# 3. Mose 18:22 (Schlachter 1951)

> Du sollst bei keiner Mannsperson liegen wie beim Weib; denn das ist ein Greuel.

## Was es bedeutet

Lies den Satz langsam, so wie er dasteht: „Du sollst bei keiner Mannsperson liegen wie beim Weib; denn das ist ein Greuel." Das ist ein direktes Verbot, eingebettet mitten in einer langen Liste von Regeln über Sexualität in 3. Mose 18 – ein Kapitel, das mit Inzest beginnt (Vers 6-18) und mit Kinderopfer und Tierverkehr endet (Vers 21, 23). Es steht also nicht isoliert, sondern gehört zu einer ganzen Reihe von Grenzen, die Gott seinem Volk zieht, weil sie in ein Land ziehen, dessen Bewohner – die Kanaaniter – genau diese Praktiken gepflegt haben [Matthew Henry Bible Commentary](cite://s?id=matthew-henry).

Was auf den ersten Blick leicht zu übersehen ist: Das hebräische Verb für „liegen" (שָׁכַב, shakab) ist dasselbe Wort, das für den ehelichen Akt zwischen Mann und Frau verwendet wird [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Gott sagt nicht: „Berührt euch nicht" – er benennt präzise den sexuellen Akt und verbietet ihn zwischen zwei Männern mit der gleichen Direktheit, mit der er anderswo Ehebruch verbietet. Das Wort am Ende, תּוֹעֵבַה (to'ebah), „Greuel", ist ein starkes Wort – es beschreibt etwas, das Gott zutiefst zuwider ist, oft im Zusammenhang mit Götzendienst [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs) [Tyndale Open Study Notes](cite://s?id=tyndale).

Wo liegt der Streit unter Christen heute? Nicht darüber, was der Text sagt – das ist sprachlich eindeutig –, sondern darüber, wie er heute angewendet werden soll: Manche moderne Ausleger meinen, das Verbot betreffe nur bestimmte Formen (Tempelprostitution, Machtmissbrauch, Päderastie in der griechisch-römischen Kultur), nicht gleichgeschlechtliche Liebe im modernen Sinn. Die Mehrheit der historischen christlichen Auslegung – katholisch, orthodox, evangelikal – liest es als ein grundsätzliches Verbot, das Paulus im Neuen Testament aufgreift und bestätigt (siehe Christusbezug unten). Das Kapitel endet damit, dass diese Praktiken das Land selbst „ausspeien" – ein Bild dafür, dass Gottes Schöpfungsordnung nicht beliebig verbogen werden kann, ohne Konsequenzen zu haben.

## Historischer Hintergrund

Stell dir das Volk Israel vor, gerade aus der Sklaverei in Ägypten befreit, am Rand der Wüste, kurz davor, in das Land Kanaan einzuziehen. 3. Mose (Levitikus) wird traditionell Mose zugeschrieben, wahrscheinlich im 15.-13. Jahrhundert vor Christus verfasst oder zumindest in dieser Zeit verankert, je nachdem, welcher Datierung du folgst. Das Buch ist im Kern ein Ausbildungshandbuch für ein Volk, das gerade zur Nation wird und lernen muss, wie ein Leben mit dem heiligen Gott Israels aussieht – im Gegensatz zu dem Leben, das sie in Ägypten kannten, und dem Leben, das sie in Kanaan vorfinden werden.

Kapitel 18 beginnt ausdrücklich mit dieser Spannung: „Ihr sollt nicht tun, wie man tut im Lande Ägypten... und wie man tut im Lande Kanaan" (Vers 3). Das ist der Schlüssel zum ganzen Kapitel. Archäologische und literarische Quellen aus dem alten Kanaan – etwa aus Ugarit, einer Stadt an der syrischen Küste – zeigen religiöse Praktiken, in denen Tempelprostitution, rituelle Sexualriten und Kinderopfer (Molochkult) Teil der Fruchtbarkeitsreligion waren [Jamieson-Fausset-Brown](cite://s?id=jamieson-fausset-brown). Gleichgeschlechtlicher Verkehr war in diesen Kulturen oft mit Götzendienst und Tempelkult verwoben, teils auch in ägyptischer und später in griechisch-römischer Kultur als gesellschaftlich toleriert oder sogar gefeiert [Adam Clarke Bible Commentary](cite://s?id=adam-clarke).

