2. Chronik 2
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Was es bedeutet
Dieses Kapitel ist im Grunde ein riesiges Organisationsbüro Salomos, aber mittendrin blitzt echte Theologie auf. Es beginnt mit nackten Zahlen: 70.000 Lastträger, 80.000 Steinhauer im Gebirge, 3.600 Aufseher (V.1). Das wirkt trocken, aber es zeigt dir sofort die Dimension dessen, was hier geplant wird – kein kleines Bauprojekt, sondern eine logistische Meisterleistung Jamieson-Fausset-Brown.
Dann wechselt die Szene: Salomo schreibt an Huram, den König von Tyrus, und beruft sich auf die alte Freundschaft, die schon sein Vater David mit ihm hatte (V.2-3). Und hier, mitten in der Verhandlung um Zedernholz und Handwerker, bricht Salomo plötzlich in echte Anbetung aus: Er will ein Haus bauen „dem Namen des HERRN" – nicht ein Haus, in dem Gott wohnt wie in einer Wohnung, sondern einen Ort, an dem Gottes Ehre und Wesen sichtbar wird (V.4) Matthew Henry. Und kaum hat er gesagt, das Haus solle groß sein, „denn unser Gott ist größer als alle Götter", korrigiert er sich fast selbst: Wer kann Gott überhaupt ein Haus bauen? Der Himmel und aller Himmel Himmel fassen ihn nicht (V.5-6). Das ist der theologische Wendepunkt des Kapitels – Größe und Demut stehen nebeneinander, ohne sich aufzulösen.
Danach folgt die praktische Seite: Materialbestellung, Handwerkerbitte, Bezahlung in Naturalien (V.6-9). Huram antwortet mit einem erstaunlichen Segensspruch über den Gott Israels – ein heidnischer König, der Jahwe als Schöpfer von Himmel und Erde preist (V.10-12) – und schickt seinen besten Künstler, Huram-Abi, dazu Zedern- und Zypressenholz auf Flößen (V.13-16). Das Kapitel schließt, wie es begann: mit einer Volkszählung der Fremdlinge im Land, die zur Zwangsarbeit herangezogen werden (V.16-17) – eine Klammer, die die ganze Passage umschließt.
In der großen Erzählung der Chronikbücher ist das der Auftakt zum eigentlichen Tempelbau (Kapitel 3-5), geschrieben für eine Generation nach dem babylonischen Exil, die ihren eigenen, viel bescheideneren Tempel gebaut hatte und sich fragte, ob das noch zählt. Manche Leser stoßen sich daran, dass hier Fremde zur Zwangsarbeit verpflichtet werden – ein Schatten, der später über Salomos Reich fallen wird (vgl. 1. Könige 12,4).
Historischer Hintergrund
Die Chronikbücher wurden wahrscheinlich zwischen 450 und 400 v. Chr. zusammengestellt – also nachdem die Babylonier 586 v. Chr. Jerusalem und den ersten Tempel zerstört hatten und das Volk nach Babylon verschleppt worden war, und nachdem eine kleine Gruppe unter persischer Erlaubnis zurückgekehrt war und um 516 v. Chr. einen zweiten, deutlich schlichteren Tempel errichtet hatte. Der Chronist schreibt also nicht für Salomos Zeitgenossen, sondern für ihre Ur-ur-ur-Enkel, die sich fragten, ob ihr kleiner, armseliger Tempel überhaupt noch etwas mit dem alten, glanzvollen Bau zu tun hatte. Deshalb erzählt er die Geschichte Salomos mit besonderer Liebe zum Detail über den Tempelbau – es soll Mut machen: Gott steht auch hinter dem kleineren Neuanfang.
Die eigentliche Handlung spielt rund 500 Jahre früher, etwa 970-960 v. Chr., kurz nach Davids Tod. Tyrus, die Heimat König Hurams, war eine phönizische Hafenstadt an der Mittelmeerküste (im heutigen Libanon), berühmt für ihre Zedernwälder, ihre Seefahrer und ihre Handwerkskunst in Metall, Holz und Purpurfärberei. Diese Handelsbeziehung war nicht neu – schon David hatte Zedern und Bauleute von Hurams Vorgängern bekommen (vgl. 1. Chronik 22,4). Man muss sich das konkret vorstellen: riesige Zedernstämme, zu Flößen zusammengebunden, die die Küste entlang bis nach Japho (dem heutigen Jaffa) getrieben wurden – und von dort aus mussten sie über 60 Kilometer und fast 750 Höhenmeter hinauf nach Jerusalem geschleppt werden. Das war keine Kleinigkeit, sondern ein internationales Großprojekt, bei dem Israel auf ausländisches Know-how und Rohstoffe angewiesen war Tyndale.