# Apostelgeschichte 3:19 (Schlachter 1951)

> So tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden,

## Was es bedeutet

Schau dir den Satz genau an: "Tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden." Das ist Petrus, der mitten in Jerusalem steht, kurz nachdem er einen von Geburt an gelähmten Mann geheilt hat, und eine Menschenmenge um sich hat, die vor Staunen die Luft anhält. Und was macht er mit dieser Aufmerksamkeit? Er hält keine Werbeansprache für die Kirche. Er zeigt mit dem Finger auf die Wunde: "Ihr habt den, der das Leben gibt, getötet" (Apostelgeschichte 3:15), und dann öffnet er die Tür zur Heilung dieser Wunde.

Zwei Wörter stehen im Zentrum: "Buße tun" und "bekehren". Das ist nicht dasselbe, obwohl es oft zusammen vorkommt – hier direkt hintereinander, wie zwei Bewegungen eines einzigen Schrittes [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Das erste ist ein Umdenken, ein Bruch mit der alten Bewertung der Dinge. Das zweite ist die tatsächliche Kehrtwende – nicht nur anders denken, sondern in eine andere Richtung gehen. Petrus sagt nicht: "Fühlt euch schlecht." Er sagt: "Dreht euch um und geht."

Und das Ziel dieser Umkehr wird mit einem sehr konkreten Bild beschrieben: "ausgetilgt werden" – wie wenn man eine Tafel abwischt oder eine Schuldurkunde durchstreicht, bis nichts mehr lesbar ist [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Das ist kein vages "es wird schon irgendwie gut". Es ist ein Rechtsdokument, das vollständig gelöscht wird.

Leicht zu übersehen: Diese Verse hängen direkt an Vers 15 – Petrus spricht zu den Leuten, die tatsächlich an Jesu Kreuzigung mitschuldig waren, oder zumindest der Volksmenge, die "Kreuzigt ihn" gerufen hatte. Das macht die Zusage der Vergebung fast unerhört gnädig [Matthew Henry Bible Commentary](cite://s?id=matthew-henry). Wo Christen unterschiedlicher Meinung sind: Was folgt in Vers 20-21 über "Zeiten der Erquickung" – manche lesen das als Hinweis auf eine besondere zukünftige Wiederherstellung Israels, andere als allgemeine Beschreibung des geistlichen Segens, der jetzt schon durch das Evangelium fließt [Jamieson-Fausset-Brown](cite://s?id=jamieson-fausset-brown).

## Historischer Hintergrund

Wir sind im Jerusalem der frühen 30er Jahre nach Christus, wenige Wochen oder Monate nach der Kreuzigung. Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, schreibt wahrscheinlich um 62–70 n. Chr. für einen Mann namens Theophilus, aber die Szene selbst spielt sich viel früher ab, direkt am Tempel.

Petrus und Johannes gehen zum Gebet in den Tempel und heilen dort einen Mann, der seit seiner Geburt gelähmt ist und am "Schönen Tor" bettelt. Der Mann springt herum, lobt Gott, und eine ganze Menschenmenge strömt zusammen – im Bereich der "Halle Salomos", einem überdachten Säulengang am Tempel, wo Lehrer und Rabbiner normalerweise diskutierten. Das ist also kein Hinterzimmer, sondern der öffentlichste, religiös aufgeladenste Ort, den es in Jerusalem gibt.

Und genau hier hält Petrus – ein galiläischer Fischer ohne rabbinische Ausbildung – eine Predigt an sein eigenes Volk. Er redet zu Juden, die den Tempeldienst kennen, die die Propheten kennen, und die – viele von ihnen jedenfalls – erst wenige Wochen zuvor beim Passahfest miterlebt oder sogar mitgeschrien hatten, als Pilatus Jesus zur Kreuzigung freigab. Das ist die Spannung im Raum: Petrus spricht nicht zu Fremden, sondern zu Mitschuldigen an einem Mord, den Gott – so seine Botschaft – gerade rückgängig gemacht hat, indem er diesen Jesus von den Toten auferweckt hat.