Gott zieht hier eine scharfe Linie: Sein Volk soll nicht nur anders glauben als seine Nachbarn, sondern anders leben – im Schlafzimmer, am Esstisch, überall. Die Strafe für dieses Vergehen wird in 3. Mose 20,13 noch einmal aufgegriffen und dort ausdrücklich mit der Todesstrafe belegt – ein Hinweis darauf, wie ernst dieses Gebot innerhalb der Rechtsordnung Israels genommen wurde. Das Kapitel endet mit einer Warnung: Die Kanaaniter selbst wurden aus dem Land vertrieben, weil sie es durch solche Praktiken „verunreinigt" hatten – Israel soll nicht denselben Fehler machen.

## Ursprache

Das Wort für „liegen", שָׁכַב (shakab, H7901), ist ein ganz gewöhnliches Wort fürs Hinlegen – zum Schlafen, zum Sterben, aber eben auch für den Geschlechtsakt [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Genau dieses Wort wird auch für die eheliche Vereinigung von Mann und Frau benutzt. Wichtig ist: Gott spricht hier nicht in verschleierten Andeutungen, sondern benennt den Akt so klar, wie er ihn anderswo für die Ehe benennt.

זָכָר (zakar, H2145) heißt „Mann" oder „männlich" – wörtlich verwandt mit dem Wort für „erinnern", weil der Mann in der patriarchalischen Weltsicht als das „bemerkenswerte" Geschlecht galt [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Das Gegenstück, אִשָּׁה (ishshah, H802), heißt schlicht „Frau". Der Vers stellt die beiden nebeneinander: „bei keiner Mannsperson... wie beim Weib" – die Formulierung selbst hält die Schöpfungsordnung von Mann und Frau als Maßstab fest und misst die verbotene Handlung daran.

Das entscheidende Wort steht am Schluss: תּוֹעֵבַה (to'ebah, H8441). Das ist kein mildes Wort für „nicht so toll" – es bedeutet etwas, das körperlich und moralisch Ekel erregt, oft im Zusammenhang mit Götzenbildern und heidnischen Kultpraktiken gebraucht [Strong's Concordance](cite://s?id=strongs). Wenn die Bibel etwas „to'ebah" nennt, sagt sie: Das widerspricht dem Wesen Gottes selbst, nicht nur einer kulturellen Vorliebe. Das gleiche Wort taucht später im Kapitel für Kinderopfer auf (Vers 21) – ein Hinweis darauf, wie schwer Gott dieses Vergehen wiegt, nicht weil es „unnatürlich" im modernen Sinn wäre, sondern weil es seine Schöpfungsabsicht verdreht [Tyndale Open Study Notes](cite://s?id=tyndale).

## Wie es auf Christus hinweist

Auf den ersten Blick scheint dieser Vers weit weg von Jesus zu liegen – ein trockenes Gesetz aus dem Alten Testament. Aber schau genauer hin, wohin dieser Vers im großen Erzählbogen der Bibel zeigt.

3. Mose 18 beginnt mit der Erinnerung an die Schöpfungsordnung: Mann und Frau, füreinander gemacht (das steht hinter dem ganzen Kapitel, auch wenn es hier nicht zitiert wird – vgl. 1. Mose 2,24). Jesus selbst greift genau diese Schöpfungsordnung auf, als er in Matthäus 19,4-5 sagt: „Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau schuf... darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen?" Jesus bestätigt also nicht nur das Gesetz, sondern die Ordnung, auf der das Gesetz überhaupt beruht.

Paulus greift dieses Levitikus-Gebot dann direkt auf, wenn er in 1. Korinther 6,9 und 1. Timotheus 1,10 Listen von Verhaltensweisen nennt, die Menschen vom Reich Gottes ausschließen. Aber lies weiter in 1. Korinther 6,11: „Und solche sind etliche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden." Das ist der entscheidende Punkt: Das Gesetz in 3. Mose zeigt, was Sünde ist – aber Jesus ist gekommen, um genau diese Sünde zu tragen und Menschen, die in ihr gefangen waren, freizusprechen und zu verändern. Das Kreuz ist kein Schlupfloch, das das Gebot aufhebt, sondern der Ort, an dem der Greuel, den dieser Vers benennt, tatsächlich gesühnt und vergeben werden kann. Niemand, der zu Jesus kommt – egal mit welcher Vergangenheit –, wird abgewiesen. Das ist die eigentliche gute Nachricht hinter diesem harten Gesetz.

