# Psalmen 65:4 (Schlachter 1951)

> Die Summe der Missetaten ist mir zu schwer geworden; du sühnst unsre Übertretungen.

## Was es bedeutet

Lies den Satz zweimal, langsam. Erst die Wucht: „Die Summe der Missetaten ist mir zu schwer geworden.“ Da steht kein frommer Nebensatz, sondern ein Mensch, der unter einem Stapel zusammenbricht. Nicht eine einzelne Sünde drückt ihn nieder, sondern die *Summe* – all das Kleine und Große, das sich über Jahre angesammelt hat, bis es ihn erdrückt. Das Ich steht hier ganz allein: „mir“, „ich“. Und dann der Bruch, mitten im Vers, ohne Übergangswort: „du sühnst unsre Übertretungen.“ Plötzlich ist aus dem „mir“ ein „unsre“ geworden – der Beter tritt aus seiner einsamen Not heraus und stellt sich in die Gemeinschaft derer, die Gott entlastet. Das ist kein Zufall der Grammatik, das ist die eigentliche Bewegung des Verses: von der erdrückenden Last des Einzelnen zur befreienden Zusage für alle.

Wichtig für dein Verständnis: In deutschen Ausgaben wird bei Psalm 65 oft die Überschrift als Vers 1 mitgezählt, deshalb verschiebt sich die Nummerierung gegenüber englischen Übersetzungen um eins. Der Vers, den du gerade liest, steht also direkt vor der berühmten Zeile „Wohl dem, den du erwählst und nahen lässest, dass er wohne in deinen Vorhöfen“ – die beiden gehören im Hebräischen eng zusammen, wie ein Gedanke in zwei Atemzügen.

Der Psalm insgesamt ist ein Dank- und Loblied: Gott hört Gebet, vergibt Schuld,

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Schlachter Bibel 1951, Genfer Bibelgesellschaft (CC BY 4.0)