Die frühe Kirche hatte in diesem Moment noch keine eigenen Gebäude, keine eigene Institution getrennt vom jüdischen Tempelkult. Sie war eine Bewegung innerhalb des Judentums, die behauptete, der versprochene Messias sei bereits gekommen. Das war hochbrisant – die religiösen Autoritäten (die Sadduzäer, die den Tempel kontrollierten) sahen darin sofort eine Bedrohung, wie Apostelgeschichte 4 zeigt, wo Petrus und Johannes verhaftet werden. Petrus' Ruf zur Buße in Vers 19 ist also kein bequemer, privater Glaubensakt, sondern eine öffentliche, politisch und religiös riskante Herausforderung an die eigene Nation.

## Ursprache

Das griechische Wort für "Buße tun" ist **μετανοέω** (metanoéō, G3340) – wörtlich "sein Denken danach ändern", also nicht bloß Reue empfinden, sondern zu einer völlig neuen Bewertung dessen kommen, was man getan hat [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Es steckt das Wort für "Verstand, Denken" (noús) darin, verbunden mit "danach, hinterher" – ein Umdenken im Nachhinein.

Direkt daneben steht **ἐπιστρέφω** (epistréphō, G1994), "sich umdrehen, zurückkehren" [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Das ist ein sehr körperliches Bild – wie jemand, der in die falsche Richtung läuft und plötzlich kehrtmacht. Adam Clarke betont genau das: nicht bloß ein Gefühl im Herzen, sondern eine tatsächliche Umkehr zu Gott hin, durch Christus [Adam Clarke Bible Commentary](cite://s?id=adam-clarke). Zusammen bilden diese beiden Verben ein Paar: erst innen umdenken, dann äußerlich die Richtung ändern.

Das entscheidende Wort für das Ergebnis ist **ἐξαλείφω** (exaleíphō, G1813) – "auswischen, ausradieren" [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Das griechische Verb wurde in der Antike buchstäblich für das Löschen von Text auf Wachstafeln oder Papyrus benutzt – man strich nicht nur durch, man machte es vollständig unlesbar. Wenn Petrus sagt, eure Sünden werden "ausgetilgt", benutzt er das Bild einer Schuldenliste, die komplett gelöscht wird, nicht bloß beiseitegelegt.

Und schließlich **ἁμαρτία** (hamartía, G266), "Sünde" – von einem Wortstamm, der ursprünglich "das Ziel verfehlen" bedeutet [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Petrus spricht die Menge nicht auf ein vages Unbehagen an, sondern auf konkretes Verfehlen – ihr Verhalten gegenüber Jesus eingeschlossen.

## Wie es auf Christus hinweist

Hier liegt etwas sehr Direktes vor dir: Petrus spricht diese Worte, weil Jesus gerade gestorben, auferstanden und – wie er in Vers 21 sagt – "in den Himmel aufgenommen" ist. Die Vergebung, von der er redet, ist keine allgemeine religiöse Idee, sondern hängt an einem konkreten Ereignis, das wenige Wochen zuvor passiert ist. Das Kreuz ist der Ort, an dem die Schuldurkunde tatsächlich ausgetilgt wird – Paulus wird das später fast wörtlich so sagen: "und hat ausgetilgt die Handschrift, die wider uns war... und hat sie aus dem Mittel getan und an das Kreuz geheftet" (Kolosser 2,14). Dasselbe Wort, dieselbe Bewegung – von Petrus' Mund in Vers 19 direkt zu dem, was am Kreuz geschehen ist.

Der Prophet Jesaja hatte das schon Jahrhunderte vorher angekündigt: "Ich vertilge deine Übertretungen wie eine Wolke... Kehre dich zu mir, denn ich habe dich erlöst!" (Jesaja 44,22). Und noch schärfer: "Ich, ich tilge deine Übertretung um meinetwillen" (Jesaja 43,25) – Gott selbst, aus eigenem Antrieb, nicht weil Israel es verdient hätte. Petrus greift dieses jesajanische Bild auf und sagt seinen jüdischen Zuhörern: Das, wovon Jesaja gesprochen hat, geschieht jetzt, durch diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.