## Für dein Leben

Dieser Vers ist unbequem, und ich will nicht so tun, als wäre er es nicht. In einer Zeit, in der sexuelle Identität für viele Menschen zum Kern ihres Selbstverständnisses geworden ist, klingt dieses Gebot für manche wie ein Schlag ins Gesicht. Ich will dir nicht sagen, dass das leicht ist. Aber ich will dir auch nicht die Wahrheit vorenthalten, weil sie unbequem ist – das wäre keine Freundschaft, das wäre Feigheit.

Frag dich ehrlich: Glaubst du, dass Gott, der dich gemacht hat, auch das Recht hat zu sagen, wofür dein Körper gemacht ist? Das ist die eigentliche Frage hinter diesem Vers – nicht nur „Was ist erlaubt?", sondern „Wem gehört mein Leben?" Wenn du zu den Menschen gehörst, für die dieser Vers unmittelbar persönlich schmerzhaft ist – sei es weil du selbst mit gleichgeschlechtlicher Anziehung ringst, oder weil jemand, den du liebst, das tut – dann bitte ich dich, nicht wegzulaufen, sondern näher zu Jesus zu treten, nicht weiter weg. Er hat noch nie jemanden verurteilt, der zu ihm kam, um ehrlich zu sein.

Und wenn du zu den Menschen gehörst, für die dieser Vers ein bequemes Werkzeug ist, um auf andere herabzuschauen – dann lies noch einmal 1. Korinther 6,9-11. Die Liste dort enthält auch Ehebrecher, Habgierige, Trunkenbolde. Der Greuel in diesem Kapitel ist nicht exklusiv für eine Gruppe reserviert. Jeder von uns bringt etwas aus dieser Liste mit an den Tisch. Der Kostenpunkt dieses Verses ist für alle derselbe: Bringst du deine eigene Sexualität, deine eigenen Begierden, unter die Herrschaft Gottes – oder behältst du dir dort ein kleines Reich vor, in das er nicht hineinreden darf?

## Gebetsanliegen

- Herr, ich bringe dir meine Sexualität – meine Begierden, meine Kämpfe, meine Scham – und bitte dich, mir zu zeigen, wo ich mich selbst regiere statt dich.
- Ich bitte um ein zärtliches, aber wahrheitsliebendes Herz für Menschen, die mit gleichgeschlechtlicher Anziehung ringen – bewahre mich vor Verachtung und vor billiger Zustimmung.
- Danke, dass am Kreuz kein Greuel zu groß ist, um vergeben zu werden – hilf mir, das für mich selbst und für andere wirklich zu glauben.
- Herr, gib mir den Mut, deine Schöpfungsordnung zu ehren, auch wenn meine Kultur sie verspottet.
- Zeige mir die Bereiche in meinem eigenen Leben, in denen ich genauso hartnäckig sündige wie in dieser Liste – und schenke mir echte Buße, nicht nur Bequemlichkeit.

## Zum Nachdenken

- Wo in deinem eigenen Leben behandelst du deine Sexualität als dein eigenes Territorium, in das Gott nichts zu sagen hat?
- Ertappst du dich dabei, dass du diesen Vers benutzt, um dich über andere zu erheben, statt selbst Buße zu tun?
- Wie würdest du reagieren, wenn ein enger Freund dir anvertraut, dass er mit gleichgeschlechtlicher Anziehung ringt – mit Wahrheit, mit Liebe, mit beidem?
- Glaubst du wirklich, dass Gottes Nein hier aus Liebe kommt, nicht aus Ablehnung? Was würde sich ändern, wenn du das glauben würdest?
- Welche „Greuel" aus deinem eigenen Leben hast du noch nie ehrlich vor Gott ausgesprochen?

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https://dewfall.app/de/read/gersch:3:18:22

Schlachter Bibel 1951, Genfer Bibelgesellschaft (CC BY 4.0)
