Besek, und die groteske, fast poetische Gerechtigkeit an Adoni-Besek – dem die Daumen und großen Zehen abgehauen werden, genau wie er es siebzig Königen angetan hat – ist der moralische Mittelpunkt dieser Szene: Selbst ein heidnischer König erkennt, dass Gott ihm „vergolten" hat, was er selbst getan hatte. Dann Jerusalem, dann der Zug nach Süden, Hebron, Debir – und mittendrin die kleine, warme Geschichte von Otniel und Achsa, die nicht nur Land, sondern zusätzlich Wasserquellen erbittet und bekommt. Hier ist Israel im besten Sinn Israel: mutig, gesegnet, großzügig.
Aber schon in Vers 19 reißt ein Riss auf: „Der HERR war mit Juda … aber die Bewohner der Ebene vermochte er nicht zu vertreiben." Ab Vers 21 kippt der Ton vollständig. Was folgt, ist eine sich verschärfende Liste des Scheiterns, Stamm für Stamm, von Süden nach Norden: Benjamin lässt die Jebusiter in Jerusalem, Manasse, Ephraim, Sebulon, Asser, Naphtali – jeder „vertrieb nicht", bis am Ende Dan nicht einmal mehr angreift, sondern selbst in die Berge zurückgedrängt wird. Die Sprache verändert sich mit: von „schlugen" zu „vertrieben nicht" zu „wohnten unter ihnen" bis hin zu „wurden fronpflichtig" – eine literarische Abwärtsspirale, die genau vorbereitet, was in Richter 2,1–5 folgt: der Engel des HERRN klagt Israel wegen dieser halbherzigen Eroberung an.
Dieses Kapitel ist die Brücke zwischen dem geordneten Josua-Buch und dem moralischen Chaos, das im Richterbuch folgt. Ausleger sind sich uneins, ob das Scheitern reiner militärischer Realismus ist (eiserne Wagen!) oder verschleierte Kompromissbereitschaft Keil-Delitzsch Old Testament – der Text selbst lässt beides offen und zwingt dich, in Kapitel 2 die Antwort zu suchen.
Historischer Hintergrund
Das Richterbuch beschreibt die Zeit zwischen Josuas Tod und dem Aufstieg des Königtums unter Saul – grob 1200 bis 1050 v. Chr. Wer es endgültig zusamm