Und da liegt die eigentliche Schärfe: Diese Zusage geht an Menschen, die direkt mitverantwortlich waren am Tod des Sohnes Gottes. Wenn Gott bereit ist, das auszulöschen, dann zeigt das dir, wie weit diese Vergebung reicht – nicht nur für kleine Fehltritte, sondern für die schlimmste denkbare Schuld. Das ist die gleiche Vergebung, die Petrus selbst wenige Wochen zuvor gebraucht hatte, als er Jesus dreimal verleugnete. Er predigt nicht von außen – er predigt als jemand, der genau weiß, wie es ist, ausgelöscht zu werden und trotzdem geliebt zu bleiben.

## Für dein Leben

Es ist leicht, dieses Wort "Buße" wie eine religiöse Vokabel abzutun – etwas, das in alten Übersetzungen steht und heute vage nach "sich schuldig fühlen" klingt. Aber schau dir an, was Petrus wirklich fordert: nicht ein Gefühl, sondern eine Richtungsänderung. Er sagt seinen Zuhörern nicht "tut mir leid, dass ihr euch schlecht fühlt", sondern "dreht euch um und geht in die andere Richtung."

Das kostet dich etwas Konkretes. Frag dich ehrlich: Wo bewegst du dich gerade weg von Gott, aus Gewohnheit, aus Bequemlichkeit, weil die andere Richtung dir vertraut ist? Vielleicht ist es keine dramatische Sünde – vielleicht ist es einfach die tägliche Entscheidung, Gott aus deinem Alltag herauszuhalten, weil das leichter ist. Petrus verlangt keine perfekte Vergangenheit, bevor du umkehrst. Er verlangt, dass du dich jetzt umdrehst.

Und dann kommt das Erstaunliche: Die Zusage ist nicht "vielleicht wird dir vergeben, wenn du es lange genug versuchst." Es ist eine vollständige Löschung – wie eine Tafel, die abgewischt wird, bis nichts mehr zu lesen ist. Wenn du das wirklich glaubst, verändert es, wie du mit deiner eigenen Vergangenheit umgehst. Du musst nicht mehr die alte Schuldenliste mit dir herumtragen und immer wieder nachrechnen. Sie ist ausgelöscht.

Aber hier ist der Haken, der dich vielleicht unbequem trifft: Wenn Gott so radikal vergibt, dann kann er auch von dir verlangen, dass du dich radikal umdrehst – nicht nur innerlich bereuen, sondern tatsächlich anders leben. Wo genau musst du heute deine Richtung ändern?

## Gebetsanliegen

- Herr, zeig mir ehrlich, wo ich innerlich schon lange nicht mehr umgedreht bin, sondern nur mein Gewissen beruhigt habe.
- Danke, dass meine Schuld nicht nur beiseitegelegt, sondern völlig ausgelöscht ist durch das, was Jesus am Kreuz getan hat.
- Gib mir den Mut, nicht nur Reue zu empfinden, sondern tatsächlich meine Richtung zu ändern, auch wenn es unbequem ist.
- Hilf mir zu glauben, dass deine Vergebung wirklich vollständig ist – und dass ich aufhören darf, alte Schuld selbst wieder aufzugreifen.
- Lehre mich, wie Petrus mit der eigenen Erfahrung von Vergebung anderen von deiner Gnade zu erzählen.

## Zum Nachdenken

- Wo in meinem Leben bereue ich zwar, drehe mich aber tatsächlich nicht um?
- Gibt es eine Schuld, von der ich glaube, sie sei zu groß, um wirklich "ausgetilgt" zu werden?
- Wie würde sich mein Alltag verändern, wenn ich wirklich glaubte, dass meine Vergangenheit vollständig gelöscht ist?
- Petrus sprach zu Menschen, die an Jesu Tod mitschuldig waren – gibt es jemanden, dem ich Vergebung schwerer zutraue als mir selbst?
- Was kostet mich eine echte Kehrtwende gerade jetzt, konkret, diese Woche?

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https://dewfall.app/de/read/gersch:44:3:19

Schlachter Bibel 1951, Genfer Bibelgesellschaft (CC BY 4.0)
